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Renten am Morgen: Investoren preisen höhere Teuerungsraten ein

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Für die Kurse der Treasuries und der Staatsanleihen aus dem Euroraum ist es mit Ausnahme von Teilen der Peripherie am Mittwoch abwärts gegangen. Im Euroraum zogen die Inflationserwartungen weiter an. Nach den ersten Schnellschätzungen zur Entwicklung der Konsumentenpreise aus einzelnen Ländern des Euroraums legten die Preise auf Gesamteurolandebene erwartungsgemäß ebenfalls stärker zu.

Außerdem gab es gute Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt sowie dem US-Dienstleistungsgewerbe. Die Zahl der laut ADP-Bericht geschaffenen Arbeitsplätze übertraf die Schätzungen deutlich, und der ISM Index für das Dienstleistungsgewerbe legte entgegen der Schätzungen sogar zu. Die Daten zeigen einmal mehr, dass die USA deutlich besser durch die Krise kommen als andere Regionen. Zusammen mit der Erwartung, es werde eine weiteres Fiskalpaket geben, zogen die Inflationserwartungen gemessen beispielsweise mit dem 5 Jahre, 5 Jahre Inflations Forward Swap mit 2,43% auf den höchsten Stand seit Mitte Oktober 2018 an.

Zu dieser Bewegung passt auch die erneute Versteilung der US-Zinskurve. Die Renditedifferenz zwischen 10-jährigen und 2-jährigen T-Notes stieg auf mehr als 100 Basispunkte und damit auf den höchsten Wert seit Mitte Mai 2017. Die Diskussion über ein mögliches Tapering ist von Inflationserwartungen abgelöst worden, zumal die geänderte geldpolitische Strategie der US-Notenbank PCE-Teuerungsraten jenseits der 2% zulassen wird. Entsprechend dürften bei den Auftritten der US-Notenbanker die Aussagen zur Inflationsentwicklung künftig deutlich mehr Gehör an den Kapitalmärkten finden.

Die Peripherie zeigte sich gestern relativ unbeeindruckt von den Kursverlusten der Kern- und Semi-Kernländer. Das dürfte vor allem auf die Entwicklung in Italien zurückzuführen sein. Die Investoren setzen darauf, dass Mario Draghi in der Lage sein wird, eine stabile Regierung zu bilden.

Er steht jedoch vor ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger Giuseppe Conte. Zudem wird die Fünf Sterne Bewegung eine Draghi-Regierung nicht unterstützen, wenn es nach deren Vorsitzenden geht. Und der Lega-Vorsitzende, Matteo Salvini, plädiert weiterhin für baldige vorgezogene Neuwahlen. Es ist also durchaus möglich, dass Draghi bei der Regierungsbildung scheitert oder die Unterstützung aus den beiden Kammern des Parlaments sehr fragil ist, so dass ein Scheitern einer Technokratenregierung jederzeit möglich ist. Vermutlich wird nach dem kommenden Wochenende mehr Klarheit herrschen, ob der ehemalige EZB-Präsident erfolgreich sein kann.

Die Finanzmärkte bedachten seine Nominierung jedenfalls mit Vorschusslorbeeren. Die Renditen der BTPs gingen zeitweise um etwas mehr als zehn Basispunkte zurück. Nachdem er das Mandant angenommen hatte, verringerten sich die BTP-Gewinne. Die Renditen der italienischen Staatsanleihen liegen weiterhin in Sichtweite ihrer Allzeittiefs. Trotz des Hoffnungsträgers Mario Draghi könnten die Investoren dazu übergehen, ein paar Gewinne mitzunehmen und sich die politische Entwicklung in Rom von der Seitenlinie aus anzusehen.

Auch die portugiesischen Staatsanleihen schlossen zumindest über Teile der Zinskurve im Plus. Das dürfte auf die Emission der neuen 30-jährigen Anleihe zurückzuführen sein. Mit einem Emissionsvolumen von 3 Milliarden Euro dürfte Portugal bei einem Buch von über 40 Milliarden Euro eher am unteren Rand dessen geblieben sein, was die Anleger erwarteten. Zudem ist die Einengung des Emissionsspreads von Swap Mitte +88 auf +85 Basispunkte moderat ausgefallen, was zu einer guten Sekundärmarktperformance führen könnte.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften mit leichten Kursverlusten in den Donnerstag starten, obwohl der Risikosentiment gemäß asiatischem Handel ein wenig angeschlagen ist. Es sieht heute morgen aber noch nicht danach aus, als ob die angeschlagene Stimmung auf den europäischen Handel durchschlagen wird. Außerdem werden die Kernlandbonds einen Teil der späten Kursverluste aus dem späten US-Bondhandel nachholen. Zudem dürfte das Durationsangebot aus Frankreich auf die Notierungen zumindest bis zum Abschluss der Transaktionen drücken.

