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Deutsche Börse will erstes zentral gecleartes Bitcoin-Produkt zulassen

Kommende Woche startet das erste von Eurex Clearing abgewickelte Bitcoin-Derivat. Investoren soll es die Krypto-Anlage schmackhaft machen. Es gibt nur einen Haken.

Es ist ein Krux mit dem Bitcoin: Die vor über zehn Jahren aufgelegte älteste und wichtigste Kryptowährung lässt viele Anlegerherzen höher schlagen. Von Preisen im Cent-Bereich stieg der Bitcoin bis auf 20.000 Dollar, notiert aktuell laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap bei rund 9.700 Dollar – und erweist sich in der Coronakrise als rezessionsresistent.

Geht es nach dem Londoner Anbieter ETC Group, dann soll hierzulande schon kommende Woche ein neues Produkt an den Start gehen, das den Markt umkrempeln soll, insbesondere für institutionelle Investoren. Ihr Vertrauen soll kein geringerer Partner sichern als die Deutsche Börse, die sich mit dem neuen Produkt erstmals dem Kryptomarkt öffnen will.

Einen Namen hat es bereits: BTCE soll das neue Asset heißen, was für „Bitcoin Exchange Traded Crypto“ stehen soll, für „börsengehandelte Kryptowährung“. Mit dem Namen spielen die Anbieter auf den Begriff „Exchange Traded Fund“ (ETF) an, also auf die bei Anlegern immer beliebteren börsengehandelten Indexfonds. Mit einem solchen klassischen ETF hat das neue Produkt freilich wenig zu tun.

Hinter dem Angebot steckt vielmehr ein derivatives Wertpapier, eine börsengehandelte Inhaberschuldverschreibung, die die ETC Group herausgibt. Diese soll zu 100 Prozent mit realen Bitcoins besichert sein, die bei einer lizensierten Verwahrstelle hinterlegt werden, dem US-Anbieter BitGo Trust. Gehandelt wird auf dem Xetra-Segment der Frankfurter Börse, dem größten regulierten deutschen Wertpapierhandelsplatz.

Wie üblich bei einer Schuldverschreibung besteht für Käufer das sogenannte Emittentenrisiko: Sollte der Anbieter ETC Group ausfallen, drohen die Papiere wertlos zu werden. Sicherheit vermitteln soll daher die Unterlegung mit realen Bitcoins, die extern gespeichert werden. Neu ist zudem, dass die Anleger mit einer zentralen Gegenpartei handeln sollen: Das Clearing übernimmt die Deutsche-Börse-Tochter Eurex. Den entsprechenden Angebotsprospekt hat die Finanzaufsicht Bafin laut Anbieterangaben bereits genehmigt.

„Demokratisierung von Krypto-Investitionen“

„BTCE bringt die Transparenz und den Anlegerschutz, den Aufsichtsbehörden und institutionelle Anleger benötigen, in die Bitcoin-Welt“, erklärt der Chef der ETC Group, Bradley Duke. Zu lange hätten den Kryptomarkt „Bedenken hinsichtlich Komplexität, Zugänglichkeit und Governance“ ausgebremst. „Mit BTCE bringen wir Bitcoin in die Welt regulierter Finanzmärkte“, sagt Duke.

„Jeder BTCE-Anteil gewährt dem Inhaber einen Anspruch auf einen vordefinierten Bitcoin-Betrag. Beim Verkauf können die Anteile wahlweise auch in Bitcoin ausgezahlt werden“, so das Versprechen. Ein wichtiger Vorteil: Die Anleger müssten sich nicht mehr mit technischen Voraussetzungen beim Kauf und der Verwahrung von Bitcoin-Münzen befassen, beispielsweise keine kryptografischen Schlüssel verwalten. Duke verkündet nicht weniger als die „Demokratisierung von Krypto-Investitionen“.

Auch, wenn man derlei Marketing-Sprech beiseite lässt: Die Idee der ETC Group könnte bei (semi-)professionellen Anlegern auf fruchtbaren Boden stoßen. Denn bisher haben es Investoren schwer, in die Kryptowelt einzusteigen, wollen sie den Direktkauf von Bitcoin umgehen, wie er bisher nur über spezialisierte Onlineportale sowie Plattformen der Börse Stuttgart möglich ist:

  • Es gibt zwar in Europa aufgelegte alternative Investmentfonds (sogenannte Spezial-AIF), diese richten sich aber nur an wenige vermögende Anleger. Hier müssen Investoren mindestens 100.000 Euro mitbringen.
  • Die ersten freiverkäuflichen Krypto-Aktienfonds investieren größtenteils in die bekannten Technologieriesen des Silicon Valley, statt in virtuelle Coins.
  • Am meisten ähneln dem neue Asset die etablierten Krypto-Derivate der Anbieter Vontobel, Amun oder XBT, die zum Teil als Zertifikat bezeichnet werden, zum Teil als ETP („Exchange-Traded Product“), und an der Stuttgarter oder Schweizer Börse gehandelt werden. Sie haben die üblichen Nachteile eines derivativen Wertpapiers, darunter das Emittentenrisiko: Geht der Anbieter pleite, droht den Anlegern Totalverlust. Im Fall von Amun müssen sie sich zumindest darauf verlassen, dass der zwischengeschaltete US-Vermögensverwalter die gehaltenen Krypto-Assets verkauft und die Anleger schnell auszahlt.

Vergleichsweise hohe Kosten

ETC ist nicht der erste Anbieter, der verspricht, das erste Krypto-Produkt auf dem renommierten Marktplatz Xetra unterzubringen. Im Oktober hatte das Frankfurter Start-up Iconic ähnliche Pläne vorgestellt.

Glaubt man den Signalen, die vom Partner Deutsche Börse ausgehen, könnte es kommende Woche im Fall BTCE aber tatsächlich so weit sein: Mit dem weltweit ersten zentral geclearten Bitcoin-Asset würde die Deutsche Börse auf Xetra neue Maßstäbe bei der Abwicklung von Produkten auf Kryptowährungs-Basis setzen, heißt es aus der Konzernzentrale in Eschborn. Aktuell arbeite man an der finalen Zulassung.

Für den Londoner Anbieter ETC Group ist Frankfurt dabei nur der erste Schritt: „Es ist beabsichtigt, BTCE im Laufe der Zeit in allen wichtigen europäischen Märkten zum Vertrieb zuzulassen“, erklärt das Unternehmen.

Anleger zahlen für die Innovation freilich einen spürbaren Preis: Die Gesamtkostenquote (auch TER genannt) des BTCE liegt bei 2,0 Prozent pro Jahr - und damit deutlich über der herkömmlicher ETFs. Bei den beliebten Indexfonds fallen üblicherweise Kosten zwischen 0,1 und 0,6 Prozent pro Jahr an.