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Adeles Mega-Konzerte in München brechen wirtschaftlich viele Rekorde: Wieviel Geld fließt, wer profitiert und wer verliert

Adele kommt zu zehn Mega-Konzerten nach München. - Copyright: Live Nation/Florian Wieder, picture alliance / empics | Ian West
Adele kommt zu zehn Mega-Konzerten nach München. - Copyright: Live Nation/Florian Wieder, picture alliance / empics | Ian West

München steht vor dem größten Sommer-Spektakel seit den Olympischen Spiele 1972, und die Stadt erwartet einen Starkregen aus Geld. Schon Mitte Juni wird In München die Fußball-EM eröffnet. Bis zum Halbfinale finden dort sechs Spiele statt. Ed Sheeran spielt in München. Im Juli kommt Taylor Swift, später Coldplay. Das alles ist aber nur ein Vorspiel für Adele: Im August spielt Adele zehn Konzerte in München. Es sind ihre einzigen Shows in Europa. Für die Konzerte wird eigens eine Pop-Up-Arena gebaut. Für 80.000 Menschen. In diesem Milliardengeschäft gibt es viele Gewinner, aber auch Verlierer.

Zwei Jahre habe er an dem Deal gearbeitet, sagte der österreichische Konzertveranstalter Klaus Leutgeb. Dann sagte Adele. „Ein großer Knall mitten in Europa? In München? Klingt ein bisschen zufällig, aber immer noch fabelhaft!", schrieb sie auf Instagram. Geplant waren zunächst vier Konzerte. Doch dann hinterlegten 2,2 Millionen Fans aus aller Welt Kartenwünsche. Aus vier wurden acht, zuletzt sogar zehn Konzerte in München.

Zu jeder Show können 80.000 Menschen kommen. Dafür wird nach Plänen des Münchener Designers Florian Wieder ein Pop-Up-Stadion auf dem Messegelände in München-Riem gebaut. Florian Wieder ist ein weltweit gefragter Konzert-Designer und Show-Produzent. Mehrfach war zum Beispiel für die Bühne des Eurovision Song Contest verantwortlich.

Adele in München: Pop-Up-Arena für 80.000 Fans

Die geplante Pop-Up-Arena für 80.000 Menschen für die Adele-Konzerte in München. - Copyright: Live Nation / Florian Wieder
Die geplante Pop-Up-Arena für 80.000 Menschen für die Adele-Konzerte in München. - Copyright: Live Nation / Florian Wieder

800.000 Tickets werden also verkauft. Noch sind Karten zu bekommen. Die Veranstalter schalten Werbung. Mindestpreis der Karten 75 Euro für die hinteren Plätze. Wer Adele näher kommen will kann 400 Euro und mehr für ein Ticket zahlen. Es gibt auch noch teurere VIP-Pakete. Rechnet man nur mit einem Durchschnittspreis von 125 Euro, machen allein die Ticketerlöse 100 Millionen Euro aus.

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Adeles München-Sommer ist Teil einer Wende bei den Super-Shows, eine Art Las-Vegasierung. Der Superstar tourt nicht mehr zu den Fans. Vielmehr touren die Fans zum Star, der in einer Festspiel-Residenz Audienz hält. München für viele Fans doch tausende Meilen näher als Las Vegas, jubelte Adele. In der Spielerstadt in der Wüste Nevadas spielt die Britin Adele seit November 2022 ihre "Weekend with Adele"-Shows.

Adeles Zehnerpack in München sind ihre einzigen Konzerte in Europa und die ersten auf dem Festland seit 2016. München freut sich daher auf Gäste aus ganz Europa. Mindestens: Denn viele Fans folgen ihren Superstars mittlerweile sogar aus den USA nach Europa. Zum Auftakt der Europa-Tour von Taylor Swift in Paris gingen 20 Prozent der Tickets in die USA. Zu ihren aktuellen drei Shows in Stockholm wurden 10.000 Fans aus den USA erwartet. Für die ist eine Städtetrip nach Europa oft nicht teurer als ein Konzert in den USA, wo Tickets bei Resellern schon einmal über 2.000 Dollar kosten.

Vor allem die Tour-Touristen sollen die Kassen in München klingeln lassen. Die Hotelpreise in München haben sich für die Konzerttage bereits verdreifacht. Selbst einfache Hotelzimmer sind dann etwa über Bookling.com kaum unter 170 Euro zu bekommen. Mit rund 500.000 Übernachtungen rechnet die Stadt. Zahlen die Adele-Fans dafür im Mittel 200 Euro, kommen weitere 100 Millionen zusammen.

Das Wirtschaftsreferat der Stadt hat mögliche Zusatzeinnahmen aufgrund von Erfahrungswerten hochgerechnet. Sie Kämmerer erwarten, dass Adele-Fans pro Tag nochmals etwa 450 Euro ausgeben werden. Insgesamt hofft München auf 563 Millionen Euro, die durch die Adele-Konzerte zusätzlich in die Stadt gespült werden. Davon würden 369 Millionen auf das Gastgewerbe entfallen, 122 Millionen auf den Einzelhandel und 92 Millionen für Dienstleistungen. "Ein übernachtender Adele-Konzertbesucher hat etwa den gleichen Wirtschaftswert wie zwei normale Urlaubsgäste", sagte Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner.

