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Die Signa-Arie ist noch nicht angestimmt: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Boris Groendahl darüber, wann es vorüber ist. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages täglich direkt in ihre Mailbox.

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Signa-Sirenen

Einen Moment lang konnte man bei der mäandernden Insolvenz des Signa-Konglomerats von René Benko beinahe den Eindruck bekommen, es würde alles vielleicht doch nur halb so schlimm werden. Ein bisschen Massekredit hier, eine kleine Folgeinsolvenz da, ein paar Schreibtischstühle versteigern und ansonsten Zeit schinden bis die Zinswende kommt und die Bewertungen wieder steigen, dann würden die Verluste schon nicht so groß werden. Doch in den letzten Tagen wurde klar, warum diese Sirenengesänge in die Irre führen.

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Da ist zum einen die Tatsache, dass die Gläubiger nur häppchenweise die Insolvenzen in ihren Bilanzen verarbeiten. Bei der Schweizer Privatbank Julius Bär dürfte in Kürze klar werden, dass die angeblichen Sicherheiten gar nicht so toll sind wie zunächst behauptet. Das könnte auch bei anderen Gläubigern ein Hinterfragen anstoßen. Die Insolvenz der angeblich sicheren und erfolgreichen Nobelsparte KaDeWe wiederum zeigt die widerstreitenden Interessen der Signa-Investoren: Sie dürfte vor allem dem thailändischen Miteigentümer Central Group zugutekommen, der dadurch günstiger an den Vollbesitz und an die Immobilien der Edel-Kaufhäuser herankommen könnte.

Die letzte Woche von der FT aufgebrachten konzerninternen Geldflüsse waren zwar für Bloomberg-Leser und Signa-Bond-Gläubiger keineswegs neu, sondern schon seit November bekannt; sie gehörten ja zu den Gründen, warum sich Signa schwertat, Geldgeber für Rettungskredite zu gewinnen. Vom Insolvenzverwalter könnte hier bald die Transparenz kommen, die Signa immer hatte vermissen lassen. Insgesamt zeigen die Ereignisse, dass in der Insolvenz wie in der Oper gilt: “It ain’t over till the fat lady sings.”

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell, Verena Sepp und Boris Groendahl: Zwei Champions, Flattern in der Voliere, Strafen bedrohen Dividende, ‘VdL’ kein Selbstläufer, und New Work unausweichlich?

Zwei Champions

Die Schweizer Holcim bringt ihr Nordamerikageschäft an die Börse in New York. Als Bewertung peilt der größte Zementhersteller der Welt umgerechnet mehr als 26 Milliarden Franken für die schnell wachsende Sparte an. An der Börse ging es für die Anteilsscheine um bis zu 6,7% aufwärts, zuletzt notierten sie noch 4,0% im Plus. Die Aktien waren im vergangenen Jahr um 38% gestiegen und hatten im Dezember den höchsten Stand seit 2015 erreicht. “Wir schaffen zwei unabhängige Champions”, erklärte CEO Jenisch. Der Börsengang soll als Abspaltung erfolgen, bei der Holcim-Aktionäre zu Inhabern der neuen Gesellschaft werden. Der geplante Schritt könnte “die Sichtbarkeit und Liquidität erhöhen und Wert schaffen, da Baustoffunternehmen, die sich für eine Notierung an der NYSE entscheiden, Zugang zu einem größeren Anlegerkreis haben und die Bewertungsmultiplikatoren im Durchschnitt doppelt so hoch sind”, schreiben die BI-Analysten. Holcim werde mit einem Unternehmenswert von 48,4 Milliarden Franken gehandelt. Im Zuge rückläufiger Hypothekenzinsen seit Oktober sind die US-Bauunternehmer in letzter Zeit optimistischer und beantragen mehr Genehmigungen. So stieg die Zahl der Käufe neuer US-Einfamilienhäuser im vergangenen Monat um 8%, die Zahl für November wurde nach oben korrigiert.

