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Warum eine Übernahme der Commerzbank wahrscheinlich bleibt

Immer wieder war von einer möglichen Übernahme des Geldhauses durch einen Konkurrenten die Rede. In absehbarer Zeit könnte es tatsächlich passieren.

Die Commerzbank hat sich an das Leben als Übernahmeziel gewöhnt. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, wann das Geldhaus von einem größeren Konkurrenten geschluckt wird. Doch passiert ist am Ende nie etwas. Einige Gründe sprechen allerdings dafür, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird.

Die Commerzbank hat 2018 einen Gewinn von 865 Millionen Euro eingefahren, was einer mickrigen Eigenkapitalrendite von 3,4 Prozent entspricht. Und auch in den kommenden Jahren wird die Profitabilität nicht nennenswert steigen.

Bis 2023 peilt die Bank eine Rendite von mehr als vier Prozent an. Manche Investoren halten das für kein nachhaltiges Geschäftsmodell – und wären offen für einen Verkauf.

Durch den geplanten Stellenabbau und den Verkauf der Tochter M-Bank wird die Commerzbank zudem schlanker und als Übernahmeziel besser verdaulich. Sie hat gerade im deutschen Mittelstand viele interessante Kunden. Und sie ist vergleichsweise günstig zu haben: Aktuell liegt der Marktwert bei gut sechs Milliarden Euro.

Angesichts des Konjunkturabschwungs haben die meisten Banken aktuell keinen Appetit auf größere Übernahmen. Aber in zwei bis drei Jahren könnte das Thema Konsolidierung wieder auf die Agenda kommen. Für die Commerzbank, die aktuell 48.500 Mitarbeiter beschäftigt, sind dann neben einem Weiter-so drei Szenarien denkbar:

1. Zusammenschluss mit der Deutschen Bank

Commerzbank-Chef Martin Zielke rechnet aktuell nicht mit einem neuen Fusionsanlauf. Insider sind jedoch der Ansicht, dass ein Zusammenschluss erneut ein Thema werden könnte, wenn beide Institute mit ihrem Umbau durch sind. Das Einsparpotenzial bei einer Fusion wäre gewaltig – und es gäbe dafür auch Rückendeckung aus Berlin. Die Bundesregierung wünscht sich größere und stärkere deutsche Banken, die die heimische Wirtschaft weltweit besser unterstützen können.

2. Übernahme durch eine europäische Bank

Die italienische Großbank Unicredit und die niederländische ING haben in der Vergangenheit immer mal wieder ihre Fühler in Richtung Commerzbank ausgestreckt. ING-Chef Ralph Hamers kam Anfang des Jahres jedoch zu dem Ergebnis, dass ein Kauf für seine Aktionäre nicht attraktiv wäre. Auch Unicredit plant derzeit keine Zukäufe.

Wenn es Fortschritte bei der Bankenunion gibt, könnte eine Commerzbank-Übernahme für beide Institute aber wieder ein Thema werden, schließlich würden sie ihre Position in Europas größter Volkswirtschaft damit deutlich ausbauen.

3. Schulterschluss mit den Sparkassen

Zielke träumt seit Langem von einem Aufbrechen des deutschen Drei-Säulen-Modells aus privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken. Dann könnte er Sparkassen übernehmen oder sie alternativ als Zentralinstitut bei Geschäften unterstützen, die diese nicht allein stemmen können – etwa bei großen Krediten oder im Zahlungsverkehr.

Zielke hält es für wenig wahrscheinlich, dass es dazu kommt, doch aufgegeben hat er die Hoffnung nicht. Der Druck auf die Banken steige und werde „zu irgendeiner Art von Umbruch“ führen, sagte er kürzlich. „Vielleicht ist das eine Chance für uns.“