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Neun Dinge, die man über die alten Ägypter zu wissen glaubt – die aber falsch sind

Eine Nahaufnahme der goldenen Maske von König Tutanchamun im Ägyptischen Museum in Kairo nach ihrer Restaurierung am 16. Dezember 2015. - Copyright: MOHAMED EL-SHAHED/AFP via Getty Images
Eine Nahaufnahme der goldenen Maske von König Tutanchamun im Ägyptischen Museum in Kairo nach ihrer Restaurierung am 16. Dezember 2015. - Copyright: MOHAMED EL-SHAHED/AFP via Getty Images

Mit ihrer beeindruckenden Architektur, ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen, ihren religiösen Kulten und ihren wunderschönen Kunstwerken beeindruckten die alten Ägypter die Historiker noch lange nach dem Ende ihrer Herrschaft.

Doch einige weitverbreitete, vermeintliche Fakten über die alte Kultur verärgern Ägyptologen immer wieder. Hier sind neun der häufigsten Irrtümer:

Die Pyramiden wurden von Sklaven gebaut

Die Sphinx von Gizeh in Kairo vor der Pyramide des Chephren. - Copyright: Getty Images
Die Sphinx von Gizeh in Kairo vor der Pyramide des Chephren. - Copyright: Getty Images

In dem Film "Die Zehn Gebote" von 1956 sieht man versklavte Menschen, die Blöcke durch die heiße Wüste schleppen, um die Pyramiden zu bauen, während sie von ihren Herren ausgepeitscht werden.

Aber die meisten Archäologen glauben nicht, dass dies der Realität entspricht.

"Heutigen Forschern zufolge waren die Menschen, die die Pyramiden bauten, frei", so Wojciech Ejsmond, Ägyptologe am Warschauer Mumienprojekt, zu Business Insider.

In dieser Szene aus "Die Zehn Gebote" bittet eine versklavte Frau ihren Herrn um Befreiung von der Arbeit beim Pyramidenbau. - Copyright: Paramount Pictures
In dieser Szene aus "Die Zehn Gebote" bittet eine versklavte Frau ihren Herrn um Befreiung von der Arbeit beim Pyramidenbau. - Copyright: Paramount Pictures

Da die alten Ägypter keine Währung hatten, zahlten sie ihre Steuern wahrscheinlich nicht in Geld, sondern in Form von Dienstleistungen. Das bedeutete, dass einige von ihnen Getreide oder Produkte abgaben, andere wiederum Pyramiden bauten.

Kleopatra war außerordentlich schön

Elizabeth Taylor als Kleopatra. - Copyright: AP Images
Elizabeth Taylor als Kleopatra. - Copyright: AP Images

Ejsmond sagt, es gebe keine stichhaltigen Beweise für die Annahme, dass Kleopatra in irgendeiner Weise körperlich bemerkenswert gewesen sei.

"Wir haben keinen Grund zu der Annahme, dass sie außergewöhnlich schön war", obgleich sie charmant und intelligent gewesen sein könnte, so Ejsmond.

Der Ägyptologe sagt, der Mythos ihrer Schönheit könnte Teil der römischen Propaganda gewesen sein.

"Die Römer wollten sie als Femme fatale darstellen, die brave römische Bürger verführt und sie in den lüsternen Lebensstil eines orientalischen Despoten hineinzieht."

Die alten Ägypter glaubten, die Mumie des Pharaos könne von den Toten auferstehen

Antike Reisefotos aus Ägypten: Mumie von Ramses II. - Copyright: Getty Images
Antike Reisefotos aus Ägypten: Mumie von Ramses II. - Copyright: Getty Images

Obwohl Mumien, die von den Toten auferstehen, ein fester Bestandteil des Horrorgenres sind, glaubten die Altägypter wahrscheinlich nicht, dass dies im wirklichen Leben passieren würde.

"Symbolisch gesehen ist der Pharao niemals tot", sagt Ejsmond, "aber seien wir ehrlich, es ist natürlich nur symbolisch. Dass der Pharao nicht mehr lebte, sahen die Menschen mit ihren Augen."

Nichtsdestotrotz glaubten die Altägypter, die Toten könnten die Lebenden beeinflussen.

"Wenn zum Beispiel der Körper einer Person nach dem Tod schlecht behandelt wurde oder nicht die richtigen Rechte für ein Begräbnis oder eine Beerdigung erhielt, litt die Familie angeblich unter Unfällen, verursacht durch den Toten."

Menschenopfer waren üblich

Der große Tempel von Abu Simbel. - Copyright: Getty Images
Der große Tempel von Abu Simbel. - Copyright: Getty Images

Über das alte Ägypten wird häufig behauptet, Diener seien lebendig begraben oder getötet worden, um ihren Pharao in den Tod begleiten zu können.

Es ist möglich, dass dies zu einem bestimmten Zeitpunkt in der altägyptischen Geschichte geschah, aber wahrscheinlich nur für einen sehr kurzen Zeitraum. "Während der ersten Dynastie gab es wahrscheinlich Menschenopfer", erklärt Ejsmond diesbezüglich.

