Werbung
Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    18.704,42
    -34,39 (-0,18%)
     
  • Euro Stoxx 50

    5.064,14
    -8,31 (-0,16%)
     
  • Dow Jones 30

    40.003,59
    +134,21 (+0,34%)
     
  • Gold

    2.419,80
    +34,30 (+1,44%)
     
  • EUR/USD

    1,0872
    +0,0002 (+0,02%)
     
  • Bitcoin EUR

    61.425,50
    -527,07 (-0,85%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.364,59
    -9,25 (-0,67%)
     
  • Öl (Brent)

    80,00
    +0,77 (+0,97%)
     
  • MDAX

    27.441,23
    -67,24 (-0,24%)
     
  • TecDAX

    3.431,21
    -12,82 (-0,37%)
     
  • SDAX

    15.162,82
    -4,48 (-0,03%)
     
  • Nikkei 225

    38.787,38
    -132,88 (-0,34%)
     
  • FTSE 100

    8.420,26
    -18,39 (-0,22%)
     
  • CAC 40

    8.167,50
    -20,99 (-0,26%)
     
  • Nasdaq Compositive

    16.685,97
    -12,35 (-0,07%)
     

Stressprävention am Arbeitsplatz: Was können Arbeitnehmer und Unternehmen tun?

Leistungsdruck, Zeitdruck und zu hoher Workload gehören zu den häufigsten Gründen für Stress am Arbeitsplatz. - Copyright: puhhha/Shutterstock
Leistungsdruck, Zeitdruck und zu hoher Workload gehören zu den häufigsten Gründen für Stress am Arbeitsplatz. - Copyright: puhhha/Shutterstock

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Corinna Häsele. Sie ist Gründerin und CEO der Stress-Präventations-Plattform Better Linked. Als Unternehmensberaterin und Psychologin bietet sie Unternehmen präventive Unterstützung, bevor Stresswirkungen das Kommando übernehmen.

Stress ist für viele Menschen am Arbeitsplatz genauso alltäglich geworden wie der Gang zur Kaffeemaschine. So zeigt die aktuelle Studie „Arbeiten 2023“ der Betriebskrankenkasse Pronova, dass 61 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fürchten, wegen Überlastung zu erkranken. Das sind 11 Prozent mehr als vor der Corona-Pandemie. Gerade in Zeiten anhaltender Veränderungen und Unsicherheit sind Stressmanagement und Resilienz am Arbeitsplatz unverzichtbar, um Stress und seinen Folgen mit gezielten Maßnahmen präventiv entgegenzuwirken. Denn Stress ist keine unvermeidbare Begleiterscheinung des Berufslebens. Vielmehr ist es an den Unternehmen und Arbeitnehmenden gleichermaßen, Stress aktiv zu begegnen.

Wie Stress entsteht: Stressoren frühzeitig erkennen und identifizieren

Stress entsteht als natürliche Reaktion des Körpers auf Belastungen oder Herausforderungen aus der Umwelt. Wird eine Person mit solchen Stressoren konfrontiert, aktiviert das Gehirn eine Reihe von physiologischen und psychologischen Reaktionen, auch „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ genannt, um den Organismus in einen Zustand höherer Wachsamkeit zu versetzen. Der Schritt, ob ein Reiz als herausfordernd bewertet wird, ist sehr individuell, sodass manche Personen ein Ereignis als stressig wahrnehmen, wohingegen andere ihm gelassen gegenüberstehen.

Better-Linked-Gründerin Corinna Häsele. - Copyright: Diamond Photography Malta
Better-Linked-Gründerin Corinna Häsele. - Copyright: Diamond Photography Malta

Während die Reaktion für unsere Vorfahren überlebenswichtig war, um physischen Bedrohungen zu begegnen, sind die Stressoren heute oft psychosozialer Natur. So zählen Leistungsdruck (56 Prozent), Zeitdruck (43 Prozent) und ein zu hoher Workload (41 Prozent) zu den häufigsten Gründen für Stress am Arbeitsplatz. In der Regel handelt es sich dabei um anhaltende Zustände, sodass die normalerweise auf diese Reaktion folgende Regenerationsphase des Körpers ausbleibt. Stattdessen bleibt das Level an Stresshormonen bei vielen Menschen konstant erhöht.

Junge Beschäftigte sind stärker betroffen

Eben dieser langfristige Stress hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit, wie Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände bis hin zum Burnout. Aktuellen Studien zufolge sind 13 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten an einem Burnout erkrankt. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 18 Prozent. Das hat auch Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg – so verursacht die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit einen Bruttowertschöpfungsausfall von 136 Milliarden Euro.

