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Warum ich meinen Job als Banken-Vorstand gekündigt habe – trotz des hohen Gehalts

Hat mit der Finanzbranche abgeschlossen: Ben Warje, Blogger von Divantis.  - Copyright: Ben Warje / Getty Images / Odd Andersen, Igor Kutyaev / Collage: Dominik Schmitt
Hat mit der Finanzbranche abgeschlossen: Ben Warje, Blogger von Divantis. - Copyright: Ben Warje / Getty Images / Odd Andersen, Igor Kutyaev / Collage: Dominik Schmitt

Ben Warjes Karriere führte ihn durch die verschiedensten Stationen in der Finanzbranche. Von seinen Anfängen in verschiedenen Bankengruppen bis hin zur Position des Vorstands einer Bank, seine Karriere ist geprägt von ständiger Bewegung und Entwicklung – bis zum Bruch mit der Branche. Mittlerweile betreibt der 44-Jährige einen Finanz-Blog. Ben Warje ist das Pseudonym, unter dem er schreibt.

Vor vier Jahren trat Warje eine entscheidende Wende in seinem Berufsleben ein. Er beendete seine Tätigkeit als Top-Banker und stand vor der Frage, welchen Weg er zukünftig einschlagen sollte. Die Antwort fand er in der Selbstständigkeit als freiberuflicher Berater. Zusätzlich verwaltet er sein eigenes Vermögen, das er im Laufe seiner Karriere aufgebaut hat, einschließlich Immobilien und Investitionen in Startups.

„Für mich war es immer ein Anliegen, unabhängig zu sein“, erklärt Warje. Schon im Studium war es seine Motivation, irgendwann als Freiberufler arbeiten zu können. Er wollte nicht von Vorgesetzten abhängig sein, sondern „stets mein eigenes Ding machen“. Auch seine Eltern waren selbstständig – sein Vater als Arzt und seine Mutter als Psychotherapeutin.

Die "Exzesse" der Finanzbranche haben ihn verstört

Warje betont, dass er stets nach Weiterbildung gesucht hat, um eines Tages unabhängig sein zu können. Diese Unabhängigkeit führte ihn schließlich auch zu finanzieller Freiheit, obwohl dies nicht sein ursprüngliches Ziel war. „Allerdings wurde mir im Laufe der Zeit bewusst, dass das Bankwesen nicht meine wahre Leidenschaft ist“, reflektiert er. Besonders, nachdem er die "Exzesse" der Finanzkrise miterlebt habe.

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In seinem Job bei der Bank war er unter anderem für die Überwachung des Wertpapierhandels zuständig. Oft gab es da Situationen, in denen Spielräume in der Abwicklung existieren. Beispielsweise, wenn etwas ohne vorgegebenes Limit gekauft wird. Solche Fälle könnten durch nachträgliche Beschlüsse genehmigt oder rückgängig gemacht werden. "Ich habe mich stets für die strikte Einhaltung der Regeln eingesetzt und verlangt, dass nicht genehmigte Transaktionen rückgängig gemacht werden", sagt der 44-Jährige. Dies habe der Bank in einigen Fällen Geld und potenzielle Verluste erspart.

Er fühle sich wie in einem "Hamsterrad" gefangen

Er erinnert sich an ein besonders prägnantes Beispiel, als er zusammen mit Kollegen ein Investment in Lehman Brothers verhindert habe. "Wir argumentierten, dass Lehman Brothers eine Investmentbank und keine normale Bank sei und nicht unseren Richtlinien entspreche." Einige Monate später ging Lehman Brothers pleite, und die Bank habe sich durch sein Handeln einen potenziellen Verlust von 40 Millionen Euro erspart. "Dieser Erfolg wurde vom Vorstand positiv aufgenommen, auch wenn das niemand offen sagte", erinnert sich Warje.

Allerdings führte seine "regelkonforme Herangehensweise", wie er selbst sagt, oft dazu, dass einige Kollegen mit seiner Arbeitsweise nicht zufrieden waren. "Dennoch hat es mir geholfen, in meiner Position aufzusteigen."

Aber glücklich machte ihn das nicht. Wie in einem "Hamsterrad" habe er sich gefühlt, erzählt Warje. Warum er dann so lange dabei blieb? „Immer wenn ich kündigen wollte, bekam ich mehr Geld und blieb“, erinnert sich Warje.

So zum Beispiel das Angebot, einen neuen Bereich mit einer dreistelligen Zahl von Mitarbeitern aufzubauen, oder später das Angebot, Vorstand zu werden. "Diese Angebote waren finanziell verlockend und es war verführerisch, solch hohe Positionen anzunehmen." Also blieb Warje.

Warum er seinen Vorstandsjob aufgab

"Ich würde nicht direkt sagen, dass es wie eine Droge ist. Aber die hohen Gehaltszahlungen, besonders im Vergleich zu dem, was andere verdienen, sind schon beeindruckend", sagt er rückblickend. Insbesondere wenn man plötzlich jeden Monat hohe Beträge investieren kann, obwohl man seinen Lebensstandard nicht erhöht habe. "Es war weniger die Arbeit, die Spaß gemacht hat, sondern das Geld, das man dafür bekam."

Als Warje jedoch Vorstand wurde, stellte er fest, dass der Job oft Kompromisse erforderte, die nicht "seiner Natur" entsprachen. Er beschreibt seine Aufgabe so, dass er zwar über viele Dinge zu entscheiden hatte, aber selbst operativ zu arbeiten habe ihm gefehlt. "Nach drei Jahren in dieser Position entschied ich endgültig, dass es Zeit war, auszusteigen."

Heute, als selbstständiger Berater, arbeitet Warje mehr als je zuvor. „Obwohl ich in meiner Bankzeit eine hohe Verantwortung hatte und gut bezahlt wurde, kam es mir nicht wie harte Arbeit vor“, gibt er zu. Sein aktuelles Engagement, wie das Betreiben seines Blogs "Divantis", empfindet er als intensiver als seine früheren Banktätigkeiten.

Studium ohne Praxis sei für ihn "verlorene Zeit" gewesen

Sein persönliches Karriere-Fazit? Warje rät dazu, sich vielseitig aufzustellen und sich nicht allein an einen Job zu binden. „In der heutigen Zeit besteht immer die Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu verlieren oder zu erkennen, dass der aktuelle Job nicht erfüllend ist“, warnt er. Die Entwicklung von Alternativen und das Verfolgen anderer Interessen oder Fähigkeiten neben dem Hauptjob schätzt er als essenziell ein. „Ohne Alternativen kann dies zu Unzufriedenheit führen.“

Zum Abschluss gibt Warje noch einen wichtigen Rat für angehende Berufseinsteiger: „Ich würde definitiv einen praxisorientierten Studiengang wählen.“ Er hebt duale Studiengänge hervor, bei denen man Betriebswirtschaft in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen studiert. Trotz seiner erfolgreichen Karriere sieht er seine zusätzlichen Studienjahre als „verlorene Zeit“ an, da er nicht im Berufsleben aktiv war. Das würde er heute ändern.