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Wohin man derzeit noch in Europa reisen kann

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In Deutschland streitet die Politik wegen des Beherbergungsverbots. Reisen zu zahlreichen europäischen Urlaubszielen sind dagegen problemlos möglich. Ein Überblick.

Wer in Berlin wohnt, kann derzeit zwar problemlos in Griechenland Urlaub machen, nicht aber in Brandenburg. Deutschland erklärt Regionen im In- und Ausland zu Risikogebieten, wenn sie innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner aufweisen.

Wer aus einem solchen Gebiet kommt, darf in den meisten Bundesländern nur übernachten, wenn er einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegt. In Europa gibt es zahlreiche Regionen, in die deutsche Urlauber auch ohne Test und anschließende Quarantäne reisen können. Eine Übersicht.

Griechenland

Ein Urlaub in Hellas ist seit Juni uneingeschränkt möglich. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt zwar seit Anfang Juli wieder, liegt aber weit unter der von Konkurrenten wie der Türkei, Italien und Spanien. Reisende müssen sich vorab online registrieren, bekommen einen QR-Code auf ihr Handy und werden bei der Einreise stichprobenartig auf Covid-19 getestet.

Beim Reiseveranstalter Tui ist Griechenland derzeit die beliebteste Destination. Der Veranstalter verlängert deshalb seine Programme bis Ende November.
Die staatliche Zivilschutzbehörde informiert im Internet über die Infektionslage in den 74 Regionen des Landes.

Für einige Tourismus-Hotspots wie Mykonos, Santorin und die Partyinsel Zakynthos gilt die Stufe Orange, was „erhöhte Wachsamkeit“ bedeutet. Zu den „grünen“ Gegenden mit der geringsten Covid-Belastung gehören Inseln wie Kefalonia, Ithaki und Lefkas, Andros, Tinos und Milos sowie die bei Deutschen beliebte Westküste der Halbinsel Peloponnes. Viele Hotels setzen auf Tests.

Italien

Auch nach Italien können Deutsche problemlos reisen. Das Land hat die Infektionen in der zweiten Welle gut unter Kontrolle – auch wenn die Fälle zuletzt mit rund 5000 Fällen pro Tag weiter anstiegen. Die Regierung hat die Restriktionen am Dienstag deshalb verschärft: Neben der Maskenpflicht im Freien darf man nach 21 Uhr nicht vor Restaurants und Bars stehen, sondern muss am Tisch sitzen. Besuchern von Museen oder großen Geschäften wird beim Eintritt die Körpertemperatur gemessen.

Ausreichend Betten in den Krankenhäusern, auch auf den Intensivstationen gibt es – zumindest nach Berechnungen in den Medien – noch für die nächsten zwei Monate.

Portugal

In Portugal gilt nur die Hauptstadtregion Lissabon als Risikogebiet. Ankömmlingen wird am Flughafen die Temperatur gemessen – wenn sie 38 Grad übersteigt, werden weitere Kontrollen fällig. Die Insel Madeira und die Azoren verlangen einen negativen Corona-Test, der maximal 72 Stunden alt ist. Alternativ können Urlauber sich bei der Einreise kostenlos testen lassen, müssen dann aber in Quarantäne, bis das Ergebnis vorliegt.

Das portugiesische Fremdenverkehrsamt hat das Gütesiegel „sauber und sicher“ für Hotels vergeben, die besonders hohe Hygienevorschriften erfüllen. In Cafés, Bars und Restaurants dürfen sich maximal vier Personen treffen, um 23 Uhr ist für alle Zapfenstreich – selbst für Diskotheken.

Türkei

Das Auswärtige Amt (AA) warnt zwar vor Reisen in die Türkei. Ausgenommen sind allerdings die Ferienprovinzen Izmir, Aydin, Mugla und Antalya. Das liegt vor allem an einem strengen Hygienekonzept. So darf man sich etwa in den großen All-inclusive-Hotels nicht mehr selbst am Buffet bedienen, an den Stränden gelten Abstandsregeln. Hotels, die diese Sicherheitsmaßnahmen einhalten, erhalten ein Zertifikat, mit dem sie werben können.

In den meisten großen Städten gilt Maskenpflicht. Die täglichen Neuinfektionen sind mit rund 1600 zwar geringer als in Deutschland, allerdings zählte die Regierung bis vor Kurzem nur Fälle mit Symptomen.

