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Dieses Startup übernimmt bei Unterrichtsausfällen an Schulen – mit Lektionen aus dem Leben

Der LifeTeachUs-Gründer Ludwig Thiede hatte auch in seiner Schulzeit viele Ausfallstunden.  - Copyright: LifeTeachUs
Der LifeTeachUs-Gründer Ludwig Thiede hatte auch in seiner Schulzeit viele Ausfallstunden. - Copyright: LifeTeachUs

Mittwochs, dritte Stunde an einem Gymnasium in Berlin. Der Unterricht fällt aus, die Lehrerin hat sich kurzfristig krankgemeldet. Normalerweise müssten die Schüler jetzt die Zeit auf dem Pausenhof oder in der Mensa überbrücken. Stattdessen wird eine Bäuerin aus Bayern per Videocall zugeschaltet und erklärt den Großstadtkindern, wie ihr Alltag auf dem Land aussieht. Unterricht aus dem Leben, statt Wurzelfunktionen. So funktioniert das Konzept von LifeTeachUs, einem gemeinnützigen Verein, der sich als Social Startup bezeichnet. Er vernetzt Menschen aus verschiedenen Berufsfeldern mit Schulen.

Eine Idee, die Gründer Ludwig Thiede seit zehn Jahren umtreibt. Auch in seiner Berliner Schulzeit hat es „wahnsinnig viel Unterrichtsausfall gegeben“, wie er im Gespräch mit Gründerszene sagt. Allein in der Hauptstadt fallen etwa 20.000 Unterrichtsstunde pro Woche aus, so eine Statistik der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Hinzu komme das allgemeine Empfinden als Schüler, von den Lehrinhalten nicht ausreichend auf das Leben vorbereitet zu werden, sagt der Gründer. Thiede will mit seinen Co-Gründern Simon Bründl und Hanna Common das ändern. Aus der Idee ging 2021 der Verein LifeTeachUs hervor. „Wir sind eine Plattform zwischen der Schule und dem echten Leben“, erklärt Thiede.

App vermittelt bis zu 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn

Das Produkt besteht aus einer App, die mit dem Fahrdienst Uber vergleichbar ist. Partnerschulen, von denen es aktuell landesweit etwa 30 gibt, stellen bei Unterrichtsausfall eine Anfrage. Die App leitet die Informationen in Echtzeit an sogenannte LifeTeacher weiter. Das sind die Personen, die durch den Verein verifiziert und qualifiziert wurden und ihr Lebenswissen an die Schüler weitergeben möchten. Die App filtert, welche der LifeTeacher für die Schulanfrage in Betracht kommen – je nachdem, welche Themen gefragt sind, wie groß die Entfernung ist und ob es sich um eine Grundschule oder ein Gymnasium handelt. Die LifeTeacher können der Anfrage zustimmen und übernehmen den Unterricht, der eigentlich ausfallen würde. Möglich sind sowohl Online- als auch Präsenz-Veranstaltungen.

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Damit die Vermittlung klappt, ist Flexibilität wichtig. Viele Freistunden fallen spontan aus. Die App versucht so schnell wie möglich, Ersatz zu finden. Bis zu 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn können sich die LifeTeacher in das Unterrichtszimmer zuschalten. Das klappt nicht immer. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, muss der Pool an LifeTeachern steigen. Das Team spricht immer wieder Angehörige oder Eltern an den Schulen an. Unternehmen können mit dem Verein zusammenarbeiten und Mitarbeiter als Teil eines Corporate Volunteering an die Schulen schicken.

Der Gründer verdient mit seinem Startup keinen Cent

Von der genannten Bäuerin, zu Handwerkern, bis zu Gründern: das Spektrum der Life Teacher sei weit. Als Beispiel nennt Thiede das Thema Bewerbung: „Die Lehrer kommen womöglich direkt von der Uni und haben keine großen Erfahrungen beim Schreiben von Bewerbungen gesammelt. Wir schicken dann Leute hin, die direkt aus dem HR-Bereich kommen und ihr Wissen weitergeben.“

Insgesamt gibt es etwa 300 Life Teacher, unter ihnen Studenten, Angestellte und Senioren, mehrheitlich Frauen, sagt Thiede. Bemerkenswert ist: Alle Life Teacher und das zehnköpfige Team betreiben das Angebot ehrenamtlich. Sie verdienen damit keinen Cent. Finanziert wird das Projekt durch Spenden. Nur so konnte es überhaupt starten. „Wir machen das alle nicht, damit wir reich werden, sondern weil wir Bock darauf haben“, erklärt Thiede. Er gibt allerdings auch zu: „In Deutschland wird leider noch nicht immer anerkannt, dass man etwas Gutes tut und dabei Geld verdienen will.“

Die Doppelbelastung aus Job und Ehrenamt gehe an die Substanz. Das Team erkundet daher auch zusätzliche Business-Modelle: „Wir sprechen mit Unternehmen und Stiftungen, die uns in den nächsten drei Jahren institutionell unterstützen können.“ In Zukunft könnten dann auch die Schulen für die Leistungen einen monatlichen Beitrag zahlen, der die Kosten und Gehälter des Teams deckt.

Bis dahin gibt das positive Feedback ihnen Kraft und Motivation. "Eine Lehrerin hat zu uns einmal gesagt: Das sind echte Sternstunden, die Leben verändern können", sagt Thiede. Der Einfluss der LifeTeacher kann groß sein. Das birgt auch Gefahren. Die meisten der LifeTeacher haben keine pädagogische Ausbildung absolviert. Sie müssen deshalb einen Qualifizierungsprozess durchlaufen. Dazu gehört die Vorlage eines Führungszeugnisses, Gespräche über die Themenauswahl und Workshops zur Vermittlung des Wissens. Das Team erhält dann Feedback der Schüler und Schulen.

Hotpsots sind die Großstädte Berlin, Hamburg und München. Aber auch Schulen in Nordrhein-Westfalen und Hessen verzeichnen einen Zuwachs, sagt Thiede. Ziel sei es, das Angebot auf ländlichere Regionen auszuweiten, um dort zumindest Online-Termine anbieten zu können.