Die Gräber der Pharaonen der ersten Dynastie sind von Hunderten kleinerer Gräber von Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren umgeben. Dass sie alle zur gleichen Zeit wie der Pharao starben, wirft in der Tat viele Fragen auf.

Dennoch wurden "keine offensichtlichen Spuren auf den Knochen oder irgendwo gefunden, die Morde bestätigen. Es ist also immer noch ein offenes Thema", so der Ägyptologe.

"Ob es während der zweiten Dynastie Opfer gab, bleibt offen. Darauf gibt es dennoch überzeugende Hinweise. Ab der dritten Dynastie gibt es keine Beweise für Menschenopfer."

Das bedeutet, dass es über einen Zeitraum von etwa 400 Jahren der 3000-jährigen Geschichte Altägyptens Opfer gegeben haben könnte.

Die Mumifizierung diente der Konservierung des Körpers

Mit Hilfe eines CT-Scan können Wissenschaftler Mumien digital sezieren, ohne sie zu beschädigen. - Copyright: Sahar Saleem
Mit Hilfe eines CT-Scan können Wissenschaftler Mumien digital sezieren, ohne sie zu beschädigen. - Copyright: Sahar Saleem

Eine weit verbreitete Vorstellung über das alte Ägypten ist, dass die Mumifizierung dazu gedient haben soll, den Körper zu bewahren, weil er mit dem Pharao verbunden war.

Es gibt jedoch eine Gruppe von Ägyptologen, die argumentieren, dass die Mumifizierung nicht dazu diente, den Körper zu erhalten. Vielmehr sollte der Körper des Pharaos wieder in die ihm gebührende Form gebracht werden: die Form einer Statue.

Diese Ägyptologen sind der Meinung, Statuen seien als Verlängerungen der Götter auf der Erde angesehen worden.

"Ein lebensechtes Bild, ein erkennbares Bild zu schaffen, war eigentlich nie die Absicht", sondern den Körper wie eine idealisierte gottähnliche Statue aussehen zu lassen, sagt Campbell Price, ein Kurator am Manchester Museum in Großbritannien, der ein Buch über das Thema veröffentlicht hat.

Das würde erklären, so Campbell, warum so viele Mumifizierungen von Pharaonen später als "verpfuscht" befunden wurden. Ägyptologen, die dieser neuen Denkschule angehören, argumentieren, Konservierung sei nie das Ziel gewesen. Doch diese Ansicht über Mumifizierung bleibt umstritten. Viele Ägyptologen stimmen ihr nicht zu.

Pyramiden waren mit Sprengfallen versehen

Tunneleingang zur Pyramide von Gizeh. - Copyright: Getty Images
Tunneleingang zur Pyramide von Gizeh. - Copyright: Getty Images

Dieser Irrglaube kam nach der Entdeckung vertikaler Schächte in den Pyramiden, die mitten durch die Korridore zu den königlichen Gemächern verliefen.

"Einige Gelehrte dachten, es handele sich um Fallen, in die ein Räuber plötzlich hinunterfallen würde", so Ejsmond. "Doch Räuber sind nicht dumm!"

Eine andere Erklärung für die Schächte ist, dass sie dazu gedacht waren, bei starkem Regen Wasser aufzufangen, um zu verhindern, dass die königlichen Gemächer beschädigt werden, sagt der Ägyptologe.

Abgesehen davon versuchten die Baumeister, die königlichen Überreste vor Grabräubern zu schützen, indem sie zum Beispiel die Gänge mit rotem Granit versperrten. Doch die Diebe schnitten einfach um den Granitblock herum in die Kalksteinwände der Pyramide, so Ejsmond.

Es gab Labyrinthe im Inneren der Pyramiden

Ein Diagramm der Pyramide von Gizeh zeigt, dass nur wenige Gänge – und kein Labyrinth – zur königlichen Kammer führen. - Copyright: Procureur, S., et al, Nat Commun 14, 1144 (2023) doi.org/10.1038/s41467-023-36351-0
Ein Diagramm der Pyramide von Gizeh zeigt, dass nur wenige Gänge – und kein Labyrinth – zur königlichen Kammer führen. - Copyright: Procureur, S., et al, Nat Commun 14, 1144 (2023) doi.org/10.1038/s41467-023-36351-0

Die Vorstellung, dass die Menschen komplizierte Schatzkarten benötigten, um sich in einem Labyrinth innerhalb einer Pyramide zurechtzufinden, ist laut Ejsmond "völlig falsch".

"Wenn man sich die Pläne einer Pyramide ansieht, führen die Gänge normalerweise geradewegs zur Grabkammer", sagt der Ägyptologe. Unter einigen Tempeln seien jedoch labyrinthartige Gänge zu finden.

"Es gibt wirklich komplexe Gangsysteme, sogenannte Krypten. Da sieht es aus wie in einem Film."

