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RWE kritisiert norwegischen Staatsfonds nach Rauswurf scharf

Der Stromproduzent kann den Ausstieg des Großaktionärs mit Verweis auf Kohlestrom nicht nachvollziehen – und betont sein Ziel, klimaneutral zu werden.

Noch ist RWE Deutschlands größter Kohlekonzern. Der Kohleausstieg ist aber beschlossen. RWE investiert nur noch in erneuerbare Energien. Foto: dpa

Am Mittwoch stand RWE einmal mehr als Kohlekonzern am Pranger. Der norwegische Staatsfonds Norges hatte bekanntgegeben, neben anderen Unternehmen auch RWE aus dem Portfolio zu werfen – mit Verweis auf das Engagement des deutschen Konzerns in der Kohleförderung und -verstromung.

RWE kritisiert die Entscheidung scharf. „Ich bin persönlich enttäuscht“, sagte Finanzvorstand Markus Krebber, der im Sommer 2021 den Vorstandsvorsitz übernehmen soll, bei der Vorlage des Zwischenberichts für das erste Quartal. „Man sollte ein Unternehmen nicht danach bewerten, wo es herkommt, sondern wo es hinwill.“

Tatsächlich ist RWE aktuell noch Europas größter Emittent des klimaschädlichen CO2. RWE produziert nicht nur mit Kohle Strom, sondern fördert auch im eigenen Tagebau Braunkohle. Allerdings ist nach dem Atom- auch der Kohleausstieg beschlossene Sache. RWE ist nach der Transaktion mit Eon wieder ein großer Spieler bei erneuerbaren Energien, will seine Investitionen hier konzentrieren und bis 2040 klimaneutral sein.

RWE sei in der Transformation, betonte Krebber. Man habe dem Staatsfonds, der bisher 0,6 Prozent der Anteil hielt, das in mehreren Gesprächen dargestellt und könne deshalb die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Wir erwarten keine Nachahmer“, gab sich Krebber aber zuversichtlich. Am Mittwoch und auch am Donnerstag habe der Kurs auch zugelegt.

Die Coronakrise kann RWE im Gegensatz zum Großteil der deutschen Wirtschaft dagegen kaum etwas anhaben. Deutschlands größter Stromproduzent steigerte im ersten Quartal das Ergebnis kräftig. Und während andere Konzerne ihre Dividenden kürzen oder streichen, können sich die RWE-Aktionäre über steigende Dividenden freuen – für das vergangene und für das laufende Jahr.

„Viele Unternehmen befinden sich derzeit in einer sehr angespannten Lage – sie brauchen Liquiditätshilfen oder müssen Kurzarbeit anmelden. RWE ist davon erfreulicherweise nicht betroffen“, sagte Krebber: „Wir brauchen keine finanziellen Hilfen. Und bei uns sind keine Beschäftigten in Kurzarbeit.“

Ergebnis ist kräftig gestiegen

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag in den ersten drei Monaten mit 1,3 Milliarden Euro um 19 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich um 28 Prozent auf 955 Millionen Euro.

RWE bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr, nach der das Ebitda zwischen 2,7 Milliarden und drei Milliarden Euro und das Ebit zwischen 1,2 Milliarden und 1,5 Milliarden Euro liegen soll – jeweils deutlich mehr als im Jahr zuvor. Für 2019 sollen die Aktionäre wie geplant 80 Cent je Aktie ausgeschüttet bekommen und damit zehn Cent mehr als zuletzt. Für das laufende Jahr soll die Dividende um weitere fünf Cent auf 85 Cent steigen.

Lediglich im Finanzergebnis spürt RWE einen größeren Effekt durch die Coronakrise. Es ist vor allem aufgrund der starken Kurseinbrüche an den Kapitalmärkten mit 367 Millionen Euro negativ. Das Nettoergebnis sank deshalb um 233 Millionen auf 728 Millionen Euro. Nach Krebbers Worten hat RWE aber weiterhin „eine komfortable Liquiditätsposition“. Die Eigenkapitalquote liegt bei 25 Prozent.

Die Stromnachfrage ist in den vergangenen Wochen zwar ungewöhnlich stark gesunken, weil viele Industriebetriebe ihre Produktion gedrosselt oder stillgelegt haben. RWE spürt das aber kaum, weil der Stromproduzent seine Strommengen für gewöhnlich langfristig am Terminmarkt zu festen Preise verkauft hat.

Energiebranche ist wenig von Krise betroffen

„Unser Geschäftsmodell ist robust gegen kurzfristige Nachfrageschwankungen – bei den erneuerbaren Energien aufgrund bestehender Abnahmegarantien und bei der konventionellen Erzeugung kurz- bis mittelfristig aufgrund unserer Sicherungsgeschäfte“, erläuterte Krebber. RWE sei „für das laufende Jahr und darüber hinaus preislich und mengenmäßig abgesichert“. Wie sich die Situation weiterentwickelt, bleibe abzuwarten.

Die Energiebranche ist insgesamt vergleichsweise wenig von der Coronakrise betroffen. Der Eon-Konzern hatte am Tag zuvor über einen Anstieg des Ebits um 24 Prozent auf auf 1,5 Milliarden Euro berichtet. Auch Eon hatte im ersten Quartal noch kaum Auswirkungen der Coronakrise gespürt, bleibt beim Ausblick und den möglichen Effekten aber etwas vorsichtiger als RWE.

Die beiden Konzerne hatten im Herbst ihr Tauschgeschäft abgeschlossen. Eon übernahm dabei die RWE-Tochter Innogy, behielt aber nur die Sparten Netz und Vertrieb. RWE bekam unter anderem die erneuerbaren Energien von Innogy und die Aktivitäten, die Eon bislang hier betrieb.

Damit deckt Deutschlands größter Stromproduzent jetzt wieder die gesamte Palette ab von Kern- und Kohlekraftwerken über Gasanlagen bis Wind- und Solarstrom. Da nach dem Atom- inzwischen auch der Kohleausstieg beschlossen ist, will sich RWE komplett auf nachhaltige Stromproduktion konzentrieren.