Beobachter rechnen damit, dass auch die vier Ferienprovinzen demnächst vor dem Rückflug einen negativen Corona-Test fordern, um ins Flugzeug steigen zu dürfen. Der Test kostet rund elf Euro. Wer positiv getestet wird, kommt in eine spezielle Hoteletage.

Nordeuropa

Nur für Schweden gelten keinerlei Einschränkungen. Die Gesundheitssysteme sind in allen nordischen Ländern gut ausgebaut und können im Notfall auch ausländische Patienten aufnehmen. In Dänemark gilt die Region Hovedstaden als Risikogebiet, zu der auch die Hauptstadt Kopenhagen gehört.

Österreich

Mit Wien, Tirol und Vorarlberg gelten zwar einige der wichtigsten Urlaubsregionen als Risikogebiet. Im Rest des Landes ist ein Urlaub aber ohne Einschränkungen möglich. In Kärnten und der Steiermark dürfte das auch so bleiben – die übrigen Bundesländer überschreiten jedoch den deutschen Grenzwert von 50 Fällen und könnten demnächst als Risikogebiete gelten.

Landesweit gilt Maskenpflicht in praktisch allen Innenräumen, auch in den Eingangsbereichen von Hotels und in Bergbahnen. Um nach dem Ischgl-Debakel wieder Vertrauen zu schaffen, haben die Behörden für die anstehende Wintersaison umfangreiche Präventionskonzepte präsentiert.

Dazu gehören Tests für Mitarbeiter von Hotels, die Desinfektion von Gondeln und ein weitgehendes Verbot von Après-Ski.

Niederlande

Der Großteil der Niederlande gilt als Risikogebiet, doch in die bei deutschen Urlaubern beliebte südholländische Provinz Zeeland mit dem Badeort Domburg kann man ohne Einschränkungen reisen. Allerdings wurde im Land ein teilweiser Lockdown beschlossen: Bars, Cafés und Restaurants müssen schließen. Am Abend darf weder Bier noch Wein verkauft werden.

Kleinstaaten

San Marino, Malta oder Liechtenstein gelten nicht als Risikogebiete. Dasselbe gilt für Monaco. Urlauber müssen sich bei den lokalen Behörden melden und können zu einem Corona-Test verpflichtet werden.

Osteuropa

In Ostmitteleuropa ist Polen das einzige Land, in das Deutsche frei einreisen können. Hotels und Restaurants sind geöffnet, Klubs und Diskotheken geschlossen. Touristen, die auf dem Landweg einreisen, müssen mit Fiebermessungen an der Grenze rechnen. Das Gesundheitssystem gilt als eher schlecht ausgerüstet, auch die Testkapazität ist beschränkt.

Beides gilt auch für die Slowakei, wo fünf von acht Regionen auf der Risikoliste stehen. Nur die Landkreise Kosice, Banska Bystrica und Trencin können uneingeschränkt bereist werden. In Bulgarien, das im Sommer Treffpunkt der jugendlichen Partyszene in Europa war, warnt das Auswärtige Amt nur vor Reisen in die Verwaltungsbezirke Blagoevgrad und in Targowischte.

Frankreich

Alle französischen Départements liegen über 50 Neuinfektionen, mit zwei Ausnahmen: Charente Maritime mit der bekannten Hafenstadt La Rochelle und Charente. Das AA zählt die Insel Korsika und die Region Grand Est nicht zu den Risikogebieten.

Deutsche können uneingeschränkt dorthin reisen. Auf der französischen Gefahrenskala aber liegen beide in der roten und damit zweithöchsten Risikostufe des Landes.

Spanien

Zwar gilt ganz Spanien als Risikogebiet. Doch die Kanaren, deren Hauptsaison im Herbst beginnt, könnten bald von der Liste gestrichen werden: Die Zahl der Neuinfektionen liegt seit einer Woche unter 50 Fällen. Reiseveranstalter Tui bietet seit dem 3. Oktober wieder Pauschalreisen auf die Kanaren an und schickt ab November ein Schiff der Tui Cruises dorthin. Wettbewerber Schauinsland steht in den Startlöchern und wartet nur noch auf die Neubewertung.

Parallel dazu haben Kanaren und Balearen mit der spanischen Regierung ein neues Sicherheitskonzept vereinbart, das als Basis für Reisekorridore dient, die Madrid mit Deutschland und Großbritannien vereinbaren will.

Das Konzept sieht Tests vor dem Hin- und Rückflug vor. Wird ein Urlauber vor dem Rückflug positiv getestet, übernehmen die Inselregierungen die Kosten für seine Quarantäne.

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