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Ihr wurdet gekündigt? Wie ihr damit im nächsten Bewerbungsgespräch am besten umgeht

Viele Menschen haben in den vergangenen Monaten aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ihren Job verloren. - Copyright: Lee Charlie / Shutterstock.com
Viele Menschen haben in den vergangenen Monaten aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ihren Job verloren. - Copyright: Lee Charlie / Shutterstock.com

Große Unternehmen wie Google und Meta, aber auch Startups wie ShareNow und McMakler haben in den vergangenen Wochen teilweise Tausende Mitarbeiter entlassen. Viele sind deshalb nun fleißig auf Jobsuche. Es gibt aber einige Menschen, die beunruhigt sind oder sich beschämt fühlen, weil sie entlassen wurden. Sie sind mitunter unsicher, wie und ob sie das Thema in einem Bewerbungsgespräch ansprechen sollen. Doch Karriereberater raten, es gebe keinen Grund zur Unruhe.

„Es gibt nichts, wofür man sich schämen müsste“, sagt die Londoner Karriereberaterin Margaret Buj. Entlassen zu werden, sei in der Regel nichts Persönliches. Arbeitgeber wüssten das und sähen Kündigungen daher nicht unbedingt als etwas Negatives an. Denn ein Unternehmen werde von vielen Faktoren beeinflusst, sagt auch Sara Skirboll, Vizepräsidentin für Kommunikation bei der internationalen Jobbörse CareerBuilder.

"Als Personalchef oder HR-Mitarbeiter versteht man, dass eine Entlassung nicht immer die Schuld der entlassenen Mitarbeiter ist. Solche Sachen passieren halt und sind außerhalb eurer Kontrolle", so Skirboll. Falls ihr entlassen worden seid, könnt ihr euch folgende Tipps für das nächste Vorstellungsgespräch merken:

1. Seid ehrlich

Es ist wichtig, im Vorstellungsgespräch ehrlich und offen über die Kündigung zu sprechen. Personalchefs müssen wissen, dass die Entlassungsentscheidung wenig mit euch zu tun hatte. "Wenn ihr aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage eine Kündigung bekommt, seid ehrlich. Lasst den neuen Chef wissen, dass der Jobverlust keine Folge eurer Leistung war", sagt Skirboll. Je mehr die Personalabteilung über die Hintergründe der Entlassung weiß, desto mehr Klarheit hat der neue Arbeitgeber.

Buj sagt, sie habe oft die Situation erlebt, in der ein ganzes Team nach einer Firmenfusion oder einer Personalumstrukturierung entlassen wird. "Wenn jemand in einer solchen Situation war, muss man klarmachen, dass man nicht die einzige betroffene Person ist", so die Karriereberaterin.


2. Seid positiv und fokussiert euch auf das, was ihr könnt und was ihr erreicht habt

Eine Kündigung ist oft ein unangenehmes Erlebnis – doch es lohnt sich laut Skirboll, sich bei der Jobsuche "auf das Positive" zu fokussieren. "Ihr müsst den Spieß umkehren", sagt Skirboll. "Sprecht über eure Fähigkeiten und eure Leistungen, was ihr getan und wie beim vorherigen Unternehmen zum Erfolg beigetragen habt. Bleibt nicht bei der Tatsache hängen, dass ihr gekündigt wurdet."

Buj rät auch, dass ihr zeigen solltet, wie ihr in eurer Position einen "Mehrwert" geschaffen habt. Eine Liste mit quantifizierbaren Leistungen zu erstellen, sei eine gute Idee. "Erwähnt, welche Fähigkeiten ihr eingesetzt habt, um die positiven Ergebnisse zu erzielen. Konkrete Beispiele und Geschichten helfen euch enorm, denn sie demonstrieren glasklar, was ihr könnt."

3. Betont, was ihr in der Zwischenzeit gemacht habt

Stellen für Führungskräfte und Manager sind für Arbeitsuchende schwierig zu bekommen. Für potenzielle Arbeitgeber sind diese Stellen mit einem höheren Risiko verbunden, daher dauert es natürlich länger, solche Jobs zu besetzen. Es sei wichtig, die Arbeitslücke mit produktiver Arbeit zu füllen.

"Eine Führungsposition findet man nicht an jeder Ecke. Die Suche nach einem Manager-Job kann bis zu sechs oder neun Monaten dauern. Wenn ihr mehr als nur eine kurze Arbeitslücke habt, werdet ihr wahrscheinlich die Frage gestellt bekommen: 'Was haben Sie seit Ihrer Entlassung gemacht?' Idealerweise wollt ihr alles nennen, was ihr getan habt, um eure Fähigkeiten zu verbessern." Buj rät, sich ehrenamtlich zu engagieren, sich weiterzubilden oder als persönlicher Berater zu arbeiten.

4. Greift eure alten Chefs nicht an

Den alten Arbeitgeber schlecht zu machen, scheint für viele besonders verlockend zu sein, vor allem nach einer besonders schwierigen Entlassung. Das ist nie eine gute Idee. Buj ist der Auffassung, man sollte einen "neutralen oder positiven Ton" beibehalten, wenn man über den alten Arbeitgeber spricht.

"Selbst wenn ihr denkt, dass euer Arbeitgeber schrecklich war, gehört das nicht in ein Vorstellungsgespräch. Ihr wollt wirklich jegliche Art von abfälligen Bemerkungen über frühere Vorgesetzte oder Kollegen vermeiden. Ihr denkt, das sei selbstverständlich, aber das ist es nicht. Ich habe Menschen erlebt, die trotz langjähriger Berufserfahrung diesen Fehler machen."

Skirboll warnt, dass zukünftige Arbeitgeber so möglicherweise denken, dass ihr in Zukunft auch abfällig über sie sprechen werdet – und eure negativen Kommentare daher als "Red Flag" wahrnehmen.

5. Bewahrt eure Freundschaften

Gute Kontakte bereitzuhalten, schadet nie. Und gute Beziehungen zu früheren Arbeitgebern sind oft ein gutes Zeichen. Buj sagt: "Stellt euch vor, ihr habt ein Vorstellungsgespräch und erklärt, dass ihr aufgrund einer Firmenfusion oder Umstrukturierung entlassen wurdet. Ihr sagt dann: 'Ich habe viele Referenzen aus meiner alten Firma und wäre jederzeit wieder willkommen.' Das macht immer einen viel besseren Eindruck."

Die Karriereberaterin erzählt, sie sei 2015 von einem Startup entlassen worden, weil es ein paar wichtige Kunden verloren habe. Buj sei eine von 23 Personen gewesen, die innerhalb einer Woche entlassen worden seien. "Ich hatte großartige Referenzschreiben von meinem alten CEO bekommen. Mittlerweile habe ich mit ihm freiberuflich gearbeitet und er hat mich sogar anderen Arbeitgebern empfohlen", sagt Buj.

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.