Deutsche Märkte schließen in 4 Stunden 56 Minuten

Dax rutscht deutlich ab – Shortseller reagieren mit Panikverkäufen auf die jungen Trader

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 5 Min.

Der Machtkampf an den US-Börsen um Aktien wie Gamestop zeigt Wirkung am deutschen Markt. Der Dax kämpft derzeit mit einer wichtigen Unterstützung.

Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Foto: dpa
Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Foto: dpa

Am deutschen Aktienmarkt setzt sich der schwache Wochenverlauf fort. In der ersten Handelsstunde gibt der Dax 1,7 Prozent nach und notiert bei 13.438 Punkten. Damit bleibt die wichtige Unterstützung bei rund 13.500 Punkten im Fokus. Am gestrigen Donnerstag rutschte der Dax zwischenzeitlich auf 13.311 Punkte ab, schloss aber noch 0,3 Prozent im Plus bei 13.666 Zählern.

Der Verlauf des gestrigen Handelstages spricht eher für einen halbwegs freundlichen Wochenausklang. Denn es gab ein hohes Kaufinteresse bei tieferen Kursen und auch die Anlegerstimmung signalisiert, dass die unterstützende Marke von 13.500 Punkten hält.

Laut technischer Analyse würde ein nachhaltiges Abrutschen, also per Tagesschlusskurs, unter die Marke von 13.500 Punkten die Lage beim Dax verschlechtern. Bildlich gesprochen: Die Börsenampel würde dann von Grün auf Gelb gesprungen.

Der Machtkampf an den US-Börsen zwischen Kleinanlegern und Shortsellern hinterlässt auch deutliche Spuren am deutschen Aktienmarkt. Die milliardenschwere Rettungsaktion des Hedgefonds Melvin in den USA lässt die Shortseller auch am deutschen Markt vorsichtiger werden. Sie reduzieren ihre Wette auf fallende Notierungen bei deutschen Papieren deutlich. In zwei Fällen reagierten die Hedgefonds mit offenbar panischen Verkäufen und lösten ihre millionenschweren Positionen innerhalb eines Tages auf.

Laut den Daten des Bundesanzeigers veränderten sich Shortsellerquoten am vergangenen Mittwoch 26 Mal, eine vergleichsweise hohe Aktivität. An den meisten Tagen gibt es weniger als zehn Veränderungen.

Was aber mehr überrascht: Nur zwei Mal erhöhten die Hedgefonds ihre Wette auf fallende Kurse, in 24 Fällen wurde die Position verkleinert oder sogar komplett geschlossen.

Vor allem bei den Privatanlegern beliebten Aktien reagierten die Shortseller panisch. Das legt die Vermutung nahe, dass die Hegefonds eine ähnliche Situation wie bei dem US-Wert Gamestop unbedingt verhindern wollen.

Gamestop gehört zu den Aktien, bei denen sich einige Nutzer zum Aktienkauf abgesprochen haben, um zum Beispiel solche Investoren aus dem Markt zu drängen, die auf fallende Kurse spekuliert haben. Sie sollen zu Deckungskäufen gezwungen werden, um einen sogenannten „Short Squeeze“ auszulösen, einen rasanten Kursanstieg ohne fundamentale Gründe.

So senkte Maplelane Capital seine Quote bei der Varta-Aktie am vergangenen Mittwoch von 1,08 Prozent auf 0,02 Prozent. Was umgerechnet bedeutet: Von den rund 1,4 Millionen Aktien; die am Mittwoch gehandelt wurden, hatte Maplelane Capital allein rund ein Drittel davon zurückgekauft (428.469 Stücke).

Hinzu kam noch der Kauf von rund 173.000 Papieren durch D1 Capital Partner. Der Hedgefonds hatte am Mittwoch ebenfalls seine Shortsellerquote gesenkt, allerdings nur von 1,17 Prozent auf 0,74 Prozent.

