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Überraschende US-Zinssenkung sorgt nicht für mehr Zuversicht an Finanzmärkten

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die überraschende Leitzinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) hat am Dienstag nicht für mehr Zuversicht an den Finanzmärkten gesorgt. Die Aktienmärkte gerieten sogar unter Druck. Es gab vielmehr eine Flucht in die als als ausfallsicher geltenden Staatsanleihen. Der US-Dollar ist zu fast allen wichtigen Währungen unter Druck geraten.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus reduzierte die Fed ihren Leitzins überraschend und außerplanmäßig um 0,50 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,00 bis 1,25 Prozent. Es handelt sich um die erste Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank seit der weltweiten Finanzkrise.

Zuletzt lag der US-Aktienmarkt <US2605661048> deutlich im Minus. Und der deutsche Leitindex Dax <DE0008469008> gab vorherige Gewinne teilweise ab. Händler erklärten die auf den ersten Blick ungewöhnliche Reaktion mit Aussagen von Notenbankchef Jerome Powell im Anschluss an die Zinsentscheidung.

"Die Dimension und die Nachhaltigkeit der gesamten Auswirkungen auf die Wirtschaft bleiben in hohem Maße unsicher", sagte Powell. Es gebe bereits Berichte zu Störungen globaler Lieferketten und über einen Rückgang in der Tourismus- und Reisebranche. Gleichzeitig sei erkennbar, dass die Epidemie des Coronavirus bereits Auswirkungen auf das Wachstum vieler Länder und die globalen Finanzmärkte habe. Mit den Aussagen habe Powell die Verunsicherung verstärkt, sagten Händler.

Geflüchtet sind die Anleger in die als sicher geltenden Staatsanleihen. Die Kurse von US-Staatsanleihen stiegen deutlich. Auch der für den deutschen Anleihemarkt richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future <DE0009652644> legte zu. Die Renditen gerieten in allen Ländern der Eurozone unter Druck. Besonders deutlich fielen sie Italien.

Der US-Dollar geriet unter Druck. Er gab zu fast allen wichtigen Währung nach. Der Euro <EU0009652759> stieg zeitweise bis auf 1,1212 US-Dollar. Dies ist der höchste Stand seit Anfang Januar. Zuletzt gab der Euro aber einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

Ökonomen halten jetzt weitere Zinssenkung in den USA für möglich. "Die Zinssenkung firmiert unter der Rubrik 'Grippeschutzimpfung', kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Bevor die Finanzmärkte und die US-Wirtschaft größeren Schaden nehmen, schreite die Fed ein. "Weitere Zinssenkungen könnten folgen."

Laut Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner wird die Fed zunächst schauen, ob die Zinssenkung die Märkte stabilisiert. Da auch in den USA die Infektionen mit dem Cornovirus zunehmen, sei ein rasches Ende der negativen Einflüsse aber nicht zu erwarten. "Falls erforderlich wird die Fed nachlegen", so Weidensteiner.