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Er war Sportlehrer, jetzt verkauft er Kunst von Studenten – auch an Klaas Heufer-Umlauf

Erich Reich hat eine Verkaufsplattform für Kunststudenten entwickelt.  - Copyright: Erich Reich
Erich Reich hat eine Verkaufsplattform für Kunststudenten entwickelt. - Copyright: Erich Reich

Eigentlich hätte Erich Reich heute als Sportlehrer auf einem Trainingsplatz stehen können. Und eigentlich hätte er danach zur Trainingshalle eines Handballvereins fahren können, um seine Mannschaft zu trainieren. Eigentlich. Doch anstatt den Karriereweg als Sporttrainer und Lehrer einzuschlagen, verkauft Reich mit seinem Startup Kunst von Studenten. Warum hat er den krisensicheren Job als Lehrer aufgegeben und alles auf eine Karte gesetzt? Er sagt: „Diese Chance hast du vielleicht nur ein-, zweimal im Leben.“ Lehrer, das könne er immer noch werden.

Reich wollte schon immer sein eigener Chef sein: „Ich habe den Lehrerjob auch gekündigt, um mir später nicht vorwerfen zu lassen, ich hätte nicht alles gegeben.“ Sein Unternehmen Studierenden-Kunstmarkt hat er zusammen mit seinem Bruder bereits 2019 gegründet. Das war, bevor er die Teilzeitstelle an einer Leipziger Waldorfschule angenommen hatte.

Erich Reich ist in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Sein Vater war Steinbildhauer, seine Mutter und Großmutter Malerinnen und sein Großvater Galerist. Reichs Leidenschaft ist dagegen der Handballsport: Er war als Handballtrainer beim HC Elbflorenz, einem Verein aus der 2. Handballbundesliga, für die A-Jugend verantwortlich. Seit August 2020 arbeitet er in Vollzeit für sein Startup – mittlerweile ohne seinen Bruder.

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Auf der Website Studierenden-Kunstmarkt verkaufen Kunststudierende ihre Gemälde, Installationen und Zeichnungen. „Die Kunstmappe der Studenten und Studentinnen, die sie bei den Hochschulen abgegeben haben, ist das Prüfsiegel. Wenn du für ein Kunststudium geeignet bist, bist du auch für die Plattform geeignet“, erklärt Reich. Zusätzlich zahlen die Studierenden eine Registrierungsgebühr von 45 Euro. Pro verkauftem Werk erhalten sie 71 Prozent des Verkaufspreises. Die restlichen 29 Prozent gehen als Provision an das Startup. Für Reich ein fairer Deal – vor allem, weil in klassischen Galerien der Verkaufspreis meist 50/50 aufgeteilt werde.

Das eingenommene Geld investiere das Startup in Werbung, Newsletter, Reichweite, Beratung, eine eigene Ausstellung, die IT und das Marketing. Studierenden-Kunstmarkt ist gebootstrappt und wirtschaftet profitabel, wie Reich uns sagt. Genaue Angaben zum Gewinn und Umsatz wollte er uns gegenüber nicht machen.

Rekordkunstwerk für 14.000 Euro

Insgesamt verkaufen rund 400 Studenten mehr als 6.000 Kunstwerke auf der Seite. Die Preisspanne der Werke liegen überwiegend zwischen 100 und 600 Euro. Das teuerste verkaufte Kunstwerk soll für 14.000 Euro den Besitzer gewechselt haben. Sammler und Förderer sollen so wortwörtlich auf ihre Kosten kommen. Denn unter den Studenten könnten in Zukunft bekannte Künstler sein, deren Werke sich im Preis mit der Bekanntheit steigern, sagt Reich: "Noch früher einzusteigen als jetzt geht gar nicht". Pro Tag würden fünf bis zehn Kunstwerke auf der Plattform verkauft.

Christopher Schröder wurde zum Künstler des Monats auf der Plattform gewählt. Dieses Werk von ihm wurde für 3.000 Euro bereits verkauft.  - Copyright: Studierenden Kunstmarkt
Christopher Schröder wurde zum Künstler des Monats auf der Plattform gewählt. Dieses Werk von ihm wurde für 3.000 Euro bereits verkauft. - Copyright: Studierenden Kunstmarkt

Durch den Erlös könnten sich einige Studierende sogar ihr Studium finanzieren. Kunsthochschulen sind teilweise privat. An der Alanus-Hochschule, an der laut Reich viele der Verkäufer auf der Plattform eingeschrieben sind, müssen Studenten der Bildenden Künste monatliche Gebühren in Höhe von 416 Euro zahlen.

Einen der besten Verkäufer auf der Plattform habe Reich nach dem Studium getroffen. "Der ist dann aus seinem Auto ausgestiegen und hat gesagt: 'Erich, das Auto habe ich durch euch finanziert'", so der Gründer. Doch nicht jeder auf der Plattform ist erfolgreich mit seinen Kunstwerken. Eigeninitiative und die richtige Preisgestaltung sind dem Gründer zufolge wichtig.

Klaas Heufer-Umlauf und Fynn Kliemann gehören zu den Fans

Junge Künstler noch in der Ausbildung ans Verkaufen ihrer Werke heranzuführen, kann auch Tücken haben. Reich findet einerseits: "Künstler sein bedeutet auch, Kunst zu verkaufen und davon zu leben." Es werde ihm zufolge jedoch problematisch, wenn die Studenten nur noch Werke erstellen, um sie zu veräußern. So gebe es Anmerkungen von Käufern, dass ihnen der vorherige Stil eines Studenten besser gefallen habe. Diese Informationen gebe Reich nicht an die jungen Künstler weiter.

Für die Kunststudenten kann die Plattform auch die Chance bedeuten, gesehen zu werden. Auf Instagram folgen 86.000 Menschen dem Studierenden-Kunstmarkt. Hier werden immer wieder Studenten und ihre Werke vorgestellt. Unter den Käufern sind auch Promis: Auf der ersten Ausstellung des Studierenden-Kunstmarkts hat Youtuber und Unternehmer Fynn Kliemann seine Werke ausgestellt – und laut Reich welche gekauft. Auch Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf gehöre demnach zu den prominenten Käufern.

Galeristen werden somit ebenfalls auf die Künstler aufmerksam, sagt der Gründer. "Wir werden von der Kunstwelt ernster genommen, als uns lieb ist", fügt er hinzu. Galeristen sehen seine Plattform mitunter als Konkurrenz. Auch elitäre Haltungen spielten eine Rolle. "Kunst ist nicht schlecht, nur weil sie online gezeigt wird", sagt Reich. Es sei heute gar "nicht mehr möglich, eine neue Galerie ohne Online-Präsenz zu eröffnen." Für Reich und sein Team ist das der nächste Schritt. Das Startup plant, im Raum Leipzig eine eigene Galerie in Betrieb zu nehmen.