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Wird die neue HBO-Serie "The Undoing" das bessere "Big Little Lies"?

Julian Weinberger
·Lesedauer: 3 Min.

Ein Mord im Upper-Class-Milieu und eine Familie, die nur vordergründig perfekt wirkt: In "The Undoing" kombiniert Serienschöpfer David E. Kelley ähnliche Motive wie in seinem großen Erfolg "Big Little Lies". Warum das Original dennoch unerreicht bleibt.

Sowohl bei den Emmys 2017 als auch bei den Golden Globes 2018 räumte die HBO-Serie "Big Little Lies" den Preis als beste Miniserie ab. Dazu wurden einige der Darsteller des hochkarätig besetzten Ensembles prämiert - unter anderem Nicole Kidman, die in der Dramaserie famos aufspielte. Neben den ausgezeichneten Kritiken erzielte die HBO-Produktion auch tolle Resonanz von den Zuschauern. Während Fans der Serie nach einem vielsagenden Hinweis von Nicole Kidman auf eine dritte Staffel hoffen, können sie sich die Zwischenzeit mit einem neuen Psychodrama aus dem Hause HBO vertreiben: Sky zeigt die sechsteilige Miniserie "The Undoing" ab 30. November.

Und so viel kann man verraten: Wem "Big Little Lies" gefiel, dem wird auch "The Undoing" in den Bann ziehen. Das liegt nicht nur an Nicole Kidman, die ihr schauspielerisches Talent erneut in einer ambivalenten Hauptrolle unter Beweis stellt. Auch die Handschrift von "Big Little Lies"-Macher David E. Kelley, der das Drehbuch auf Basis des Romans "Du Hättest Es Wissen Können" von Jean Hanff Korelitz schrieb, ist unverkennbar.

Ein Todesfall im Glamourmilieu

Wie im erfolgreichen Vorbild spielt die Handlung im Upper-Class-Umfeld gut betuchter Familien, wenngleich Kelley den Handlungsort von der Westküste Kaliforniens auf die andere Seite der Staaten nach New York City verlegt. Dort lebt die Therapeutin Grace (Kidman) mit ihrem viel beschäftigten Ehemann Jonathan (Hugh Grant) und dem gemeinsamen Sohn Henry (Noah Jupe), der eine angesehene Privatschule besucht - so, wie es sich eben für eine wohlhabende Familie in Big Apple gehört.

Gemeinsam mit den anderen Müttern zelebriert Grace das gemeinsame Champagner-Trinken, oberflächliche Begrüßungsrituale und schwimmt mit in einem Strudel von Exaltiertheit und Dekadenz. Nur eine Mutter scheint in dem exklusiven Kreis, der eine Spendenaktion für die Schule organisiert, fehl am Platz: Elena (Matilda De Angelis), deren Sohn Miguel (Edan Alexander) es nicht aufgrund des Reichtums seiner Eltern, sondern wegen seiner herausragenden Leistungen an die Schule geschafft hat.

Sie verunsichert die anderen Mütter mit ihren offenherzigen Outfits und empört die Society-Ladys bei einem Treffen, als sie ihr Baby vor versammelter Mannschaft stillt. Elena habe "spektakuläre Brüste", wie Sylvia (Lily Rabe) danach bei einem Telefonat mit Grace herablassend feststellt. Wenig später jedoch erlebt die Handlung ihre erste tragische Wendung: Elena wird tot aufgefunden, offenbar grausam erschlagen. Zur gleichen Zeit verschwindet Jonathan spurlos und gerät dadurch ins Visier der Polizei - genauso wie Grace, deren Welt aus den Angeln gehoben zu werden droht.

Der neue Hugh Grant

"The Undoing" wird getragen von starken schauspielerischen Darbietungen. Kidmans Rolle ähnelt frappierend ihrem Part als Celeste Wright in "Big Little Lies". Selbst in den dunkelsten Momenten versucht Grace nach außen den Schein der starken Frau und taffen Mutter zu wahren - was bei Weitem nicht immer gelingt. Glänzen darf auch Hugh Grant, der sich einmal mehr von seinem 90er-Jahre-Herzensbrecher-Image distanziert und den geheimnisumwitterten Mann mit zwei (oder drei?) Gesichtern gibt.

Mit "Big Little Lies" kann sich "The Undoing" trotzdem nicht messen. Dafür fehlt dem neuen HBO-Psychodrama der Facettenreichtum. "Big Little Lies" war bis in die Nebenrollen nicht nur prominent besetzt, die unterschiedlichen Erzählstränge offenbarten Betrug, körperliche Gewalt und Entfremdung mal mit voller Wucht, mal unterschwellig und schleichend.

In "The Undoing" bleiben die Nebenfiguren bis auf einen liebenswürdigen und dennoch knurrigen Donald Sutherland sehr blass. Das Fehlen von interessanten Gegenparts zur ominpräsenten Grace wirkt sich auch auf das Erzähltempo aus: Weil sich die Handlung fast ausschließlich auf deren Familiendrama beschränkt, flacht die Spannungskurve immer wieder ab. Da helfen auch die wirkungsvollen Cliffhanger am Ende der Folgen nur bedingt.

"The Undoing" läuft ab Montag, 30. November, immer montags bei Sky Atlantic HD. Außerdem steht die Serie auf Sky Ticket und via Sky Q zum Abruf bereit.