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Salihamidzics Bilanz wird zu Bayerns Problem

Maximilian Schwoch
·Lesedauer: 5 Min.
Salihamidzics Bilanz wird zu Bayerns Problem
Salihamidzics Bilanz wird zu Bayerns Problem

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel des FC Bayern München gegen Union Berlin wurde Hansi Flick deutlich.

"Ich bin jetzt anderthalb Jahre in dem Amt des Cheftrainers. Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, das hat sich wahnsinnig entwickelt. Wir hatten letztes Jahr eine Mannschaft, das weiß jeder, da wird mir auch jeder zustimmen, die war qualitativ besser als dieses Jahr. Trotzdem sind wir in der Bundesliga sieben Punkte vorne", machte Flick klar. (ANALYSE: War das Flicks Abschiedsrede?)

Flicks Aussagen waren keinesfalls als bewusste Provokation gegen Sportvorstand Hasan Salihamidzic zu verstehen. Vielmehr wollte der Bayern-Trainer die Leistungen seiner "geilen Mannschaft" herausheben. Allerdings stärken Flicks Sätze Salihamidzic auch nicht.

Der Rekordmeister geht vor den entscheidenden Spielen der Saison am Stock - und es zeigt sich, wie die Bilanz des Sportdirektors zum Problem wird. (NEWS: Nächster Ausfall bei Bayern)

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FC Bayern mit großen Sorgen gegen Union Berlin

Gegen die Eisernen fallen mit Niklas Süle, Leon Goretzka, Alphonso Davies (gesperrt), Serge Gnabry und Lucas Hernández und Robert Lewandowski gleich sechs Leistungsträger aus – zusätzlich zu den Langzeitverletzten Corentin Tolisso und Douglas Costa. Auch Marc Roca muss gegen Berlin passen. (Bundesliga: FC Bayern - Union Berlin 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Davies wird im Viertelfinalrückspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain wieder spielen können, bei Goretzka und Hernández hofft Flick noch.

Thiago, Coutinho und Perisic weg

Sehnsüchtig dürfte Flick an die vergangene Saison zurückblicken. Im Finalturnier der Champions League konnte er sich leisten, Joshua Kimmich als Ersatz für Benjamin Pavard auf die Rechtsverteidigerposition zurückzuziehen, weil er mit Thiago, Goretzka und Thomas Müller trotzdem ein funktionierendes Dreigestirn in der Mittelfeldzentrale hatte.

Mit Thiago, Philippe Coutinho und Ivan Perisic verlor Flick drei Spieler, auf die er sich stets verlassen konnte. Bekommen hat er dafür Leroy Sané, Marc Roca, Eric-Maxim Choupo-Moting, Douglas Costa und Bouna Sarr.

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Sarr, Roca, Douglas Costa - Salihmidzic-Transfers mit Makel

Vor allem Roca und Sarr genügen den Ansprüchen des Rekordmeisters (derzeit) überhaupt nicht, das zeigt sich auch anhand der Einsatzzeiten. Bevor Flick Sarr aufstellt, zieht er lieber Süle nach rechts. Costa hat bei Weitem nicht die Spritzigkeit seiner ersten Zeit in München, ist dazu verletzt.

Flick ist unzufrieden mit seinem Kader. Auch das ist ein Grund für das angespannte Verhältnis zwischen dem Trainer und dem Sportvorstand. (BERICHT: Wer bei Bayern wirklich hinter Flick steht - und wer nicht)

Schon im Winter 2019/20 forderte Flick öffentlich zwei neue Spieler - und bekam Alvaro Odriozola, der in der vergangenen Rückrunde keine 300 Pflichtspielminuten absolvierte.

Erfolgreich bei Davies und Sané

Salihamidzic bewies bei den bisherigen Transfers in seiner Zeit als Sportdirektor und später Sportvorstand nicht immer das beste Händchen. (SERVICE: Alles zur Bundesliga)

Mit Alphonso Davies gelang ihm ein echter Coup, der ihm hoch angerechnet wird. Auch die Verpflichtung von Leroy Sané, der 2020 im zweiten Anlauf an die Säbener Straße wechselte, ist als Erfolg zu bewerten.

