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Ein Schnäppchenjäger bringt Studenten mit seinem Start-up Flyla günstig in die Luft

Der Jungunternehmer vermittelt mit dem Start-up Flyla freie Restplätze in Flugzeugen an Studierende – und pflanzt für jeden Flug einen Baum.

Die Geschichte beginnt wie die so vieler Start-ups aus dem Reisebereich. „Wir wollten kurzfristig das Wochenende in Spanien verbringen und sind in dem Glauben an den Flughafen gefahren, dort Last-Minute-Tickets zu bekommen“, erzählt Fabian Höhne. „Wir mussten dann feststellen: Das haben die Airlines eingestellt.“ Der 26-Jährige und seine Kommilitonen wollten das nicht akzeptieren.

„Wir haben uns die Auslastung der Jets angeschaut und gesehen, dass die im Schnitt mit rund 80 Prozent sehr niedrig ist. Da ist uns die Idee gekommen, die leeren Sitze zu vermarkten.“ Herausgekommen ist Flyla. Vor rund einem Jahr ging das Jungunternehmen auf den Markt. Die Idee: Noch freie Sitzkapazitäten werden über das Internet an Studenten vermittelt – zu günstigen Preisen.

Um seine Geschäftsidee zum Fliegen zu bringen, hat sich Höhne das Vorgehen der Fluggesellschaften ganz genau angeschaut. „Die Fluggesellschaften wollen nicht, dass alle Passagiere bis zum Schluss mit der Buchung warten und ein Wettlauf um die besten Schnäppchen entsteht. Deshalb haben wir einen anderen Ansatz gewählt. Die freien Plätze gehen an eine geschlossene Kundengruppe: Studenten“, erläutert Höhne den Grundgedanken.

Der Vorteil, den die Airlines durch eine Kooperation mit Flyla haben: Das Start-up sorgt mit einer Realtime-Authentifizierung der Studenten dafür, dass auch wirklich nur solche das Ticket buchen. „Der Name des Reisenden geht an eine zentrale Datenbank mit den aktuellen Studenten. Die meldet uns den Status zurück“, erläutert Höhne. Flyla wiederum profitiert von einer Buchungsgebühr in Höhe von zehn Euro.

In den zurückliegenden Monaten hat Höhne die erste Idee weiterentwickelt. Mittlerweile ist bei jedem Flug, den Flyla vermittelt, eine Klimakompensation inbegriffen. Und auch dazu gibt es eine Geschichte. „Die Idee mit der CO2-Kompensation entstand früh. Ich wollte nach New York und hatte die Möglichkeit, über einen Umweg einen günstigeren Flug zu bekommen. Aber mein Vater sagte, ich solle aus Umweltgründen lieber den kürzeren Direktflug nehmen“, erzählt Höhne.

Die Kosten für die Kompensation übernimmt Flyla, es gehe hier nicht um sehr viel Geld, so Höhne. Weil solche Kompensation in der Regel die Unterstützung von Projekten und damit recht wenig greifbar sind, geht Flyla sogar noch einen Schritt weiter: „Wir haben gesagt, dass wir zusätzlich für jeden Flug einen Baum pflanzen – als Symbol.“

Airlines erkennen das Potenzial

Aktuell hat das Jungunternehmen rund 15.000 Nutzer. Für das Unternehmen arbeiten aktuell sechs Mitarbeiter, darunter drei Entwickler. Einen Umsatz nennt Höhne nicht, verweist stattdessen auf namhafte Partner aus dem Airline-Bereich. Neben Etihad, der Fluggesellschaft aus Doha, zählen zum Beispiel aus dem Lufthansa-Reich Eurowings und seit kurzem auch die Kernmarke Lufthansa dazu.

Auch wenn das von Flyla beigesteuerte Volumen für so große Fluggesellschaften wie Eurowings eher bescheiden ist, so sehen die Manager dort doch einen großen Vorteil der Plattform. „Wir sind erfolgreich dabei, neue Kundensegmente über digitale Kanäle anzusprechen. Durch unsere Kooperation mit Flyla kann Eurowings jetzt auch das spannende Segment der Studierenden gezielt adressieren“, sagt Oliver Schmitt, der Vertriebschef von Eurowings.

Im Mai konnte Flyla die erste Finanzierungsrunde abschließen, unter Beteiligung von Florian Herschke, ehemaliger Finanzchef der Sport- und Erlebnis-Unternehmensgruppe Jochen Schweizer, sowie weiterer Business Angels. Eine Summe nennt Höhne nicht, dafür aber Details, was er mit dem Geld vorhat.

„Mit der jüngsten Finanzierungsrunde wollen wir in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz expandieren. Danach schauen wir uns das restliche Europa und den US-Markt an.“ Auch Asien und China seien natürlich interessant, aber man wolle einen Schritt nach dem anderen machen. Außerdem will Höhne das Angebot ausdehnen, etwa auf Surfkurse oder sonstige Aktivitäten. „Das kann sich dann jeder selbst zusammenstellen“, so der Flyla-Gründer.