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Chefs von Rossmann, Kik & Co. schlagen Alarm: Großes Container-Chaos auf See sorgt für höhere Preise und leere Regale

·Lesedauer: 3 Min.

Weltweit kommt es aktuell zu Engpässen im Frachtverkehr. Container auf Frachtschiffen sind Mangelware – ein Problem, das sich nach Einschätzung vieler Unternehmer nun auch auf deutsche Verbraucher auswirken wird. Das berichtet das „Handelsblatt“. So teilte Patrick Zahn, Chef des Textildiscounters Kik, der Wirtschaftszeitung mit, dass sein Unternehmen „große Schwierigkeiten“ habe, genügend Frachtkapazitäten auf den Schiffen zu buchen. Da Kiks Sortiment stark auf aus Asien importierter Kleidung fußt, sei das ein „Angriff auf unser Geschäftsmodell“. Parallel zu den geringen Kapazitäten würden zudem die Preise steigen – mit Folgen für den deutschen Handel, in dem Preiserhöhungen sich kaum noch vermeiden ließen, so Zahn.

Auch Raoul Roßmann, Chef der Drogeriekette Rossmann, gab beim „Handelsblatt“ an, dass er Preissteigerungen im Handel für unvermeidbar halte. Es werde immer schwieriger, die Waren aus Asien pünktlich in die Läden zu bekommen. Bert Rürup, Chef des Handelsblatt Research Institute, hält es der Wirtschaftszeitung zufolge sogar für möglich, dass die Inflation in Deutschland zwischenzeitlich auf mehr als vier Prozent steigt.

Massive Störungen der Betriebsabläufe im Seeverkehr

Hintergrund für die starken Preissteigerungen sind die derzeit massiven Störungen der Betriebsabläufe im weltweiten Frachtverkehr auf See. Sowohl aufseiten der Im- als auch der Exporteure komme es derzeit zu Staus an den Häfen – so beispielsweise in Seattle, wo die Containerstellplätze zu 120 Prozent belegt seien und Schiffe acht bis zehn Tage auf ihre Abfertigung warten müssten, wie das „Handelsblatt“ schreibt. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft zufolge stünden aktuell fünf Prozent der weltweiten Containerschiff-Kapazität auf ähnliche Weise vor den Häfen – ein Chaos, das sich aufgrund eng getakteter globaler Lieferketten auch auf Häfen in Europa und den Warenverkehr an Land auswirke.

Einer der Gründe für das Chaos liege in den USA, wo die Menschen nach der Pandemie ihre Einkäufe nachholen würden. Die Einzelhandelsumsätze seien im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 28,1 Prozent gestiegen, bei Kleidung und Accessoires sogar um 198,7 Prozent. Doch auch bei den Exporteuren habe es Probleme gegeben – einen Corona-Ausbruch im südchinesischen Hafen von Yantian in der Stadt Shenzen beispielsweise. Über diesen viertgrößten Hafen der Welt laufen laut „Handelsblatt“ 90 Prozent aller chinesischen Elektronikexporte. Die Nachwirkungen der Ever-Given-Havarie im Suez-Kanal, Streiks in den kolumbianischen Häfen Cartagena und Buenaventure, Unwetter sowie verstopfte Häfen in Brisbane und Sydney täten ihr Übriges.

Preissteigerungen um 16 Prozent – innerhalb einer Woche

Gerade für Händler werde die Lage zunehmend brenzlig, so das „Handelsblatt“ weiter. Angesichts geringer Margen würden die Preissteigerungen sämtliche Kalkulationen durcheinanderbringen – insbesondere bei niedrigpreisigen Produkten oder sperrigen Gütern. Doch viele Händler müssten bereits jetzt ihre Lager für die zweite Jahreshälfte füllen. Wer sich Kapazitäten nicht langfristig gesichert habe, müsse die drastischen Preissteigerungen also in Kauf nehmen. Allein Anfang Juli seien die durchschnittlichen Preise für den Warentransport innerhalb einer Woche um fast 16 Prozent angestiegen, so das „Handelsblatt“, und innerhalb eines Jahres hätten sich die Kosten für einen 40 Fuß langen Standardcontainer mehr als vervierfacht. Hinzu kämen die Schwierigkeiten, überhaupt Transportcontainer für die notwendigen Warenlieferungen aus Asien zu bekommen. Wie Kik-Chef Zahn dem „Handelsblatt“ mitteilte, würde Ware teilweise trotz Vereinbarung nicht mitgenommen, weil ein anderer Kunde mehr biete.

Die Berlin Brands Group (BBG), einer der großen deutschen Online-Händler, findet deutliche Worte: Eine ähnliche Situation habe man in der Logistik noch nicht erlebt, sagt Peter Chaljawski, Gründer und CEO von BBG dem „Handelsblatt“. „Für viele ist die Lage dramatisch.“ Chaljawski zufolge werde erst das nächste Jahr Entspannung bringen.

sb

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