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Renten am Morgen: Stabiles Zinsumfeld spricht für Carry

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Stabiles Zinsumfeld spricht für Carry

(Bloomberg) -- Die Renditen der Staatsanleihen aus dem Euroraum haben mit Unterstützung der US-Treasuries am Dienstag den Rückwärtsgang eingelegt. Allerdings hielten sich die Renditerückgänge insgesamt mit einem bis zwei Basispunkten in Grenzen. Klare Gewinner waren nicht auszumachen.

Innerhalb der Peripherie-Staaten gaben die Renditen der portugiesischen Bonds überdurchschnittlich nach. Es sieht danach aus, als ob das Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag die Investoren bei Anleihen aus Portugal zugreifen lässt. Die italienischen Staatsanleihen hinkten der Entwicklung etwas hinterher. Das dürfte auf die angelaufene Platzierung der drei Dollar-Tranchen zurückzuführen sein, für die am heutigen Mittwoch die Bepreisung erwartet wird.

Wesentliche Ursache für die rückläufigen Renditen dürften die Entwicklungen vor Beginn der Handelsgespräche zwischen hochrangigen Vertretern aus den USA und China am Donnerstag gewesen sein. Peking behält sich Reaktionen auf die Aufnahme von weiteren chinesischen Unternehmen auf die schwarze Liste der USA vor, auf der Technologiefirmen geführt werden, die nur mit Sondergenehmigungen Geschäfte mit US-Unternehmen machen dürfen.

Die Verhängung von Visa-Beschränkungen für chinesische Regierungsvertreter dürfte ebenfalls nicht dazu beitragen, dass die Handelsgespräche in einer entspannten Atmosphäre stattfinden werden. Entsprechend gering sollten die Erwartungen an konkrete Fortschritte zur Beilegung des Handelskonflikts sein. Es sieht weiterhin danach aus, als ob die weltwirtschaftlichen Belastungen aus den Handelsstreitigkeiten keinesfalls schnell beigelegt werden können.

Daher kommen die Warnungen der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, vor einer weiteren Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik ebenso wenig überraschend wie die Ankündigung, dass der IWF seine Wachstumsprognosen reduzieren wird. Genaueres wird man bei der Vorstellung des World Economic Outlooks am 15. Oktober erfahren.

Die IWF-Chefin wies außerdem darauf hin, dass sich die Weltwirtschaft in einer Phase eines synchronen Abschwungs befände, was einen zwischen den Ländern koordinierten fiskalischen Stimulus notwendig machen könnte. Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, haben Äußerungen aus Deutschland am Dienstag einmal mehr deutlich gemacht: Ein deutscher Regierungsvertreter wiederholte die Position der Bundesregierung, dass keine Notwendigkeit für eine zusätzliche fiskalische Unterstützung gesehen wird. Gerade die wirtschaftlichen Perspektiven des Euroraums werden bei der am Mittag beginnenden Tagung der Eurogruppe thematisiert werden.

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld inklusive der marktbasierten Inflationserwartungen spricht sowohl im Euroraum als auch in den USA dafür, dass das Niedrigzinsumfeld nicht gefährdet ist. Die Zeichen stehen eher auf weiter rückläufige Rendite und - mit Unterstützung der am 1. November beginnenden Nettoankäufe von Anleihen durch das System Europäischer Zentralbanken - auf weitere Spreadeinengungen gegen Bunds. Die Jagd nach Rendite dürfte ohne einen Schwenk in der Geldpolitik zusammen mit zunehmenden Inflationserwartungen kaum enden. Das wäre ein gutes Umfeld, um stillzuhalten und um Zinsen zu vereinnahmen.

