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Lidl, Edeka und Co. sichern Butter und Steaks mit Anti-Diebstahl-Etiketten — "Lebensmittel werden zu Luxusgütern", sagt Experte

Kostbares Gut: Butter in einem Supermarktregal. - Copyright: picture alliance / imageBROKER | Jochen Tack
Kostbares Gut: Butter in einem Supermarktregal. - Copyright: picture alliance / imageBROKER | Jochen Tack

Die Preise für Lebensmittel sind auch in Deutschland mittlerweile so stark angestiegen, dass immer mehr Händler ihre Waren neuerdings mit Anti-Diebstahl-Aufklebern sichern. Beispiel: Der Discounter Lidl klebt nun in manchen Filialen etwa einen Diebstahlschutz auf hochpreisige Steaks und Markenbutter. Fotos davon machten im Netz zuletzt die Runde, wie etwa dieser Post einer Twitter-Nutzerin.

Dabei ist natürlich der Einsatz von Diebstahlschutz nicht neu, bei bislang eher günstigeren Lebensmitteln war dies bisher jedoch sehr unüblich. Doch da die Preise derzeit immer teurer werden, nimmt offenbar auch die Anzahl der Diebstähle und damit die Sorge der Händler zu.

In Großbritannien machte bereits im Frühsommer die Supermarktkette Tesco Schlagzeilen, als der Händler ebenfalls Butter mit Anti-Diebstahl-Aufklebern sichterte, nachdem der Preis für das Produkt auf umgerechnet sechs Euro gestiegen war. "Focus Online" berichtet, dass auch Edeka, Netto und Aldi ebenfalls vereinzelt Produkte auf diese Weise sichern.

"Lebensmittel werden zu Luxusgütern"

"Lebensmittel werden gerade zu Luxusgütern", sagt Gerrit Heinemann, Leiter des Eweb-Research Centers an der Hochschule Niederrhein zu Business Insider. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich laut Statistischem Bundesamt innerhalb eines Jahres im Juli um 14,8 Prozent. Insbesondere die Preise für Fleisch haben sich teilweise verdoppelt. Gerade bei den Discountern ziehen die Preise an, da diese vorher sehr niedrig waren und daher eher Nachholbedarf haben, erklärt Heinemann.

Die gestiegenen Preise führen in allen Bereichen dazu, dass die Verbraucher den Gürtel enger schnellen und weniger oder günstiger einkaufen. Die derzeitige Lage im Lebensmitteleinzelhandel sei einzigartig und der Umsatzrückgang dramatisch, so Heinemann.

Umso weniger können die Unternehmen es sich leisten, bei den ohnehin schon sinkenden Umsätzen auch noch Verluste in Kauf zu nehmen. "Trotz Warensicherung und Personalschulungen wird im Handel nach wie vor alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist", schreiben etwa die Autoren der Studie „Inventurdifferenzen im deutschen Handel 2022“ des EHI Retail Institutes. Nach Schätzungen der Experten gingen deutschen Händlern in 2021 etwa 2,1 Milliarden Euro durch klauende Kunden verloren sowie 810 Millionen Euro durch Diebstahl durch Mitarbeitende.

Besonders häufig wurden laut EHI noch 2021 im Lebensmittelhandel etwa teurere Produkte wie alkoholische Getränke, Babynahrung, Kosmetik und Elektrozahnbürsten geklaut. Viele dieser Waren, wie etwa der Alkohol, werden in vielen Supermärkten bereits in Glaskästen oder mit Plastikkassetten gesichert. Mit Butter und Steak kommen nun neuerdings erstmals frische Lebensmittel hinzu.

Unsichtbare RFID-Etiketten

Wie genau die Diebstahlsicherung über die Etiketten auf der Butter oder dem Steak in den Einzelfällen funktioniert, erklären die Händler nicht. Optisch sehen diese jedoch stark nach sogenannten RFID-Tags aus, sagt Heinemann. Die RFID-Tags sind in der Regel kleine Sticker mit einer Art Verfolgungssystem, das zur Identifizierung von Artikeln mithilfe eines smarten Barcodes verwendet wird. Teilweise können diese auch unsichtbar sein.

Das Thema Diebstahlsicherung ist im Handel kein neues. Lange hieß es, dass Sicherungstechnologien wie etwa RFID-Chips, die vermutlich auf der Butter von Lidl angebracht wurden, viel zu teuer für den Einsatz im Lebensmittelhandel seien. In den vergangenen Jahren habe sich der Markt jedoch stark verändert, so Heinemann. Mittlerweile gebe es sogar unsichtbare Pasten, mit denen man Lebensmittel sichern könne, die nur wenige Cent koste. So können sich nun offenbar auch die sparsamen Discounter solche Maßnahmen leisten. Auffällige Magnet-Sicherungen, wie man sie etwa in Bekleidungsgeschäften an der Ware angebracht sieht, seien mittlerweile eher veraltet, so Heinemann.

"Könnte neuer Standard beim Einkaufen werden"

Heinemann sieht den Einsatz dieser Sicherungssysteme sogar bald überall. "Da die Preise immer weiter steigen, sehe ich diese Anti-Diebstahl-Sticker potenziell bald auf allen Warengruppen im Handel", sagt Heinemann. "Das könnte tatsächlich der neue Standard beim Lebensmitteleinkauf werden."

Eine Produktmarkierung zur Diebstahlsicherung verhindere zum einen hohe Verluste in der Inventur, zum anderen ließen sich Waren so viel besser nachverfolgen und dadurch langfristig kostengünstiger planen, so Heinemann. Der Einsatz von beispielsweise RFDI-Chips bei jedem Produkt könne etwa dafür sorgen, dass Filialen viel besser automatisiert werden könnten.

Heinemann sieht deshalb hinter der Einführung dieser Butter-Sticker jedoch noch eine andere Intention der Lebensmittelhändler: "Ich glaube, dass der Einsatz dieser Diebstahlsicherung von Lidl, Aldi und Co. außerdem eine strategische Vorbereitung auf Self-Checkout-Läden ist." Denn Kassenpersonal sei der "letzte große Kostenfaktor" im Lebensmittelhandel, so Heinemann. Amazon Go macht dies bereits vor, ohne Sensorik und Markierung jedes einzelnen Produktes geht hier nichts. Der deutsche Discounter Aldi testet bereits solche Checkout-Filialen in den Niederlanden sowie in Großbritannien.