Flattern in der Voliere

“Bei unseren nächsten Sitzungen wird alles offen sein”. Das prophezeit der französische Notenbankchef Villeroy de Galhau mit Blick auf die Zinspolitik der Zentralbank. Damit wirft er den Falken im EZB-Rat den Fehdehandschuh hin. So will der Niederländer Knot zunächst eine Trendwende bei der Lohnentwicklung sehen. Dies würde den Juni als frühesten Zeitpunkt für eine Lockerung der Geldpolitik implizieren. “Wir brauchen nicht auf die Lohndaten für Mai zu warten, um eine Vorstellung von der Inflationsentwicklung zu bekommen”, sagte hingegen der Portugiese Centeno laut Reuters. EZB-Vize de Guindos spielte ebenfalls auf der Leier der südeuropäischen Tauben und spielte die Möglichkeit geopolitischen Inflationsdrucks im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahen Osten herunter. Die Märkte wetten auf eine Zinssenkung bereits im April. EZB-Präsidentin Lagarde hatte vergangene Woche erklärt, es sei “verfrüht, über Zinssenkungen zu diskutieren”. Der Slowake Kazimir hält einen ersten Schritt im Juni für wahrscheinlicher als im April. “Es wäre riskant, aufgrund kurzfristiger Überraschungen überstürzt zu handeln, ohne mehr Klarheit über die mittelfristige Entwicklung zu haben”, sagte er in einem Meinungsbeitrag.

Strafen bedrohen Dividende

Mit einem Kurseinbruch von zeitweise fast 6% hat die Bayer-Aktie auf die Nachricht reagiert, dass der Mutterkonzern des Glyphosatproduzenten Monsanto in den USA zu einer weiteren Milliarden-Geldbuße verurteilt worden ist. Die Summe von mehr als 2,2 Milliarden Dollar dürfte im Berufungsverfahren zwar reduziert werden. Morgan Stanley gibt jedoch zu bedenken, dass die Zahl der gerichtlichen Niederlagen zum krebsverdächtigen Unkrautvernichter in einem Maße wächst, dass beim Kapitalmarkttag im März ein konservativerer Ansatz beim Kapitaleinsatz angekündigt werden könnte. Weder eine Senkung der Dividende sei ausgeschlossen noch eine Aussetzung der Ausschüttung. Dabei gehen finanzielle Milliardenrisiken bei Bayer nicht nur vom RoundUp-Wirkstoff aus. Am Freitag hatte die Bank of America gewarnt, Prozessrisiken bezüglich der seit Jahrzehnten verbotenen polychlorierten Biphenyle (PCB) könnten die Glyphosat-Bürde womöglich noch übertreffen.

‘VdL’ kein Selbstläufer

Schon die Ernennung von Ursula von der Leyen zur Präsidentin der Europäischen Kommission sorgte vor fünf Jahren für böses Blut. Mit ihrer zuweilen etwas zu entschiedenen Art, die auch mit den multiplen Krisen ihrer Amtszeit von Pandemie bis Krieg in der Ukraine zu tun hatte, hat sie sich auch später nicht nur Freunde gemacht. Noch bevor “VdL” offiziell kundgetan hat, ob sie das Amt erneut anstrebt, sind hinter vorgehaltener Hand mit Christine “Trump? Ich brauche Kaffee” Lagarde und Mario “whatever it takes” Draghi zwei gewichtige potenzielle Konkurrenten im Gespräch. Ganz zu schweigen von der Dynamik, die durch die Europawahlen im Juni entstehen kann, bei der EU-kritische Parteien wohl deutlich zulegen werden. Auf der Habenseite werden der Unionspolitikerin allerdings auch manche gute Beziehungen quer durch die politischen Lager nachgesagt, vom spanischen Sozialisten Sanchez bis zur italienischen Postfaschistin Meloni. Und das Gegenteil ihrer forschen und machtbewussten Art wäre ja ein Zaudern, das dann auch wieder nicht recht wäre.

New Work unausweichlich?

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt herrscht derzeit kräftig Reibung. Fachkräfte sind rar, gleichzeitig werden Forderungen nach höheren Löhnen und mehr Flexibilität laut. Streiks häufen sich. Um dem Problem entgegenzuwirken, testen 45 deutsche Firmen ab 1. Februar eine unkonventionelle Praxis: weniger arbeiten. In einem 6-monatigen Pilotprojekt verkürzen sie die Arbeitswoche um einen Tag, das Gehalt bleibt gleich. Die Mitarbeiter wären dadurch glücklicher, produktiver und weniger krank. Die Deutschen fielen 2022 durchschnittlich 21,3 Tage stress- und krankheitsbedingt aus, ein Verlust von etwa 207 Milliarden Euro an Wertschöpfung. Neben Ländern wie Großbritannien und Belgien gibt es auch hierzulande — in der Bankenbranche — praktische Erfahrungen mit der Vier-Tage-Woche. Die Bilanz: positiv. Welch hohen Preis unzufriedene Arbeitnehmer haben, zeigen Daten, wonach geringes Engagement die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr 8,1 Billionen Euro kostete — 9% der globalen Wirtschaftsleistung. Dass sich die Praxis in allen Branchen anwenden lässt, ist jedoch unwahrscheinlich.

Was sonst noch so passiert ist

  • Unions Wohn-Investment

  • Geier über Evergrande

  • US-iranische Spannungen

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