Treasuries notierten im asiatischen Handel kaum verändert zum US-Schluss. Die Kurse an den asiatischen Aktienmärkten gingen zurück, während die US-Aktienfutures eine Teil ihrer Gewinne wieder einbüßten. Weder beim Handelskonflikt noch beim Brexit zeichnet sich ein positives Ergebnis ab. Damit dürften die Staatsanleihen aus dem Euroraum am Mittwochmorgen mit leichten Renditerückgängen starten. Die Peripherie sowie die Semi-Kernländer könnte aufgrund ihres Renditevorsprungs gegenüber den Kernländern etwas stärker profitieren.

Von den Notenbankern, die heute einen Auftritt haben, sollten keine neuen Informationen erwartet werden. Gestern hatte Fed-Chef Powell darüber gesprochen, wie die Fed versuchen will, den Verspannungen am Geldmarkt entgegenzuwirken. Seiner Aussage nach soll zusätzliche Liquidität durch den Ankauf von US-Geldmarktpapieren in den Markt gepumpt werden. Die Ausweitung der Fed-Bilanz will Powell dabei keinesfalls als neues Quantitative-Easing-Programm verstanden wissen. Genau das ist auch der Grund dafür, sich nur auf Geldmarktpapiere zu konzentrieren.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender hat am Mittwoch wenig zu bieten. Der von der französischen Zentralbank ermittelte Stimmungsindikator für den September sollte keine Reaktionen an den Rentenmärkten hervorrufen. Auch US-Daten haben kaum das Zeug dazu, für Bewegung bei den US-Treasuries zu sorgen.

Einzig das Protokoll der letzten FOMC-Sitzung könnte ein paar Impulse liefern. Allerdings haben die zahlreichen Aussagen von US-Notenbankern vor und auch nach dieser geldpolitischen Tagung bereits deutlich gemacht, wie unterschiedlich die Einschätzungen zwischen den verschiedenen Fed-Vertretern sind. Genau das dürfte sich auch im Protokoll widerspiegeln. Ein klares Bild, unter welchen Umständen die Notenbanker, die sich zurzeit vehement gegen weitere geldpolitische Lockerungen sperren, ihre Meinung ändern werden, dürfte es daher nicht geben.

Primärmarkt

Am Primärmarkt steht am Mittwoch die Preisfeststellung für die drei Dollar-Tranchen Italiens an, nachdem die Bonds am Dienstagnachmittag in die Vermarktung gegangen sind. Außerdem wird sich da portugiesische Schatzamt mit der Aufstockung der bis April 2034 laufenden Anleihe um bis zu 1 Mrd. Euro an die Anleger herantreten.

Portugal kann bei der Platzierung aus mehreren Gründen mit Rückenwind rechnen: Wegen des Wahlausgangs, der jüngsten Rating-Heraufstufung durch DBRS sowie den am 1. November beginnenden Nettoanleihekäufen durch das System Europäischer Zentralbanken dürfte es genug Unterstützung für die Platzierung geben. Außerdem ist Suche der Investoren nach Rendite nicht beendet, und das 15-jährige Papier bietet immer noch rund 0,5%.

Am Geldmarkt wird lediglich Aktivität von Griechenland mit der Emisson von 3-Monatsschätzen mit einem Volumen von 375 Mio. Euro erwartet. Am Freitag werden 1 Mrd. Euro an Geldmarktpapieren fällig, so dass es ausreichend Nachfrage geben dürfte.

Am Abend wird das US-Treasury nach der Emission eines neuen 3-jährigen Papiers am Dienstag mit der Aufstockung der aktuellen 10-jährigen um 24 Mrd. Dollar aktiv. Die enttäuschten Hoffnungen auf Fortschritte zur Beilegung des Handelskonflikts dürften Unterstützung bei der Emission bieten. Nichtsdestotrotz werden die Investoren vor der Aufstockungsauktion versuchen, dem US-Treasury einige Konzessionen zu entlocken. Daher dürfte das lange Ende der US-Kurve nur unter leichtem Abgabedruck stehen.

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Der Tag mit Bloomberg: Geldmarkt, Visa-Schranken; Credit Suisse

Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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