WERBUNG

Gänzlich verhindern können wir Stress nicht. Dennoch zeigen diese alarmierenden Zahlen einmal mehr, wie wichtig es ist, Stressoren frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren, damit Stress und seine Begleiterscheinungen gar nicht erst das Ruder übernehmen. Dabei ist es an der Unternehmensführung eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die das Wohl der Mitarbeitenden fördert und es ihnen ermöglicht, ihre Energie zur Erfüllung der Arbeit zu nutzen. Ohne die Last von umgebenden Stressoren, wie interne Konflikte, eine ungerechte Verteilung des Workloads oder Jobunsicherheiten. Erst wenn Unternehmenswerte nicht nur auf dem Papier, sondern auch im täglichen Miteinander gelebt werden, entsteht eine vertrauensvolle und unterstützende Kultur, die die Mitarbeitenden ermächtigt Stress zu begegnen.

Stressprävention: Ansätze, um Stress im Arbeitsumfeld vorzubeugen

Stressprävention umfasst Strategien, die darauf abzielen, die Entstehung von Stress zu verhindern, die Wirkung von Stressfaktoren zu reduzieren und andererseits Kompetenzen für einen besseren Umgang mit Stresssituationen zu entwickeln. Im beruflichen Kontext sind dabei beide Seiten – sowohl die Arbeitnehmenden als auch die Unternehmen – gefragt, um Stress wirksam entgegenzuwirken:

Was können Arbeitnehmer tun?

Zum einen zielt die Verhaltensprävention darauf ab, das Individuum zu stärken und zu befähigen, mit herausfordernden Arbeitsbedingungen erfolgreich umzugehen und gesund zu bleiben. Dabei ist es essenziell, individuelle Stressoren zu identifizieren und zu erkennen, wann das eigene Stresslevel zu hoch ist. Hier kann das Konzept der Selbstwirksamkeit Abhilfe schaffen, um mittels kleiner Übungen in der Handlungsfähigkeit zu bleiben. Beispielsweise aktiviert das bewusste Einatmen und Ausatmen abwechselnd durch das eine und das andere Nasenloch den Parasympathikus im Körper und sorgt so dafür, das Stresslevel zu senken.

Damit einhergehend ist es ratsam, den Workflow so weit wie möglich an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, beispielsweise durch kurze, regelmäßige Pausen. Techniken der kognitiven Umstrukturierung können helfen, Stress erzeugende Gedanken zu identifizieren und in positivere umzuwandeln. Anstatt also beim Anblick der vollen To-do-Liste „Ich schaffe das alles nicht“ zu denken, können diese Gedanken zu „Die Liste ist lang, aber ich kann sie Schritt für Schritt abarbeiten, um effizient zu arbeiten“ umgewandelt werden.

Auch Methoden wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Meditation eignen sich, um die physiologischen Auswirkungen von Stress zu minimieren und die psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken. Damit einhergehend helfen Achtsamkeitsübungen und das Pflegen eines positiven Mindsets, Resilienz aufzubauen. Neben den individuellen Ressourcen sorgt ein soziales Netzwerk dafür, kollegiale Unterstützung als Ressource nutzbar zu machen, auf die bei stressbedingten Problemen zurückgegriffen werden kann.

Was können Unternehmen tun?

Zum anderen ist es an den Unternehmen im Rahmen der Verhältnisprävention betriebliche Prozesse anzupassen, um physische und psychosoziale Arbeitsbelastungen zu reduzieren. Stress als solchen im Unternehmen anzuerkennen, ist dabei der erste Schritt. Begleitende und unterstützende Maßnahmen für die Mitarbeitenden zu schaffen, baut darauf auf. Beim Umgang mit diesen kulturellen und strukturellen Stressoren ist es wichtig, auf langfristige und nachhaltige Ansätze zu setzen. Beispielsweise führt ein Workshop zum Stressmanagement im Jahr nicht zu Veränderungen, sondern dient vielmehr dazu, das Gewissen der Unternehmen zu beruhigen, indem die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitenden als erledigt angesehen wird.

Statt den Stress in den individuellen und privaten Bereich der Mitarbeitenden zu schieben, sollten Unternehmen auf gezielte Maßnahmen setzen und ein gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld schaffen. Beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten, Optimierung von Abläufen oder ergonomische Arbeitsplätze. Auch betriebliche Unterstützungsangebote, wie Workshops zum Aufbau von Resilienz, die Errichtung von Rückzugsorten oder Ruheräumen sowie Angebote für die physische Gesundheitsförderung wie Fitnessstudio-Mitgliedschaften oder Gesundheitstage sollten als konstante Maßnahmen dienen.

Zudem ist es ratsam, Führungskräfte zu schulen, um ein Bewusstsein für Stresssymptome zu entwickeln und einen unterstützenden Führungsstil zu etablieren. Damit einhergehend schafft eine entlastende Unternehmenskultur, die Wertschätzung, transparente Kommunikation und Teamzusammenhalt fördert, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Stressprävention.