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Amazon & Co.: Warum Big Tech an der Wall Street unter Druck steht

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 3 Min.

Die jüngste Quartalssaison an der Wall Street hat für einige Überraschungen gesorgt: Zwar lieferten die GAFA-Konzerne mitunter starke Zahlenwerke, doch Amazon, Facebook und Apple gerieten unter Druck. Was ist plötzlich los bei Big Tech?

Amazons Geschäft boomt – besonders mitten in der Corona-Krise (Foto:  Amazon)
Amazons Geschäft boomt – besonders mitten in der Corona-Krise (Foto: Amazon)

Der Aufprall war hart. Um fast 8 Prozent brach die Amazon-Aktie am vergangenen Freitag ein. Es war der schwerste Kurssturz seit fast eineinhalb Jahren – nämlich seit dem Corona-Crash.

Mehr als 130 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich binnen sechs Handelsstunden in Luft auf. Amazon-Gründer Jeff Bezos büßte mehr als 15 Milliarden Dollar seines Vermögens ein und musste den Platz des reichsten Mannes der Welt an LVMH-Großaktionär Bernard Arnault abtreten. Was war geschehen?

Amazon erlebt nach Quartalsbilanz Debakel

Der bis dato wertvollste Internetkonzern der Welt hat die Wall Street bei Vorlage der jüngsten Geschäftsbilanz schwer enttäuscht. Dabei fällt die Bewertung der Enttäuschung ziemlich relativ aus. Tatsächlich wächst der 27 Jahre alte Internetpionier nämlich weiter zweistellig. 

Big Tech nach den Quartalszahlen – lohnt sich jetzt ein Einstieg?

In den 91 Tagen von Anfang April bis Ende Juni hat Amazon tatsächlich enorme 113 Milliarden Dollar erlöst – das entspricht einem Umsatzplus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Wall Street war das jedoch zu wenig: Die Analystenschätzungen hatten bei 115,2 Milliarden Dollar gelegen. Der Nettogewinn konnte gar um 50 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar gesteigert werden und die Konsensschätzungen der Wall Street damit deutlich übertreffen.

Amazon verspielt fast alle Kursgewinne des Jahres

Und doch: Die Amazon-Aktie ging in den Sturzflug auf nur noch 3328 Dollar über und hat damit in den vergangenen Handelstagen fast alle Kursgewinne des Jahres verspielt, während der Vergleichsindex S&P 500 im gleichen Zeitraum ein Plus von knapp 19 Prozent verbuchte.

Stock Split: Ist Amazon der Nächste?

Dabei steht Amazon mit seinem Börsenblues nicht allein dar. Tatsächlich tendierten vier der fünf GAFAM-Konzerne in der vergangenen Woche nach Bilanzvorlage an der Wall Street im Minus. Facebook machte es Amazon trotz einer weitaus besser als erwarteten Bilanz nach und büßte seit Mittwoch knapp sieben Prozent an Wert ein, während die Anteilsscheine von Apple und Microsoft nach den neuen Zahlenwerken um ein Prozent nachgaben. Lediglich Google-Mutter Alphabet legte gegen den Abwärtstrend um zwei Prozent zu.

Post-Corona-Ära: Ende des Hyperwachstums

Die neue Schwächephase der Tech-Superstars ist dabei weniger fundamental als mathematisch begründet. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres erleben die sogenannten „Stay-at-Home“-Unternehmen auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise einen großen Nachfrageboom.

Dazu zählten in den harten Shut- und Lockdowns der westlichen Welt vor allem die Vorzeigekonzerne von Big Tech: Weil mehr Zeit zu Hause verbracht wurde, schossen die Online-Bestellungen (Amazon) ebenso in die Höhe wie die im Internet (Google) und damit in den sozialen Medien (Facebook) verbrachte Zeit, während sich Nutzer im Home Office mit neuer Hard- und Software (Apple, Microsoft) ausstatteten.

„Langfristige Aussichten nicht eingetrübt“

In anderen Worten: Die ersten Ausmaße der Pandemie vor einem Jahr lassen die heutigen Ergebnisse der GAFA-Konzerne ab sofort nun weniger spektakulär erscheinen als noch in den Vorquartalen – mögliche Verfehlungen von Analystenschätzungen inklusive.

Facebook verdoppelt Gewinn - und warnt vor Gegenwind

Die gute Nachricht für Big Tech: Auch wenn sich das Wachstum im zweiten Halbjahr merklich abschwächen dürfte, fällt es immer noch zweistellig aus. Bei erfolgsverwöhnten Tech-Aktionären ist nunmehr jedoch plötzlich Geduld gefragt.

„Dieser Einschnitt trübt nicht die langfristigen Aussichten bei Amazon Web Services (AWS) und dem Handelsgeschäft, bedeutet aber wohl, dass wir in einer engen Kursspanne pendeln, bis ein neuer Katalysator entsteht“, mutmaßt etwa Barclays-Analyst Ross Sandler bei CNBC in Bezug auf die mittelfristige Entwicklung von Amazon.

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