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ROUNDUP 2/Spitzenverbände der Wirtschaft: Mehr Corona-Tests in Unternehmen

·Lesedauer: 4 Min.

(durchgehend aktualisiert)

BERLIN (dpa-AFX) - Immer mehr Unternehmen bieten ihren Beschäftigten nach Darstellung der Spitzenverbände der Wirtschaft regelmäßige Corona-Tests an. Vier Wochen nach einem Aufruf testeten zwischen 80 und 90 Prozent der deutschen Firmen oder bereiteten den Teststart unmittelbar vor. Das geht aus Schreiben der Spitzenverbände an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hervor. Zugleich wird auf Probleme wie Lieferschwierigkeiten bei Tests und eine zögerliche Annahme des Angebots bei Beschäftigten verwiesen.

Mehr Tests und mehr Homeoffice spielen eine wichtige Rolle in der Debatte darüber, wie eine Ausbreitung der Pandemie eingedämmt werden kann. Am Zug ist nun die Politik. Sie muss entscheiden, ob das freiwillige Testangebot der Wirtschaft ausreicht oder ob es gesetzliche Vorgaben geben soll - die Spitzenverbände lehnen solche Auflagen ab.

SO VIELE FIRMEN TESTEN

Die Verbände hatten am 9. März an Unternehmen appelliert, ihren Beschäftigten Selbsttests und - wo dies möglich sei - Schnelltests anzubieten, um Infektionen frühzeitig zu erkennen. Eine erste Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hatte Mitte März ergeben, dass gut die Hälfte der Betriebe regelmäßig Tests anbietet oder plant, dies in Kürze zu tun.

Nun heißt es in einem neuen "Sachstandsbericht" unter Berufung auf weitere Firmenbefragungen, die "Test-Trendkurve" weise klar nach oben. Demnach führten 90 Prozent der Industrieunternehmen Tests durch oder steckten mitten in der Planung eines Angebots. Auch in der Breite stünden die Unternehmen "in den Startlöchern", heißt es. So seien es aktuell 64 Prozent der Betriebe, die Corona-Tests anbieten. Dazu kämen viele Betriebe, die das in Kürze tun wollten - die Spitzenverbände nennen eine Zahl von 87 Prozent der Betriebe, die bereits regelmäßige Corona-Tests anbieten oder dies bald planen - unabhängig davon, ob Mitarbeiter im Homeoffice sind.

Zu einem völlig anderen Ergebnis kam die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung: Die Corona-Schnelltests am Arbeitsplatz liefen schleppend an. Nur 23 Prozent der Beschäftigten hätten in einer Befragung berichtet, dass alle Präsenzbeschäftigten in ihrem Betrieb schon mindestens einmal pro Woche einen Schnelltest machen könnten. Basis sei eine nicht repräsentative Online-Erhebung des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung betreut wird.

WELCHE PROBLEME ES GIBT

Ein großes Problem sehen viele Firmen laut Bericht der Spitzenverbände in der Beschaffung von Tests. Von den Betrieben, die in Kürze testen wollen, berichteten 43 Prozent von Beschaffungsproblemen. Aktuell bestünden gerade bei den Selbsttests "große Lieferengpässe", die zu dauernden Verzögerungen auch von bereits zugesagten Lieferungen führten.

Verwiesen wird außerdem auf einen hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand: "Bei Test-Kosten von bis zu rund einer Milliarde Euro pro Woche ergeben sich für zehn Wochen Laufzeit zusätzliche kurzfristige Belastungen für die Wirtschaft in Höhe von bis zu rund zehn Milliarden Euro - und das in der größten Krise ihrer Geschichte." In dem Bericht werden Stimmen aus der Wirtschaft genannt, die eine Beteiligung des Staates an den Kosten fordern.

Der Bericht stammt von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Gerade die zeitnahe Verfügbarkeit von Selbsttests sei für ein tatsächlich flächendeckendes Testangebot unverzichtbar, hieß es. Per Verordnung oder Testpflicht ließen sich die Herausforderungen nicht beseitigen: "Tests werden dadurch nämlich weder schneller produziert oder geliefert, noch einfacher oder sicherer in der Anwendung."

Außerdem nähmen nicht alle Beschäftigten ein Testangebot ihres Arbeitgebers auch an. Laut Bericht gaben nur 27 Prozent der befragten Firmen an, dass Beschäftigte das Test-Angebot im Durchschnitt wöchentlich wahrnehmen. Zum einen könne die Abstrichabnahme als sehr unangenehm empfunden werden, hieß es - zum anderen könnten auch die Folgen eines positiven Testergebnisses gescheut werden.

WAS DIE POLITIK WILL

Die Bundesregierung will auf der Grundlage des Berichts der Wirtschaft sowie einer eigenen Erhebung bewerten, ob gesetzliche Vorgaben nötig sind. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte der "Bild am Sonntag" gesagt: "Klar ist, wenn es nicht zwei Drittel bis drei Viertel der Firmen sind, ist es zu wenig." Merkel hatte von "Richtung 90 Prozent" gesprochen. Die Kanzlerin hatte in der ARD-Sendung "Anne Will" gesagt, sie habe den Eindruck, dass die Tests nicht flächendeckend umgesetzt werden. Man müsse das Testen in den Betrieben "wahrscheinlich" verpflichtend machen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält eine Selbstverpflichtung für nicht ausreichend. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Testangebote müssen verpflichtend sein, und die Kosten müssen von den Arbeitgebern getragen werden. Da kann es auch nicht sein, dass sich die Arbeitgeber wieder mit dem Totschlagargument von zu viel Bürokratie herausreden wollen."

Dazu kommt die Debatte um schärfere Auflagen für Arbeiten im Homeoffice. Unklar ist, wie viele Beschäftigte derzeit nicht im Betrieb sind: In dem Bericht der Verbände wird auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung verwiesen, wonach der Anteil der mobil arbeitenden Beschäftigten 24 Prozent betrage - der Digitalverband Bitkom dagegen komme in einer Befragung auf eine Quote von 45 Prozent der Berufstätigen.