Effekte für die Volkswirtschaft werden überschätzt

Schon 2023 übertraf München mit 18,6 Millionen Übernachtung wieder das Vor-Corona-Niveau. "2024 werden wir mehr als 20 Millionen Übernachtungen erleben", frohlockt Baumgärtner. Events werden zum Milliardengeschäft auch jenseits des Oktober-Fest. Der Landeshauptstadt mit einem Jahresetat von 8,7 Milliarden Euro kommt das Geld gelegen.

Mega-Konzerte sind wirtschaftlich so groß geworden, dass sie sogar Volkswirte beschäftigen. Konzerte der Sängerin Beyoncé in Stockholm im Mai 2023 hätten über die steigenden Preise Schwedens Inflationsrate um 0,3 Prozentpunkte in die Höhe getrieben, errechnete Michael Grahn, Ökonom bei der Danske Bank. Für Taylor Swift haben US-Ökonomen sogar das Wort „Swiftonomics“ erfunden. Swifts US-Tour 2023 habe Konsumausgaben von 4,6 Mrd. Dollar ausgelöst, errechnete die Zentralbank. Dies sei mehr als Wirtschaftsleistung in vielen der 50 US-Bundesstaaten.

Taylor Swift in Stockholm - Copyright: Christine Olsson / TT / Via Picture Alliance
Taylor Swift in Stockholm - Copyright: Christine Olsson / TT / Via Picture Alliance

Deutsche Volkswirte blicken nüchterner auf solche Vergleiche. Ganz grundsätzlich seien die volkswirtschaftlichen Effekte von Popstars überschätzt, sagte Felix Herrmann, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Aramea dem Magazin Capital. Auch Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe erwartet: „dass Adeles Konzerte keine Spuren in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Deutschland hinterlassen werden.“

„Die Inflation wird nicht steigen, weil Taylor Swift oder irgendjemand anderes ins Land kommt“, sagt auch Herrmann. Schweden ist so viel kleiner als Deutschland, dass entsprechende Events wie der Tourstart von Beyoncé „in unseren Zahlen nicht messbar“ wären.

Für München aber sei es „in jedem Fall ein guter Deal, dass Adele kommt“, sagte Wohlrabe zu Business Insider. „Steuereinnahmen werden steigen, die Leute lassen einiges an Geld da, und es werden auch kurzfristig viele Jobs angeboten.“ München profitiere davon, dass die Adele-Konzerte nur dort stattfänden. „Hotels und Gastgewerbe werden überdurchschnittlich profitieren“. Es könne sein, dass Besucher ihre Familien mitbringen und generell einen Urlaub in München oder Bayern verbringen.

Wohlrabe schränkte aber ein: „Von den Ticketeinnahmen bleibt ja nicht viel in der Stadt. Das geht vor allem an die Künstlerin und den Veranstalter, der ja auch das Personal bezahlen müssen." Volkswirtschaftlich müsse zudem berücksichtigt werden, dass Ausgaben für das Adele-Konzert teilweise an anderer Stelle eingespart werden. Mit Ticket, Anreise, Hotel und Verpflegung sei der der Besuch sehr teuer. Es werde sicherlich öfter der Fall sein, dass diese Personen dann an anderer Stelle sparen. Dann könnte zum Beispiel der Ostseeurlaub gestrichen werden oder der Kauf eines Fernsehers. „Es findet eine Verschiebung der Ausgaben statt“. Für Deutschland ergebe sich eher eine interne Umverteilung.

Positiver sei der Effekt durch ausländische Konzertbesucher. Viele wären ohne das Konzert wohl nicht mach Deutschland gekommen. „Das sind als meist zusätzliche Einnahmen für Deutschland“.

Mega-Konzerte: Kleine Veranstalter und Künstler leiden

Wohlrabe weist auf einen weiteren Effekt hin: „Da die Konzertkarten so teuer sind, kann es passieren, dass dann kein oder weniger Geld für andere Konzerte übrig ist“. Dies sei generell ein Problem der Mega-Konzerte: „ Es leiden kleinere und mittlere Konzertveranstalter, welche auch die Preise erhöhen mussten, um über die Runden zu kommen“. Dort aber kämen weniger Besucher, nicht weil das Angebot schlecht sei, sondern weil man es sich nicht mehr leisten könne.

Dem pflichtet Patrick Oginski bei, der seit 25 Jahren Konzerte in München veranstaltet sich im Vorstand des Verbandes der Münchner Kulturveranstaltenden engagiert. „Die Adele-Konzerte sind natürlich ein Riesenwirtschaftsfaktor für die Stadt München, vor allem für die Hotellerie, Gastronomie“, sagt er. „Aber die Schere zwischen Newcomer-Kultur und solchen Blockbustern geht immer weiter auseinander.“ Das mache ihm in München Sorgen, da hier kleinere Bühnen fehlten: „Orte, wo Bands beginnen können, sterben aus – und das wird ein Riesenproblem sein in den nächsten Jahren.“

München jedenfalls wird nur kurz verschnaufen, wenn Adeles 80.000-Fans-Arena wieder abgebaut ist. Ende September beginnt das Oktoberfest, das größte und umsatzstärkste Volksfest der Welt. Und auch die nächste Quelle für lukrative Großveranstaltungen ist bereits angezapft: am 10. November macht mit der US-Football League NFL die umsatzstärkste Sportliga der Welt zum zweiten Mal Station in München. In der Allianz-Arena spielt dann nicht der FC Bayern, sondern die New York Giants gegen die Carolina Panthers - vor Fans aus Deutschland, Europa und aller Welt.