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Renten am Morgen: Reflation Trade lässt US-Renditen steigen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts hat es ein wenig gedauert, bis sich die Bondmärkte geordnet haben. Per Saldo wurde letztlich doch der Reflation Trade befeuert, obwohl oder gerade weil im Januar kaum neue Arbeitsplätze außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors geschaffen wurden.

Das dürfte den Druck auf die US-Administration erhöhen, für den geplanten umfassenden fiskalpolitischen Stimulus zu sorgen. Die Demokraten peilen für den zusätzlichen fiskalischen Impuls als spätesten Umsetzungszeitpunkt den 14. März an, da danach die staatliche Unterstützung für Arbeitslose ausläuft. Zudem zogen die durchschnittlichen Stundenlöhne kräftig an.

In Erwartung einer inflationstreibenden Wirkung eines neuen Konjunkturprogramms zogen die Inflationserwartungen gemessen mit der 10-jährigen Breakeven-Rendite und dem 5 Jahre, 5 Jahre Inflations Forward Satz an. Die Breakeven-Rendite markierte dabei den höchsten Wert seit August 2014.

Dementsprechend gerieten die Nominalrenditen unter Abgabedruck. Nach Aussagen der US-Finanzministerin, Janet Yellen, am Sonntag, wonach mit dem geplanten Stimulusprogramm in 2022 wieder Vollbeschäftigung erreicht werden könne, legten die Treasury-Renditen im am langen Ende der Kurve im frühen asiatischen Handel weiter zu. Die Rendite der 10-jährigen T-Notes ist auf dem Weg zur 1,2% und diejenige der 30-jährigen T-Bonds flirtet mit der 2%-Marke. Zugleich wurden die US-Zinskurven steiler.

Im Euroraum mäßigten sich die Inflationserwartungen jüngst ein wenig. Für Renditerückgänge reichte das jedoch nicht aus, da sich die Realrenditen im Gegenzug von ihren Tiefständen nach oben bewegten. Die Staatsanleihen aus dem Euroraum schlossen am Freitag letztlich kaum geändert. Am langen Ende der Zinskurve verbuchten lediglich die italienischen Staatsanleihen im Vergleich zu allen anderen Euroländern geringfügige Renditerückgänge.

Italienische Bonds profitieren nach wie vor vom Draghi-Bonus. Der designierte Ministerpräsident wird im Verlauf der Woche weitere Gespräche zur Regierungsbildung führen. Inzwischen signalisierten Lega und Fünf-Sterne-Bewegung ihre Unterstützung für eine von Mario Draghi geführte Regierung. Offen ist noch, ob er die Bedingungen erfüllen kann, die teilweise an die Unterstützung geknüpft sind. Das dürfte im Rahmen der Zusammenstellung des Kabinetts sowie der Aussagen der einzelnen Parteivertreter deutlich werden. Insgesamt stehen die Zeichen jedoch auf eine erfolgreiche Regierungsbildung.

Die Investoren dürfte das erfreuen. Aufgrund der sehr guten Performance der BTPs - sowohl relativ gegen die Kernländer als auch absolut in Form von Renditerückgängen beispielsweise der 10-jährigen BTPs von 0,75% am 22. Januar auf 0,53% am 5. Februar - könnten die Investoren durchaus ein paar Gewinne mitnehmen und abwarten, ob die Regierungsbildung tatsächlich zustande kommt.

Der Tag mit Bloomberg: Risk-on dank Yellen und Corona-Daten

Mit den Vorgaben aus dem asiatischen Handel dürften die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum am Montagmorgen überwiegend etwas nachgeben. Außerdem könnte es noch Reaktionen auf die Aussagen der Präsidentin der Europäischen Zentralbank geben, wonach es nach dem Ende der Pandemie einen langsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik geben wird.

Ihre Aussage ist zwar alles andere als eine Überraschung. Sie machte aber klar, dass sich die Finanzmärkte und auch die einzelnen Euroländer auf ein anderes geldpolitisches Umfeld einstellen müssen. Das könnte die Kurse insbesondere der Peripheriebonds und der Sem-Kernanleihen durchaus etwas belasten. Christine Lagarde wird sich zudem am späten Nachmittag vor Vertretern des Europäischen Parlaments im Zuge der Vorstellung des Geschäftsberichts der EZB äußern. Vielleicht greift sie ihre Äußerungen zu dem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik noch einmal auf.

Konjunkturdaten

Am Montag wartet ein sehr überschaubar gefüllten Datenkalender auf die Investoren. Aus dem Euroraum werden die Informationen zur Industrieproduktion aus Deutschland und Spanien noch am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Da die Daten bereits im Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal verarbeitet sind, dürfte es keine Reaktionen an den Kapitalmärkten geben.

In den USA stehen keine neue Daten auf der Agenda. Es wird allerdings wie immer im Januar eine Revision der Konsumentenpreisdaten vorgenommen. Das könnte aufgrund der anziehenden Inflationserwartungen etwas mehr Interesse bei den Investoren wecken als üblich. Zudem werden im Laufe der Woche die US-Konsumentenpreise veröffentlicht.

Primärmarkt

Wie in den vergangenen Wochen wird Litauen die Emissionsaktivität von Staatsanleihen aus dem Euroraum in der laufenden Woche eröffnen. Es wird eine Anleihe mit Laufzeit Januar 2026 aufgestockt. Das Volumen dürfte im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen. Darauf deuten die vergangenen Emissionen dieses Bonds hin. Das geringe Volumen wird geräuschlos absorbiert.

Alle Kapitalmarktemissionen aus Ländern des Euroraum müssen in der laufenden Woche ohne die Unterstützung von Fälligkeiten auskommen.

Am Geldmarkt werden die deutsche Finanzagentur 4 Milliarden Euro eines Papiers mit Laufzeit von rund sieben Monaten sowie Frankreich mit drei Kurzläufern mit Laufzeiten zwischen drei und zwölf Monaten platzieren. Die französischen Papiere sollen bei Fälligkeiten von 6,2 Milliarden Euro bis zu 5,9 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Mit Problemen bei der Platzierung ist nicht zu rechnen.

Am Abend wird das Treasury erneut 105 Milliarden Dollar an T-Bills mit drei und sechs Monaten Laufzeit anbieten.

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