Deutsche Märkte öffnen in 4 Stunden 23 Minuten

Wieder Shitstorm gegen The Female Company – „Hatte ein paar Nächte mit wenig Schlaf“, sagt die Gründerin

Ann-Sophie Claus (30) über den Shitstorm zu ihren „Period Pantys gegen häusliche Gewalt“: „Ich hatte ein paar schlimme Nächte“  - Copyright: The Female Company
Ann-Sophie Claus (30) über den Shitstorm zu ihren „Period Pantys gegen häusliche Gewalt“: „Ich hatte ein paar schlimme Nächte“ - Copyright: The Female Company

Das Perioden-Startup The Female Company ist es gewohnt, mit seinen Kampagnen zu provozieren. Zum Beispiel veröffentlichte das Team mit dem Video „One Girl One Cup“ vor zwei Jahren ein Tutorial für Menstruationstassen – auf der Porno-Seite Pornhub. Den eigentlichen Shitstorm gab es aber nicht wegen der Plattform, die sich die Firma ausgesucht hatte, sondern weil eine Ex-Bewerberin dem Startup und seiner Werbeagentur vorwarf, die Idee für die Kampagne geklaut zu haben. Ein Versehen, entschuldigte sich The Female Company später. Eine andere Bewerberin habe dieselbe Idee gehabt und diese für die Agentur umgesetzt.

Nun steht die Berliner Firma erneut in der Kritik: In den sozialen Medien wird Gründerin Ann-Sophie Claus und ihrem Team vorgeworfen, aus dem Thema häusliche Gewalt Profit schlagen zu wollen. Vor zwei Tagen launchte die Firma eine „Period Panty gegen häusliche Gewalt“. Kostenpunkt: 40 Euro. Die Influencerinnen Stefanie Giesinger und Ines Anioli warben dafür.

„Profit mit dem Thema häusliche Gewalt?“

Nach eigener Aussage wollte die Firma damit auf die seit der Pandemie gestiegenen Fälle von häuslicher und sexualisierter Gewalt aufmerksam machen. Das Produkt unterschied sich von den anderen Unterhosen im Sortiment durch einen im Etikett eingenähten QR-Code, über den Betroffene Informationen und Telefonnummern von Beratungsstellen abrufen können. Begleitet wird die ganze Aktion durch eine Social-Media-Kampagne, in der das Startup Betroffene dazu aufrief, ihre eigenen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt zu teilen.

Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken darauf fielen sehr gemischt aus: „Profit mit dem Thema häusliche Gewalt – uff. Sehr schade, dass ihr euch dafür entschieden habt“, schreibt eine Nutzerin. Andere fragten, weshalb das Startup nicht einen Teil der 40 Euro an Hilfsorganisationen wie etwa den Weißen Ring spende.

Gründerin und CEO Ann-Sophie Claus wirkt angefasst im Gespräch mit Gründerszene. „Ich hatte ein paar Nächte mit sehr wenig Schlaf“, sagt sie. Das Thema sei für sie und ihr Team sehr emotional, sie würden sich die Kritik zu Herzen nehmen. Einige der Kritikpunkte seien gerechtfertigt, sagt sie. Dabei geht sie vor allem auf den Preispunkt ein: „Wir sehen ein, dass nicht jede Frau sich ein Periodenhöschen für 40 Euro leisten kann, so schließt das Produkt viele mögliche Kundinnen aus.“

Deshalb wolle das Startup den QR-Code zur Hilfeseite nun auf alle Periodenprodukte von The Female Company drucken, darunter Tampons und Binden. Allerdings sind auch diese Hygieneprodukte im Onlineshop des Startups deutlich teurer als etwa Slipeinlagen aus der Drogerie. Wie hilfreich ist die Aktion dann? „Wir haben eine sehr große Kundschaft“, verteidigt sich Claus. Außerdem könne man die Hilfeseite auch ohne QR-Code abrufen.

Hat die 30-Jährige mit solch einer harschen Reaktion gerechnet? „Wir wussten, dass es Kritik geben könnte.“ Den Vorwurf, dass sie mit der Aktion bewusst provozieren wollte, weist sie von sich. „Das war aber kein einkalkuliertes provokatives Marketing.“

Female-Company-Gründerin verteidigt die Idee

Hinter der Grundidee der Kampagne stehe sie aber weiterhin, betont die Gründerin. „Wenn das Produkt der Weg ist, um am Täter vorbeizukommen, dann ist das genau das Mittel, das wir brauchen. Ich finde es weiterhin gut, dass wir uns als Firma für solche Themen einsetzen.“ Knapp neun Monate habe man an der Kampagne gearbeitet. Es sei es „unglaublich schade, dass die Idee dahinter gerade untergeht.“

Ob das Startup noch weitere Konsequenzen aus der Kritik ziehen wird, prüfe man aktuell, so die CEO. Mittlerweile hat sich die Gründerin auch via Instagram zu den Kritikpunkten geäußert, auf der Plattform sammelt das Startup nun Kritik und Verbesserungsvorschläge seiner Nutzerinnen ein.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.