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ING enttäuscht mit Gewinneinbruch – Jobabbau geplant

·Lesedauer: 3 Min.

Die größte niederländische Bank verdiente zuletzt 41 Prozent weniger. Auch in Deutschland lief das Geschäft schlechter. Nun sollen die Kosten sinken – und Strafzinsen kommen.

Der niederländische Konzern beschäftigte zuletzt rund 53.000 Mitarbeiter. Foto: dpa
Der niederländische Konzern beschäftigte zuletzt rund 53.000 Mitarbeiter. Foto: dpa

Es war ein wichtiger Auftritt für Steven van Rijswijk: Zum 1. Juli hat er die Rolle als Vorstandschef der größten niederländischen Bank übernommen. Am Donnerstag präsentierte er nun die Zahlen des ersten von ihm verantworteten Quartals.

Der 49-Jährige arbeitet seit 25 Jahren für ING, war zuletzt Risikovorstand. Nun tritt er in die Fußstapfen seines charismatischen Vorgängers Ralph Hamers, der an die Spitze der Schweizer UBS gewechselt ist. Allein, seinen Start hätte sich van Rijswijk wahrscheinlich anders vorgestellt – die Zahlen fielen unbefriedigend aus.

ING setzt nach einem Gewinneinbruch den Rotstift an. Konzernweit sollen 1000 Stellen gestrichen werden, betroffen sind die Regionen Südamerika und Asien. „Die Pandemie hat nach wie vor überall erhebliche Auswirkungen“, sagte van Rijswijk bei der Vorlage der Zahlen.

Das Ergebnis vor Steuern sackte um 37 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ab. Das war ein deutlich stärkerer Rückgang, als Analysten erwartet hatten. Die Aktie rauschte an der Börse in Amsterdam um mehr als sechs Prozent nach unten.

Kein Jobabbau in Deutschland

Zu schaffen macht den Niederländern wie anderen Banken in Europa auch das niedrige Zinsniveau in der Euro-Zone. Die Zinserträge sind die wichtigste Einnahmequelle für Geldhäuser. Im dritten Quartal fielen sie bei der ING um knapp sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Auch die Provisionseinnahmen gingen zurück.

Gut entwickelte sich hingegen das Firmenkundengeschäft, bei dem ING eine Trendwende erreichen konnte. Mit einem Vorsteuergewinn von 577 Millionen Euro im dritten Quartal lag das Ergebnis auf Vorjahresniveau.

Insgesamt lagen die Erträge mit 4,3 Milliarden Euro um gut sieben Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Gleichzeitig stiegen die Kosten und die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite.

Auch im wichtigen Deutschland-Geschäft, dem größten Markt von ING, ging der Gewinn zurück. Hier fiel der Vorsteuergewinn um 14 Prozent auf 323 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 377 Millionen Euro). Sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft musste die Bank Abstriche machen.

Dennoch lieferte der deutsche Markt einen wichtigen Gewinnbeitrag: So geht das weltweite Wachstum des privaten Kreditgeschäfts in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zu einem großen Teil auf eine stärkere deutsche Nachfrage nach Immobilienkrediten zurück.

In Südamerika und Asien will ING Niederlassungen schließen. In Deutschland ist Finanzkreisen zufolge kein Jobabbau geplant. Die deutsche Tochter beschäftigt 6000 Menschen, konzernweit sind es rund 55.000 Mitarbeiter.

Enttäuschte Analysten

Analysten zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen. Andere Institute hätten sich in den Sommermonaten besser geschlagen, kommentierten die Experten der Bank KBC. Auch die geplanten Sparmaßnahmen durch den Stellenabbau seien geringer als bei anderen Geldhäusern.

Ebenfalls enttäuscht zeigten sich die Marktbeobachter der britischen Großbank Barclays. „Ein schwacher Nettozinsertrag, ein negatives Kernkreditgeschäft und vorsichtigere Kapitalziele, als manche Beobachter erwartet hatten, könnten zu einer Schwäche des Aktienkurses führen“, lautete ihr Fazit.

Um den sinkenden Zinserträgen entgegenzuwirken, verlangt ING wie andere Banken in Europa künftig Strafzinsen von Kunden. Ab Februar 2021 gilt in Deutschland für neu angelegte Sparkonten mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent jährlich, wie ING am Mittwoch mitteilte.

„Die sinkenden Zinserträge aufgrund der niedrigen Leitzinsen setzen unsere Ertragsbasis unter Druck“, erklärte van Rijswijk am Donnerstag. Man werde jedoch vorsichtig mit Zins- und Gebührenerhöhungen umgehen. „Allein im vergangenen Quartal haben wir in Deutschland 60.000 neue Kunden gewonnen“, erklärte der Bankchef.

Mit seinem Vorgänger Ralph Hamers, der jetzt in Zürich arbeitet, ist van Rijswijk noch in Kontakt. „Er hat mir erst heute Morgen eine Nachricht geschickt und viel Glück gewünscht“, erzählte der Niederländer. Im aktuell schwierigen Marktumfeld kann der neue Bankchef das sicherlich gebrauchen.

Mit Material von Reuters.