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Q3-Bilanz: Apple hakt die Corona-Krise mit starken Mac- und iPad-Verkäufen ab

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 4 Min.
Apple Store:  Der Strahlkraft des Apfels (Foto: © Apple)
Apple Store: Der Strahlkraft des Apfels (Foto: © Apple)

Showdown nach Handelsschluss am “Super Thursday”: Alle GAFA-Konzerne vermeldeten binnen Minuten ihr neustes Zahlenwerk für das abgelaufene Juni-Quartal – und alle vier Zugpferde der Nasdaq überzeugten. Apple erfreute die Wall Street mit starken Verkäufen in allen Sparten – und einem Aktiensplit.

Apple konnte bei Vorlage seiner Geschäftsbilanz für das zweite Kalenderquartal 2020, das bereits das dritte des laufenden Geschäftsjahres des Kultkonzerns aus Cupertino ist, die zuvor wegen der Corona-Krise moderaten Schätzungen der Wall Street sehr deutlich übertreffen.

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In den 91 Tagen zwischen Anfang April und Ende Juni erlöste der iKonzern mit 59,69 Milliarden Dollar 11 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. CEO Tim Cook übertraf damit spielend die Analystenerwartungen, die lediglich bei 52,25 Milliarden Dollar gelegen hatten.

Apple übertrifft Erwartungen der Wall Street

Auch das Konzernergebnis entwickelte sich weitaus besser als im Vorfeld prognostiziert: Die Konsensschätzungen, die noch bei einem Gewinn je Aktie von 2,04 Dollar gelegen hatten, konnten mit einem Ergebnis je Anteilsschein von 2,58 Dollar regelrecht pulverisiert werden. Gegenüber dem Vorjahresquartal, als der iPhone-Hersteller noch 2,18 Dollar je Aktie verdient hatte, zog der Profit je Anteilsschein damit um 18 Prozent an – nicht zuletzt, weil Apple seit Jahren massiv eigene Aktien zurückkauft und damit den Freefloat verkleinert.

Unterm Strich zogen die Gewinne mitten in den Verwerfungen der Corona-Krise anders als im Vorjahresquartal deutlich an. Nach 10,04 Milliarden Dollar im zweiten Kalenderquartal des Vorjahres konnte das Kultunternehmen aus Cupertino zwölf Monate später den Nettogewinn um mehr als eine Milliarde Dollar steigern und nunmehr ein Konzernergebnis von 11,25 Milliarden Dollar ausweisen – ein Plus von 12 Prozent.

iPhone-Absätze erstaunlich robust

Maßgeblichen Anteil am weitaus besser als erwarteten Ergebnis hatte die langjährige Lebensversicherung des iKonzerns: das iPhone, mit dem Apple in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sogar mehr Umsätze erzielte als im Vorjahreszeitraum.

Nach 25,99 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum konnte Apple mit seinem iPhone im Juni-Quartal nunmehr sogar 26,41 Milliarden Dollar umsetzen – eine Absatzsteigerung von knapp zwei Prozent, während die Wall Street mit einem Umsatzeinbruch von 15 Prozent gerechnet hatte.

Internet-Dienste wachsen erneut zweistellig

Erwartungsgemäß punkten konnte Apple mit seinem Hoffnungsträger für die Zukunft. Die Servicesparte verbuchte in Zeiten des eingeschränkten gesellschaftlichen Lebens erneut einen dynamischen Umsatzzuwachs von diesmal 15 Prozent auf nunmehr 13,15 Milliarden Dollar.

Das Geschäft mit iTunes, dem App Store, Apple Music, der iCloud, Apple Care, Apple Pay, Lizenzgebühren (wie durch Googles vorinstallierte Suche auf iOS-Geräten), dem Gaming-Angebot Apple Arcade und dem neuen Streaming-Dienst Apple TV+, das längst zum zweitgrößten Unternehmensbereich angewachsen ist, macht inzwischen fast die Hälfte der iPhone-Umsätze und 22 Prozent der gesamten Konzernumsätze aus.

Wearables legen um 17 Prozent zu

Wachstumstreiber in Apples Bilanz bleibt weiterhin der relativ junge Geschäftsbereich “Wearables, Home and Accessories”, hinter dem sich in erster Linie das Geschäft mit der Apple Watch und den boomenden Drahtlos-Kopfhörern AirPods sowie dem smarten Lautsprecher HomePod verbirgt. (Ältere Apple-Produkte wie der iPod oder Apple TV sind ebenfalls in dem Segment zusammengefasst.)

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Dank der Apple Watch Series 5 und der dritten AirPods-Generation legten die Umsätze des jüngsten Konzernbereichs nochmals um 17 Prozent auf nunmehr 6,45 Milliarden Dollar zu – ein Umsatzplus von knapp einer Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

iPad und Mac erleben starkes Comeback – Apple splittet Aktie

Zum eigentlichen Krisenprofiteur entwickelten sich Apples ältere Hardwaresparten, deren Absätze in Zeiten der Pandemie deutlich anzogen. Während die iPad-Sparte rasant um 31 Prozent auf 6,58 Milliarden Dollar zulegte, erlebte Apples ältester Unternehmensbereich, das Computergeschäft, mit einem Umsatzsprung um 22 Prozent auf 7,07 Milliarden Dollar das stärkste Quartal seit vielen Jahren.

Für eine zusätzliche positive Überraschung sorgte Apple-CEO Tim Cook nach Handelsschluss mit der Ankündigung, die Aktien erneut zu splitten – diesmal im Verhältnis 1:4. Anleger reagierten begeistert auf die Ankündigung und das neue Zahlenwerk: Anteilsscheine von Apple legten nachbörslich um rund fünf Prozent auf 405 Dollar zu.

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