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Diese Französin hat jetzt das Sagen bei der Handelskette Real

Marjorie Brabet-Friel investiert russisches Geld in deutsche Handelsimmobilien. Als CEO des Real-Käufers SCP Group führt sie nun de facto Real. Und sie will viel ändern.

Die rund 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Real haben eine neue Chefin: Nach Unterzeichnung der Kaufverträge hat Marjorie Brabet-Friel, CEO der russischen Investmentgesellschaft Sistema Capital Partners (SCP), jetzt de facto das Sagen bei der deutschen Handelskette – wenngleich die operative Führung ein Team um den ehemaligen Lidl-Manager Bojan Luncer übernimmt.

Im Handelsblatt hatte Brabet-Friel im Februar dieses Jahres, als der Deal in die Wege geleitet wurde, den Mitarbeitern versprochen, „so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten“. Trotzdem wird sich viel ändern. Denn mit Abschluss der Transaktion startet die SCP Group einen massiven Umbau des Real-Konzerns.

Über die Tochtergesellschaft SCP Retail Investments übernimmt sie die Steuerung aller Geschäftsbereiche von Real. Die Immobilien werden künftig zusammen mit dem auf Supermärkte spezialisierten Immobilieninvestor x+bricks Group betreut. Schon seit Februar wurden neue Konzepte für alle Real-Standorte ausgearbeitet, und mit den beiden Einzelhandelsunternehmen Kaufland und Edeka die Übernahme von 141 Real-Märkten vereinbart.

Nicht der erste Mega-Deal von Brabet-Friel

Das Digitalgeschäft von Real soll an die Schwarz-Gruppe gehen. Für die verbleibenden Real-Märkte würden „weiterhin alle Optionen“ geprüft, hieß es nun, darunter weitere Veräußerungen an Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen sowie die Unterteilung von Märkten in kleinere Flächen. Für etwa 30 Geschäfte sehe man aber keine tragfähige Zukunft.

Es ist nicht der erste Mega-Deal von Brabet-Friel, die in Frankreich und den USA zugelassene Anwältin ist, an der Harvard Law School und der Pantheon-Sorbonne in Paris studierte und mittlerweile in London lebt. Gleich nach dem Start der Investmentgesellschaft 2015 hatte SCP unter Führung der damals 41-Jährigen für 125 Millionen Euro ein Immobilienportfolio übernommen, das aus Immobilien in Städten wie Bremen, Gotha und Gelsenkirchen bestand.

Weitere Deals in deutschen Städten folgten. Das dafür notwendige Kapital kommt von dem russischen Mischkonzern Sistema mit dessen Mehrheitsaktionär Wladimir Jewtuschenkow, allerdings können sich auch wohlhabende Investoren an SCP-Projekten beteiligen. „Die Immobilienzeitung“ bezeichnete die Firma angesichts dessen einmal als „Mini-Blackstone für Russen“. Doch Vorurteile darüber „lächelt die Französin weg“.