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Ein halber Bagel und keinen zweiten Monitor: Ex-Amazon-Mitarbeiter beschweren sich über die Knausrigkeit ihres früheren Arbeitgebers

Der CEO für Amazon Web Services, Andy Jassy. - Copyright: Amazon
Der CEO für Amazon Web Services, Andy Jassy. - Copyright: Amazon

In einem E-Mail-Thread mit dem Betreff "Worked_at_Amazon", den Business Insider erhalten hat, beschwerten sich nun mehr als zwei Dutzend ehemalige Amazon-Mitarbeitende. Die Ex-Angestellten, die heute bei Google tätig sind, tauschen sich darüber aus, wie sparsam ihr ehemaliger Arbeitgeber gewesen sei.

In einer E-Mail aus dem Thread sagte ein ehemaliger Amazon-Mitarbeiter, der das Unternehmen im Jahr 2020 verlassen hat, dass Projektmanager "minderwertige Windows-Laptops" erhalten hätten. Sie mussten nachweisen, dass sie Apple MacBooks für die Arbeit benötigten, um die Geräte zu bekommen.

Dieser Vorgang wurde eines der Paradebeispiele für den Begriff "Frupidity". Der Begriff wurde in den Büros von Amazon immer beliebter, er setzt sich aus den englischen Wörtern "frugality" und "stupidity", also übersetzt "Frugalismus" und "Dummheit" zusammen, erklärte der ehemalige Amazon-Mitarbeiter Ethan Evans in einem Blogbeitrag. Der Begriff solle ausdrücken, dass gespart werde, aber ohne Augenmaß und ohne Rücksicht auf den Schaden, die die Sparmaßnahmen dem Unternehmen brächten.

Eine allgemein frugale Haltung ist Teil der Amazon-Kultur und gehört zu den 16 Führungsprinzipien des Unternehmens für Geschäftsentscheidungen.

Ein anderer Ex-Mitarbeiter, der das Unternehmen ebenfalls im Jahr 2020 verließ, schrieb in dem E-Mail-Thread, dass sein Team pro Mitarbeiter nur einen Computermonitor bekommen habe. Um einen zweiten Monitor zu bekommen, griffen die Amazon-Mitarbeiter zu komplizierten Maßnahmen. Sie stellten Sommerpraktikanten ein, die zu Beginn ihres Praktikums einen Monitor bekamen. Nachdem der Praktikant gegangen sei, sollten die Monitore zurückgegeben werden, was aber nie geschehen sei. Stattdessen behielten die anderen Angestellten die Monitore, um das fehlende Equipment aufzustocken.

Andere beschrieben, sie hätten Freundschaften mit Kolleginnen und Kollegen geschlossen, die für Büromaterialien zuständig gewesen seien. So hätten sie ein zusätzliches Laptop-Ladegerät ausleihen können, das sie aber behielten, bis sie das Unternehmen verließen, so die E-Mails.

Doch die frugale Einstellung hörte nicht bei den Arbeitsgeräten auf. Auch andere Bereiche des Büroalltags waren von der Sparsamkeit des Unternehmens betroffen.

Den E-Mails ist zu entnehmen, dass offenbar selbst Müsli ein Problem für das Unternehmen war. So hieß es, dass Müsli "nicht das frugale Mindset des Unternehmens repräsentieren würde". Somit sei es aus der Küche entfernt worden. Selbst Mahlzeiten wie beispielsweise Instant-Nudeln wurden, laut einer E-Mail, im Büro zu einem höheren Preis verkauft als in einem Geschäft in der Nähe des Büros.

Laut einer anderen E-Mail wurden zwei Angestellte bei einem Meeting gezwungen, sich einen Bagel zu teilen, weil das Budget nicht hoch genug war, um mehr zu bestellen.

Ein ehemaliger Mitarbeiter erzählte in der E-Mail, dass ihm gesagt worden sei: "Ein paar hundert Dollar für Müsli auszugeben, ist nicht sparsam. Es steht euch frei, um Spenden zu bitten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten".

Der E-Mail-Verlauf wurde von über 2000 Personen verfolgt und soll ehemalige Amazon-Angestellte, die jetzt bei Google sind, miteinander verbinden. Eine Person in dem Thread sagte zu Business Insider, dass die Arbeit bei Google eine andere sei als bei Amazon, mit einer besseren Unternehmenskultur und besseren Führungskräften.

Dieser Artikel wurde von Meltem Sertatas aus dem Englischen übersetzt. Den Originaltext findet ihr hier.