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Warum ich mir kein Leben im Tiny House vorstellen kann, obwohl ich die Idee genial finde

Unsere Redakteurin hat das Münchener Startup Vagabundo im Englischen Garten besucht. - Copyright: Gründerszene, Collage: Dominik Schmitt
Unsere Redakteurin hat das Münchener Startup Vagabundo im Englischen Garten besucht. - Copyright: Gründerszene, Collage: Dominik Schmitt

Mit meinen 24 Jahren gehöre ich zur Generation Z. Diese zeichnet sich dadurch aus, maximal unverbindlich zu sein. Wir wollen uns nicht festlegen, wo wir etwa arbeiten und wohnen. Darum sind Co-Working-Spaces und Tiny Houses auch im Trend. Das Münchener Startup Vagabundo nutzt dieses Momentum, um selbst Tiny Houses zu bauen.

Ein Musterhaus hat das 2020 gegründete Startup direkt im Englischen Garten stehen. In München ist dieser Park Touristenattraktion und Erholungsort zugleich. Ich kann mir vorstellen, eines Tages auch mal in einem Tiny House unterzukommen. Um mir einen Eindruck zu verschaffen, schaue ich es mir also vor Ort an. Und um es direkt vorwegzunehmen: Das Leben in einem Tiny House hat nicht nur Vorteile.

Das Tiny House von Vagabundo ist etwa 15 Gehminuten von der nächsten S-Bahn-Station entfernt. Am Eingang erwartet mich Michael Leitner, einer der drei Gründer des Startups – und Anhänger des Minimalismus. „Ich besitze selber nicht viele Sachen, nur ein wenig Sportequipment.“ Am liebsten reise Leitner, der auch gerne Michi genannt wird, mit einem Camper oder mit dem Fahrrad in die nahegelegenen Alpen.

Michael Leitner in seinem selbstentworfenen Tiny House im Englischen Garten München.  - Copyright: Gründerszene
Michael Leitner in seinem selbstentworfenen Tiny House im Englischen Garten München. - Copyright: Gründerszene

Seine beiden Co-Gründer, Luca Knipp und Andreas Müller oder Andi genannt, ticken ähnlich. Und so kam das Dreiergespann bei einem Feierabendbier an der Isar eines Tages auf die Idee, Tiny Houses zu bauen.

„Weg vom Image eines Bauwagens"

Das Know-how, um sowas zu entwerfen, bringen sie alle Drei mit. Michi ist Wirtschaftsingenieur, sein Co-Gründer Andreas Müller ebenfalls. Luca Knipp ist Architekt. Die Tiny Houses werden im Betrieb seines Vaters gebaut. Was Vagabundo von anderen Startups abgrenzen soll: „Wir wollen vom Design her vollwertige Häuser bauen und weg von dem Image eines Bauwagens.“ Nachhaltigkeit sei den Gründern wichtig. Eigenen Angaben zufolge nutzen sie für den Bau nachhaltige Materialien wie Holz sowie hochwertige und damit meist langlebige Möbel.

Der bislang skurrilste Interessent soll Leitner zufolge ein Unternehmer gewesen sein, „der sich das Tiny House auf das Dach seiner Firma stellen wollte.“ Daraus sei aber dann nichts geworden. Das allererste Tiny House ist Vagabundo im vergangenen Jahr losgeworden. Und zwar über ein Gewinnspiel des Mainzer Rucksackherstellers Gotbag. Sie vertreiben Rucksäcke aus recyceltem Meeresplastik. Wie viel das Gründertrio damit verdient hat oder wie der Deal genau ausgesehen hat, dazu will Leitner nichts sagen.

180.000 Euro pro Tiny Haus

Das Tiny House, das im Englischen Garten steht, ist bislang das einzige Musterhaus, das man besichtigen kann. Im Verkauf kostet das Haus knapp 180.000 Euro. Es ist vier Meter hoch, 2,55 Meter breit und 7,82 Meter lang und hat zwei Stockwerke. Unten ist der Ess- und Kochbereich sowie ein kleines Badezimmer mit Dusche. Oben steht ein Doppelbett mit Arbeitstisch und Schrank. Das Tiny House hat sowohl oben als auch unten große Fensterfronten, sodass tagsüber viel Licht reinströmt und man – je nach Lage – den Blick nach draußen genießen kann. Ich blicke ich vor allen Dingen auf viel grünes Gebüsch.