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Bei BTPs könnte es aus oben genannten Gründen zu Gewinnmitnahmen kommen. Bei der Renditeentwicklung der Bonds von der iberischen Halbinsel werden die Überlegungen der spanischen Regierung zur Schuldenerleichterungen für Unternehmen zu beachten sein. Die Kosten für entsprechende Erleichterungen sind jedoch noch nicht bekannt.

Konjunkturdaten

Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum werden kaum Einfluss auf die Bewegung der Renditen haben. Sie kommen eher aus der zweiten Reihe. Vom Wirtschaftsbericht der Europäischen Zentralbank werden ebenfalls keine Impulse ausgehen. Die Wirtschaft des Euroraums dürfte sich in etwa so entwickeln wie von der EZB erwartet. Und zu den Auswirkungen der Währungsentwicklung dürften sich eher die einzelnen Notenbankvertreter äußern, als dass es neue Informationen dazu im Wirtschaftsbericht gibt.

Vor dem Arbeitsmarkbericht am Freitag dürften die US-Konjunkturdaten ebenfalls kaum Handelsimpulse in Richtung Treasuries senden. Das gilt sowohl für die Änderung der Auftragseingänge im Dezember als auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sowie die Zahl registrierter Arbeitsloser.

Immerhin sollen sich die Zahlen gemäß der Prognosen verringert haben. Beide Werte würden dennoch weiterhin auf hohem Niveau liegen. Die US-Finanzministerin geht beispielsweise davon aus, dass es noch Jahre dauern werde, bis wieder Vollbeschäftigung in den USA erreicht ist. Die US-Notenbanker dürften dieser Einschätzung beipflichten.

Die zahlreichen Auftritte der US-Notenbanker am Mittwoch bestätigten per Saldo, dass sie sich mit dem aktuellen Kurs der Geldpolitik wohl fühlen und das aktuelle Niveau der Fed Funds Zielzone bis auf weiteres beibehalten wird. Heute wird es mit den Auftritten von Mary Daly (stimmberechtigt) und Robert Kaplan Einschätzungen von US-Notenbankern zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem Arbeitsmarkt geben. Aufgrund der vergleichsweise großen Einigkeit der Notenbanker hinsichtlich der Perspektiven der US-Wirtschaft und der Angemessenheit der Geldpolitik dürfte es keine Überraschungen geben. Immerhin scheint das Thema Tapering vorerst vom Tisch zu sein. Dafür rücken die Inflationserwartungen mehr in den Fokus.

Primärmarkt

Am Donnerstag werden Frankreich und Spanien mit ihren geplanten Emissionen auf die Anleger zugehen. Die Emissionsvolumina aus beiden Ländern sind hoch. Aus Frankreich sind bis zu 11 Milliarden Euro zu erwarten, aus Spanien bis zu 6,75 Milliarden Euro. Zudem wird das französische Schatzamt mit seinen Aufstockungen ausschließlich an das lange Ende mit Laufzeiten von November 2030, Mai 2036, Juni 2039 (Green Bond) und Mai 2052 der Zinskurve gehen.

Die Emissionstätigkeit sollte nicht spurlos an den Finanzmärkten vorbei gehen und nicht nur auf der Performance der französischen Staatsanleihen lasten, sondern auch auf derjenigen der Kern- und Semi-Kernländer.

Das spanische Tesoro wird sich bei den Aufstockungen von drei Kuponbonds mit Laufzeiten bis Mai 2024, Januar 2026 und April 2031 auf mittlere bis langen Laufzeiten konzentrieren. Diese dürften sich etwas einfacher platzieren lassen als die französischen Papiere. Das 10-jährige Papier aus Spanien kann zudem mit einer leicht positiven Rendite aufwarten.

Zusätzlich zu dem Kuponbonds wird ein bis November 2033 laufender Linker aufgestockt. Sofern die Inflationserwartungen auf erhöhtem Niveau verharren, dürfte sich die 750 Millionen Euro große Emission problemlos vertreiben lassen.

Das Treasury wird am Abend die bisher zusammen üblichen 65 Milliarden Dollar an T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen anbieten.

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