Dagegen holte Salihamidzic mit Odriozola, Sarr, Roca oder Fiete Arp Spieler, die bei Flick keine Rolle spielen. Über den Kopf Flicks hinweg wurden diese Akteure nicht geholt, er war bei allen Transfers eingebunden. Wunschspieler waren es jedoch keine.

Flick bekommt Werner und Havertz nicht

Welche Spieler Flick am liebsten im Bayern-Trikot gehabt hätte, verriet er vor dem Achtelfinalrückspiel gegen Lazio Rom.

Angesprochen auf die Frage, ob Flick statt Sané lieber Timo Werner oder Kai Havertz gehabt hätte, antwortete er bei Sky: "Ich hätte am liebsten alle drei gehabt. Das hat aber nicht funktioniert. Wir haben uns dann alle gemeinsam für Leroy entschieden."

Bei Havertz biss man sich an den Ablöseforderungen von Bayer Leverkusen die Zähne aus, Timo Werner wäre da deutlich günstiger zu haben gewesen. Doch er sagte den Bayern ab und wechselte zum FC Chelsea.

Vergraulte Salihamidzic Werner?

Ein Grund für Werners Absage soll auch eine brisante Aussage von Salihamidzic aus dem Januar 2020 gewesen sein. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

"Timo Werner ist ein guter Spieler, der eine hervorragende Hinrunde gespielt hat. Allerdings haben wir Robert Lewandowski. Robert ist ein Stürmer, der zu unserer Spielweise ideal passt", erklärte er in der Sport Bild. Schlussfolgerung: Werner passe spielerisch nicht zum Rekordmeister.

Auch Callum Hudson-Odoi und Sergino Dest waren Wunschspieler von Flick – und Salihamidzic. Dest entschied sich für den FC Barcelona. Bei Hudson-Odoi verprellte Salihamidzic dessen Klub FC Chelsea Anfang 2019 mit seiner zu forschen Herangehensweise. Auch am Deadline-Day 2020 scheiterte ein Wechsel zum Rekordmeister.

Unstimmigkeiten auch bei Dantas und Nübel

Auch die Personalien Tiago Dantas und Alexander Nübel sorgten für Unstimmigkeiten. Dantas – Flicks Projekt – hat wohl keine Zukunft in München. Flick erfuhr aus den Medien, dass der Rekordmeister die Kaufoption von 7,5 Millionen Euro nicht ziehen wird.

Nübel bekam von Salihamidzic nach SPORT1-Informationen Einsatzzeiten garantiert. Flick will sich aber nicht in die Aufstellung hineinreden lassen, erklärte Neuer zur unumstrittenen Nummer eins.

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Alaba und Boateng statt Hernández

Umgekehrt dürfte es Salihamidzic nicht gefallen, dass Flick in der Innenverteidigung mit Boateng und David Alaba auf Spieler setzt, die keine Zukunft in München haben. 80-Millionen Mann Lucas Hernández muss sich im Abwehrzentrum dagegen weiter hinten anstellen.

Während Karl-Heinz Rummenigge Flick deutlich den Rücken stärkt, schweigt Salihamidzic bei der Frage zu Flicks Zukunft. (BERICHT: Rummenigge reicht's! Rüffel für Flick und Salihamidzic)

Die Kommunikationsdesaster um die Nicht-Verlängerung von Jêrôme Boateng goss vor dem PSG-Spiel zusätzliches Öl ins Feuer. Es ist kein Geheimnis, dass Flick ihn gerne weiter in München behalten, Salihamidzic verkündete das Aus – zu einem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Flicks fehlendes Bekenntnis zum FC Bayern wird von einigen Vereinsoberen durchaus kritisch gesehen wird, Salihamidzic dagegen genießt weiter höchstes Ansehen.

Ganz unschuldig an dem lodernden Brandherd FC Bayern München ist er allerdings nicht.