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Lemke: Schweinswale und Seevögel in keinem gutem Zustand

Brüssel (dpa) - Zum Schutz bedrohter Arten und Lebensräume hat die EU-Kommission neue Fischereiverbote und -Einschränkungen in der Nordsee verhängt. Wie aus einer veröffentlichten Verordnung hervorgeht, sind die Meeresschutzgebiete Sylter Außenriff, Borkum-Riffgrund, Doggerbank und Östliche Deutsche Bucht betroffen. Nach Angaben des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums werden etwa Schweinswale, Seevögel, Riffe und Sandbänke besser geschützt.

Die neuen Maßnahmen wurden auf Vorschlag der Bundesregierung erlassen. Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) betonte, dass die Nordsee in keinem guten Zustand sei. Mit den neuen Einschränkungen könne man «zum Erhalt der sensiblen Arten und Lebensräume im Meer beitragen». Fischereiminister Cem Özdemir (Grüne) sprach von einem «guten Kompromiss zwischen einem besseren Meeresnaturschutz und den Anliegen der Branche».

Bestimmte Fangtechniken in der Berufsfischerei sind auf Teilflächen der betroffenen Gebiete nun verboten oder zeitlich beschränkt. Der Mitteilung zufolge gibt es etwa Regeln für die Verwendung von Kiemen- und Verwickelnetzen sowie für mobile, grundberührende Fanggeräte. Auf der Amrumbank, einer Sandbank im Meeresschutzgebiet Sylter Außenriff, werde die Fischerei etwa komplett verboten.

BUND: «Fangmethoden zerstören ganze Lebensräume»

Dieses Gebiet gehöre zu «den wichtigsten Reproduktions- und Aufzuchtgebieten für Schweinswale und dient vielen Seevogelarten als Nahrungs-, Überwinterungs-, Mauser-, Durchzugs- und Rastgebiet». Zugleich nahm die EU-Kommission auch Maßnahmen in niederländischen Meeresschutzgebieten an.

Der BUND begrüßte die neuen Vorgaben. Diese schränkten «die Fischerei am Meeresboden in großen Gebieten ein», hieß es. «Die grundberührenden Fangmethoden zerstören durch den direkten Kontakt mit dem Meeresgrund ganze Lebensräume und stehen damit seit langem in der Kritik.» Zugleich forderte die Umweltorganisation unter anderem, dass die Grundschleppnetzfischerei in allen Meeresschutzgebieten ganz verboten werden müsse. «Heute wurde der erste Schritt für eine Meereswende gegangen», sagte Meeresschutzexpertin Nadja Ziebarth.