Mein eigener Chaos auf dem Tisch – aber dafür blicke ich ins Grüne.
Mein eigener Chaos auf dem Tisch – aber dafür blicke ich ins Grüne.

Sowohl die Wände als auch ein Großteil der Innenausstattung, wie etwa die Küchenzeile, besteht aus Holz, was für eine wohnliche Atmosphäre sorgt. Die Möbel sind hochwertig: Der Küchentisch im Tiny House stammt etwa von Thonet, einem hochpreisigen Möbelhersteller aus Hessen. Dusche und Bad von der Firma Steinberg und der Hightech-Backofen mit Touchdisplay von Bora, der die Geräte für mehrere tausend Euro verkauft.

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Das zweistöckige Haus auf Stützen ist, als ich es besuche, lediglich an Strom angeschlossen. Heißt: Die eingebaute Fußbodenheizung in beiden Stockwerken sowie die Lichtschalter funktionieren. Das Abwasser allerdings nicht. Das Badezimmer und die Küche kann ich bei meinem Besuch daher nicht nutzen. Gleiches gilt für Wlan.

Vagabundo nutzt kostenlos das Grundstück des DHDL-Startups Lymbio

Insgesamt hat Vagabundo drei Tiny Houses im Angebot, teilweise auch ohne Treppen. Das Musterhaus, das ich mir ansehe, steht auf dem Gelände eines 1930 erbauten Umspannwerkes, worüber früher mal Strom mehrere Wasserkraftwerke des nahegelegenen Isar-Kanals gemanagt wurde. Jetzt ist der Platz samt Backsteingebäude denkmalgeschützt und das Softwarestartup Lymbio hat dort seine Büros. Die Firma trat 2021 mit ihrem Indoor-Spielsystem in "Die Höhle der Löwen" auf, allerdings ohne Erfolg. Gründer Markos Aristides Kern stelle heute einen Teil des Geländes dem jungen Tiny-House-Startup kostenlos zur Verfügung.

Ich finde die Idee von Tiny Houses genial. Gerade München ist ein teures Pflaster und mit Quadratmeterpreisen von rund 26 Euro wohl die teuerste Stadt Deutschlands. Häuser und gar Wohnungen überschreiten schnell eine Million Euro. Mit dem Tiny House von Vagabundo und Kosten von etwa 180.000 Euro - ohne Grundstück - ist man vergleichsweise günstig unterwegs.

Aber ein paar Haken hat das Konzept Tiny House dann doch: Zum einen muss man sich, wenn man nicht bereits ein Grundstück hat, erst eins zulegen. Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes kostet in München ein Quadratmeter Bauland im Schnitt 2.300 Euro. In Berlin liegt der Preis bei rund 1.300 Euro.

Auf dem Land kommt man da deutlich günstiger weg. So kann man mancherorts auch Grundstücke zwischen 20 und 80 Euro pro Quadratmeter erwerben, wie etwa in Thüringen oder Sachsen-Anhalt. Zudem können weitere Kosten für Strom- und Wasseranschlüsse anfallen.

Wer oft umzieht, für den lohnt sich ein Tiny House nicht

Und so ist die Anschaffung eines Tiny House gar nicht so unkompliziert, wie der Hype es manchmal suggeriert. Denn mit dem Hauskauf allein kann man noch nicht viel anfangen. Es braucht ein Grundstück, eine Baugenehmigung, Anschlüsse. Für den regelmäßigen Umzug, etwa alle paar Jahre, lohne sich die Anschaffung eines Tiny Hauses daher nicht, sagt Leitner im Gespräch mit Gründerszene. Allein die Genehmigungen für Baugrundstücke können Monate dauern.

Gemütlich ist es im zweiten Stock schon. Nur viel Platz und Stauraum ist da nicht.  - Copyright: Gründerszene
Gemütlich ist es im zweiten Stock schon. Nur viel Platz und Stauraum ist da nicht. - Copyright: Gründerszene

Zudem bietet ein Tiny House - wie der Name schon sagt - weniger Platz, als ein richtiges Haus. Auf einen Keller muss man grundsätzlich verzichten. Für Paare, die eine Familie gründen wollen, dürfte ein Tiny House keine Option sein. Hingegen könnte es für Singles, Paare oder Menschen, die ihren eigenen Hausstand verkleinern wollen, interessant sein.

Und ich? Ich werde es mir überlegen. Denn alleine die ganze Bürokratie, die mich erwarten würde, schreckt mich durchaus ab.