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Mnuchin versucht, den nächsten Wall-Street-Absturz zu verhindern


Von besinnlicher Vorweihnachtsstimmung kann bei US-Finanzminister Steven Mnuchin kurz vor Heiligabend keine Rede sein. Im Gegenteil: Nach den jüngsten Abstürzen an der Wall Street hatte er am Wochenende alle Hände voll zu tun, die Investoren zu beruhigen. Groß ist die Sorge vor weiteren Verwerfungen an den Märkten und einer Abkühlung der Wirtschaft.

Um das zu verhindern und das Vertrauen der Anleger in die Stabilität des Finanzsystems zu stützen, hat Mnuchin am Sonntag mit den Chefs der sechs größten Banken des Landes telefoniert. Die CEOs von Bank of America, Citi, Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und Wells Fargo hätten dabei allesamt bestätigt, dass sie über ausreichend Liquidität verfügen, um sämtliche Wirtschaftsbereiche mit Krediten zu versorgen, heißt es in einer Stellungnahme des Finanzministeriums, die Mnuchin am Sonntag auf seinem Twitter-Account veröffentlichte.

Zusätzlich zu der Versicherung der Großbanken teilte Mnuchin außerdem mit: „Wir werden auch weiterhin ein starkes Wirtschaftswachstum in den USA sehen.“

Die US-Börsen mussten zuletzt herbe Kursverluste verkraften. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor vergangene Woche fast sieben Prozent und damit so viel wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr innerhalb einer Woche. Die Nasdaq, Haupttreiber des vergangenen Börsenbooms, fiel am Freitag auf ein 15-Monats-Tief.

Damit sich der Abwärtstrend nicht fortsetzt, will Mnuchin am Montag auch mit Vertretern der US-Notenbank Fed, der Börsenaufsicht SEC und anderen Institutionen telefonieren, um gemeinsam Maßnahmen zu besprechen, wie ein „normaler Handel“ gewährleistet werden kann.


Auch im Hinblick auf den teilweisen Regierungsstillstand, der seit dem Wochenende in Kraft ist, versuchte er zu beruhigen: Das Finanzministerium werde trotz des „Shutdowns“ alle wichtigen fiskalischen, steuerbehördlichen und sonstigen Kernaufgaben wahrnehmen können.

Für den obersten Haushälter der USA, der sich bereits im Weihnachtsurlaub in Mexiko befindet, war es nicht der einzige „Noteinsatz“ an diesem Wochenende. Erst am Samstag hatte er auf Nachrichten reagiert, wonach US-Präsident Donald Trump offen darüber nachgedacht haben soll, Fed-Chef Jerome Powell zu feuern. Trump hatte sich bereits in der Vergangenheit immer wieder kritisch über den Notenbankc-Chef geäußert – auch vor der jüngsten Zinssitzung am vergangenen Mittwoch.

Unklar ist, ob Trump überhaupt die Befugnis hat, Powell aus dem Amt zu drängen. Die Notenbank gilt als unabhängige Instanz, die keinen Weisungen unterworfen ist. Dennoch sorgt allein die Spekulation über eine mögliche Absetzung des obersten Währungshüters für viel Unruhe bei den Investoren.

Auch hier versuchte Mnuchin per Tweet die Anleger zu beruhigen: Nach einem Gespräch mit Trump zitierte er den US-Präsidenten mit den Worten: „Ich habe niemals vorgeschlagen, Jerome Powell zu entlassen, zudem glaube ich nicht, dass ich das Recht dazu habe.“

Die Einsätze des Finanzministers am Wochenende sind ein Zeichen dafür, wie sehr die US-Regierung einen wirtschaftlichen Abschwung fürchtet. Etwa zwei Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl würde das Trumps Chancen auf eine zweite Amtszeit deutlich verringern. Immer wieder hatte er die boomende Konjunktur in den USA mit seiner „America first“-Politik begründet und damit auch von Rückschlägen und Krisen in anderen Bereichen abgelenkt.



An der Wall Street wird es am Montag nur einen verkürzten Handel geben. Die Börse in Frankfurt ist geschlossen. Erst dann wird sich zeigen, wie Mnuchins vorweihnachtliche Beruhigungsversuche auf die Investoren wirken. Wie die „Washington Post“ berichtet, rechnen manche Analysten eher damit, dass der Finanzminister mit seiner Aktion vom Sonntag genau das Gegenteil von dem erreicht haben könnte, was er eigentlich wollte.

„Das sieht nach Panik innerhalb der US-Regierung aus“, zitiert das Blatt Diane Swonk, Chefökonomin beim Beratungshaus Grant Thornton. Ihr zufolge sorgt Mnuchin mit seiner Rückversicherung bei den Banken nur für noch mehr Unsicherheit am Markt. Denn dadurch entstehe nun der Eindruck, der Finanzminister wisse etwas, von dem sonst niemand weiß.