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Das ist der Milliardär Gautam Adani, der dieses Jahr 40 Milliarden Euro reicher geworden ist – und damit Bill Gates und Warren Buffett überholt hat

 - Copyright: Amit Dave/Reuters
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Der Inder Gautam Adani hat sein Vermögen 2022 um 42 Milliarden US-Dollar (knapp 40 Milliarden Euro) erhöht. Damit gilt er nun als drittreichster Mensch der Welt – mit einem Gesamtvermögen von etwa 119 Milliarden US-Dollar (etwa 111 Milliarden Euro). Dem „Bloomberg Billionaires Index“ belegt er hinter Bernard Arnault (CEO des Louis Vuitton und Moet-Eigentümers LVMH) und Elon Musk (CEO von Tesla, SpaceX und Twitter) den dritten Platz. Die Milliardäre Bill Gates, Warren Buffet und Jeff Bezos hat Adani überholt.

Gautam Adani ist Gründer und Vorsitzender der Adani Group, eines multinationalen Mischkonzerns, dessen Geschäftsfelder Energie, Bergbau, Häfen und Flughäfen umfassen. Ihm gehört der größte Handelshafen Indiens und er hält eine Mehrheitsbeteiligung am internationalen Flughafen von Mumbai.

Zum Anfang des Jahres belegte Adani noch Platz 14 im Milliardärs-Ranking. Die steigenden Energiepreise und eine Reihe von Übernahmen, darunter ein Hafen in Israel und eine feindliche Machtübernahme des indischen Fernsehsenders NDTV, ließen sein Vermögen in die Höhe schnellen, berichtet Bloomberg.

Im Juni 2020 belief sich sein Vermögen noch auf zehn Milliarden Dollar, im April 2022 erreichte er dann jedoch die 100-Milliarden-Dollar-Schwelle. Der Bloomberg Index zeigt auch, dass Adani in diesem September sogar über 150 Milliarden Dollar verfügt. Im Dezember sind es mittlerweile „nur noch“ 119 Milliarden Dollar.

Adani ist laut Bloomberg der einzige Milliardär in der Top-10-Liste, der in diesem Jahr reicher geworden ist. Musks Vermögen ist um 138 Milliarden US-Dollar (etwa 129 Milliarden Euro) gesunken, Amazon-Gründer Jeff Bezos verlor 87 Milliarden US-Dollar (etwa 81 Milliarden Euro) und Alphabet-Mitbegründer Larry Page hat 47 Milliarden US-Dollar (etwa 44 Milliarden Euro) eingebüßt.

Vom Diamantensortierer zum Tycoon

Adani wurde 1962 in Ahmedabad, im indischen Bundesstaat Gujarat, geboren. Laut „Silicon India“ brach er die Universität nach dem zweiten Jahr seines Wirtschaftsstudiums ab. Danach wandte er sich der Diamantenindustrie zu, zunächst als Sortierer und dann als Händler in Mumbai, berichtet die Zeitung.

Nachdem sein Bruder ein Kunststoffunternehmen gekauft hatte, arbeitete Adani mit ihm zusammen und begann mit dem Import von PVC, schreibt Bloomberg. Im Jahr 1988 gründete er Adani Enterprises. Heute besteht die Adani-Gruppe aus sieben börsennotierten Unternehmen mit 23.000 Mitarbeitern und einem Wert von 166 Milliarden Dollar, der allerdings von 242 Milliarden Dollar im August gesunken ist.

Der größte Teil von Adanis Reichtum stammt aus den großen Aktienpaketen, die er an seinen Unternehmen hält. Nach Angaben von Bloomberg hält er 75 Prozent der Anteile an Adani Enterprises, Adani Power und Adani Transmissions. Der Aktienkurs von Adani Enterprises hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt und der von Adani Power verdreifacht. Adani Enterprises erzielte in den sechs Monaten bis September einen Umsatz von 9,6 Milliarden Dollar (etwa 8,9 Milliarden Euro).

In seinem Profil auf der Website der Adani-Gruppe heißt es, Adani wolle Indien zu einem bedeutenden Akteur im Bereich der nachhaltigen Energie machen und in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit unabhängig werden.

Adani wurde schon einmal entführt und erlebte einen Terroranschlag mit

In seinem Leben musste der Milliardär schon einiges überstehen: Laut eigenen Angaben wurde Adani 1998 gemeinsam mit einem Freund von einer Gruppe bewaffneter Männer gekidnappt. „The Indian Express“ berichtet, dass die Entführer 2 Millionen Dollar Lösegeld verlangten und die Geiseln nach der Zahlen der Summe wieder frei ließen. Acht Personen wurden anschließend angeklagt, schließlich aber freigesprochen, berichtet die „Times India Now.“

Außerdem erlebte Adani den Terroranschlag in Mumbai 2008. Er habe gerade zum Essen im Taj Mahal Hotel gesessen, als er von seinem Tisch aus sehen konnte, wie bewaffnetet Männer das Hotel betraten. Daraufhin habe er sich im Keller des Hotels verstecken können, erzählt Adani im Interview mit „India Today“.

Dieser Text wurde von Hendrikje Rudnick aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.