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OMV holt Russin in den Vorstand

Die frühere Linde-Managerin wird Handelschefin bei dem österreichischen Öl- und Gaskonzern. Sie übernimmt den Posten in unruhigen Zeiten.

Über mangelnde Arbeit konnte sich Rainer Seele, Chef des Öl- und Gaskonzerns OMV (Österreichische Mineralölverwaltung), in den vergangenen Jahren nicht beklagen. Nun verschafft sich der CEO des größten österreichischen Industriekonzerns in Österreich Luft, indem er ein neues Vorstandsressorts schafft.

Ab Oktober wird die Russin Elena Skvortsova als neue Chief Commercial Officer die Bereiche Handel (Tankstellen, Gasgeschäft, Raffinerieprodukte) und Marketing übernehmen. Dafür gab es vom Aufsichtsrat des teilstaatlichen Konzerns nun grünes Licht.

Skvortsova, die nach einer weltweiten Suche für das neue Vorstandsressort ausgewählt wurde, ist in der Ölbranche relativ neu. Bislang war die 49-jährige Managerin Chefin der Praxair Canada, einer Tochter des deutschen Industriegaskonzerns Linde.

„Ihre internationale Führungserfahrung, branchenübergreifende Expertise und ihre Erfahrung mit Transformationsprozessen machen Elena Skvortsova zur idealen Besetzung“, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Berndt.

Die studierte Dolmetscherin mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen startete nach einem Master in Wirtschaft an der Thunderbird School of International Management in Glendale (Arizona) eine internationale Karriere. Nach sieben Jahren bei den Pharmariesen Bayer und Baxter kam sie 2015 zu Linde, wo sie zunächst die Regionalleitung für Osteuropa und den Mittleren Osten übernahm. Sie ist die zweite Vorständin in der Geschichte der OMV.

In Österreich warten auf Skvortsova große Herausforderungen. Die OMV gibt sich auf Druck ihres Großaktionärs, des österreichischen Staats, einen grünen Anstrich. So übernimmt der Konzern für 4,1 Milliarden Euro die Mehrheit am Petrochemiekonzern Borealis. Im Gegenzug verkauft die OMV das Tankstellengeschäft in Deutschland.

Im Handelsbereich muss Skvortsova sofort handeln, denn der Ölpreisverfall hat der Branche einen gewaltigen Schock versetzt. Die Folgen des Coronavirus sind noch nicht abzuschätzen, wenn Skvortsova ihre neue Aufgabe im Wiener OMV-Hochhaus antreten wird.