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Die Metalltarifparteien beweisen Handlungsfähigkeit in der Krise

Die Coronavirus-Epidemie hat auch die Metalltarifparteien zusammenrücken lassen. Das neue Miteinander lässt auch für die Zukunft auf gute Lösungen hoffen.

Der in Nordrhein-Westfalen erzielte Pilotabschluss ist ein Beispiel für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Coronakrise. Foto: dpa

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Themen, die die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie so besonders gemacht haben, sind nicht über Nacht verschwunden. Autobauer und ihre Zulieferer suchen weiter nach neuen Geschäftsmodellen jenseits des Verbrennungsmotors. Die Digitalisierung wird Arbeitsplätze verschwinden und neue entstehen lassen, Weiterbildung und Qualifizierung werden wichtiger denn je.

Aber für viele Unternehmen und ihre Beschäftigten werden sich Fragen wie diese gar nicht mehr stellen, wenn sie die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit nicht überleben. Das für das bloße Auge unsichtbare Coronavirus stellt nicht nur unser aller Leben auf den Kopf. Es zwingt auch die Metallarbeitgeber und die IG Metall zu einem neuen Miteinander, das man von den leicht auf Krawall gebürsteten Tarifparteien dieser Branche bisher so nicht kannte.

Der in Nordrhein-Westfalen erzielte Pilotabschluss ist ein Beispiel für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Coronakrise im Geiste gelebter Sozialpartnerschaft. Er gibt Antworten auf drängende Fragen, die sich den Metallbeschäftigten in diesen Tagen stellen.

Wie kann ich Job und Kinderbetreuung vereinbaren? Wie komme ich mit meiner Familie über die Runden, wenn ich länger in Kurzarbeit geschickt werde? Ein dickes Lohnplus, über das sonst in jeder Runde verhandelt wird, rückt da in den Hintergrund.

Geist des Miteinanders

Mit pragmatischen Lösungen, die auf betrieblicher Ebene ausdifferenziert werden können, beweisen die Metalltarifparteien Handlungsfähigkeit auch in der Krise. Beschäftigte werden so gut es geht unterstützt, Betriebe nicht über Gebühr belastet. Denn eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds für die Metaller nützt am Ende nichts, wenn das Unternehmen dabei finanziell in die Knie geht.

Im Nachhinein ist es ein Segen, dass die Beschäftigungssicherung schon im Mittelpunkt der Tarifverhandlungen stand, bevor Corona zuschlug. Über Lösungen wie die Aufstockung des Kurzarbeitergelds wurde längst verhandelt, weil sie auch ganz unabhängig vom Virus sinnvoll sein kann, etwa für kriselnde Autozulieferer.

Wenn die Epidemie eines Tages vorüber ist, sollten Arbeitgeber und Gewerkschaft ihre Gespräche im Geiste des Miteinanders wieder aufnehmen und Antworten auf die nur verschobenen Fragen finden. Die Chancen stehen gut, dass das gelingt. Denn wer Corona meistert, wird auch den Strukturwandel und die Digitalisierung überstehen.