"Manchmal muss man einen Steinblock drücken, damit eine andere Tür auf der gegenüberliegenden Seite desselben Korridors frei wird. Man muss wissen, in welcher Reihenfolge man die Steine drücken muss, damit man einen Geheimgang öffnen kann."

Der Fluch des Pharaos lastet auf den Lebenden

Die Maske von König Tutanchamun, die beschädigt und wieder zusammengefügt wurde, im Ägyptischen Museum in Kairo. - Copyright: Reuters
Die Maske von König Tutanchamun, die beschädigt und wieder zusammengefügt wurde, im Ägyptischen Museum in Kairo. - Copyright: Reuters

Diese Vorstellung hat schon viele Filme inspiriert: Ein Abenteurer, der das Grab eines Pharaos entweiht, muss damit rechnen, dass ihm im Leben etwas Schreckliches passiert. "Das untermauern archäologische Beweise nicht", so Ejsmond.

"In einigen Gräbern, vor allem aus dem Alten Reich und der ersten Zwischenzeit, findet man Inschriften, in der Regel am Eingang, die besagen, dass derjenige, der dieses Grab betritt und ihm Schaden zufügt, vor den großen Gott gebracht und angeklagt werde", so der Ägyptologe.

Das bedeutet nach Ejsmond, dass der Pharao, der leibhaftige Gott, die Taten der Person nach dem Tod verurteilen werde.

Immerhin gibt es eine Ausnahme: "Eine Inschrift besagt, die Götter würden jedem, der dem Grab Schaden zufügt, das 'hepesh' herausschneiden", kontastiert Ejsmond.

"Wir wissen nicht genau, was mit dem Wort 'hepesh' gemeint ist. Es könnte Lebenskraft bedeuten, es könnte aber auch Stärke bedeuten, oder es könnte wörtlich bedeuten, dass der Arm der Person abgeschnitten wird."

Der Verzehr von Mumienfleisch könnte mystische Heilungseffekte haben

Ein Schwarzweißfoto aus dem Jahr 1898 zeigt die letzte Mumie in Großbritannien, die unter wissenschaftlichen Bedingungen an der Universität Manchester ausgewickelt wurde. - Copyright: Hulton-Deutsch Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images
Ein Schwarzweißfoto aus dem Jahr 1898 zeigt die letzte Mumie in Großbritannien, die unter wissenschaftlichen Bedingungen an der Universität Manchester ausgewickelt wurde. - Copyright: Hulton-Deutsch Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images

Es sind nicht nur moderne Irrtümer über das Altägypten, die Ägyptologen ärgern. Schon in der viktorianischen Zeit gab es einen bizarren Irrglauben: Die Menschen glaubten, dass der Verzehr von Mumienfleisch mystische Heilungseffekte haben könnte.

"Bis in die 1920er Jahre konnte man Mumienpulver in den Katalogen einiger Apotheken in Deutschland finden", sagt Ejsmond. "Es ist wahrscheinlich, dass unsere Großväter oder Großmütter Mumien zu essen bekommen hatten."

Für Ejsmond geht dieser Irrglaube auf das zwölfte Jahrhundert zurück, als der arabische Arzt Abd-al Latif eine Abhandlung über die wundheilenden Eigenschaften einer Art Harz namens mūmiyā schrieb.

Als die Kreuzfahrer im Mittelalter aus dem Osten zurückkehrten, "verbreiteten sie die Informationen über mūmiyā, das als Allheilmittel galt – eine Medizin, die praktisch alles von Kopfschmerzen über Impotenz bis hin zur Wundheilung abdeckte", so Ejsmond.

Eltern Handy
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Im Laufe der Jahre wurde das Wort fälschlicherweise für "Mumien" verwendet und die Menschen begannen, Mumienpulver wegen ihrer heilenden Wirkung zu suchen.

Viele Missverständnisse gehen auf den griechischen Historiker Herodot zurück

Statue von Herodot vor dem österreichischen Parlament in Wien. - Copyright: Getty Images
Statue von Herodot vor dem österreichischen Parlament in Wien. - Copyright: Getty Images

Der griechische Historiker Herodot besuchte Altägypten im fünften Jahrhundert vor Christus, gegen das Ende der altägyptischen Zeit. Sein Buch, das das Leben der Altägypter beschreibt, war äußerst einflussreich. "Für viele Generationen war dieses Buch die wichtigste Quelle über das alte Ägypten", so Ejsmond.

Der größte Teil des Buches ist laut Ejsmond bemerkenswert genau. Einige der darin enthaltenen Informationen hätten die Zeit überdauert. Das einzige Problem: Gelegentlich sei Herodot "ein Stück weit kreativ in seinem Umgang mit der Wahrheit" gewesen, so der Ägyptologe.

"Es gibt zum Beispiel eine sehr merkwürdige Passage. Da sagt Herodot, die Nilpferde hätten den Pharao gefangen genommen."

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.