Solch eine komplette Schließung einer Shortposition ist eher ungewöhnlich. In fast allen Fällen geschieht dies an mehreren Handelstagen und dauert manchmal mehrere Wochen. Doch solch eine Vorgehensweise sorgt zwangsläufig für drastisch steigende Kurse und bringt ganz nebenbei andere Hedgefonds unter Druck, die auf fallende Kurse bei dieser Aktie gesetzt haben.

Um eine Shortposition zu verkleinern, müssen Hedgefonds die Aktien kaufen. Denn bei der Eröffnung einer Wette auf fallende Kurse haben sie sich die Titel von anderen Marktteilnehmern geliehen und verkauft. Mit der Absicht, die Papiere wieder günstiger zu erwerben und dann wieder zurückzugeben. Die Differenz ist der Profit, abzüglich einer Gebühr für die Wertpapierleihe.

Doch im Falle Varta dürfte diese Rechnung nicht aufgegangen sein. Das Papier stieg allein in den vergangen fünf Handelstagen um 39 Prozent und erreichte gestrigen Donnerstag mit 181,30 Euro ein neues Rekordhoch.

Auch bei der Evotec-Aktie reagierte der Hedgefonds Meritage Group so drastisch und senkte am Mittwoch seine Leerverkaufsquote von 0,62 Prozent auf null Prozent gesenkt. Dafür musste er allein mehr als 937.000 Papiere zurückkaufen.

Am heutigen Handelstag endet allerdings der Höhenflug von Varta und Evotec ist vorerst beendet. Die Aktien des Batterie-Herstellers und der Biotech-Firma fallen zur Eröffnung um 5,8 sowie 4,5 Prozent.

Blick auf die Einzelwerte

Daimler: Dank eines überraschend großen Gewinnsprungs kann sich das Papier dem deutlichen Abwärtstrend der Börse entziehen. Die Aktien des Autobauers verlieren lediglich 0,5 Prozent.

SAP: Der erfolgreiche Börsengang der Tochter Qualtrics in den USA ermuntert Anleger zum Einstieg. Die Aktien des Softwarehauses geben zwar 0,2 Prozent nach, was angesichts des schwachen Marktumfelds aber positiv zu werten ist. Der Börsenwert von Qualtrics sei mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich erwartet, sagt ein Börsianer. Vor diesem Hintergrund will SAP die Dividende anheben.

Die US-Tochter, an der SAP laut Finanzchef Luka Mucic „auf sehr lange Sicht“ die Mehrheit halten will, hatte am Donnerstag ihr Debüt an der US-Technologiebörse gefeiert und wurde mit fast 21 Milliarden Dollar bewertet. Knapp 1,9 Milliarden Dollar der IPO-Einnahmen fließen direkt nach Walldorf.

Rational: Ein negativer Analystenkommentar schickt das Papier auf Talfahrt. Die Aktien des Küchenausrüsters fallen um 1,8 Prozent auf 830 Euro. Die Experten der Deutschen Bank haben die Titel auf „Sell“ von „Hold“ heruntergesetzt, das Kursziel aber von 425 auf 460 Euro angehoben.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Die derzeitigen Leitplanken für den deutschen Leitindex sind fest umrissen: Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Mittelfristig agierende Anleger können je nach Strategie und Risikobereitschaft ihre Stop-Loss-Marke in diesem Bereich einziehen.

Dieser Bereich gewinnt an Bedeutung, weil die dort aktuell die 50-Tagelinie mit 13.588 Zählern liegt. Diese Linie ist eine Indikator für den mittelfristigen Trend.

Auf der Oberseite ist das Rekordhoch von 14.132 Zählern der erste Widerstand. Darüber dient für die technischen Analysten der Bank HSBC die Marke von 14.228 Punkten als nächste Anlaufstelle. Aus charttechnischer Sicht lässt sich in den kommenden Tagen und Wochen aber auch ein Kursziel von zunächst 14.700 Zählern ableiten.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.