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In der Krise zeigt die Maerz-Chefin ihr Kämpferherz

·Lesedauer: 4 Min.

Die Managerin hat den Strickwarenhersteller erfolgreich verjüngt. Dass im Jubiläumsjahr die Corona-Pandemie die Bilanz verhagelt, entmutigt sie nicht.

Katja Beibl liebt Wolle. Im Rollkragenpullover Ton in Ton mit einem weißem Merino-Lamm auf dem Arm lässt sich die Maerz-Chefin für die Jubiläumsschrift ablichten. Die 50-Jährige hätte sich allerdings ein kuschligeres Jahr für den hundertsten Geburtstag des Münchener Strickwarenherstellers vorstellen können.

Schließlich ist es ihrer behutsamen Wachstumsstrategie der vergangenen acht Jahre zu verdanken, dass das 1920 in Giesing von Wolfgang März gegründete Familienunternehmen mit seiner wechselvollen Geschichte sich inzwischen wieder stabil entwickelt

2010 kaufte Mark Bezner, Chef des schwäbischen Hemdenherstellers Olymp, das für hochwertige Strickwaren bekannte Unternehmen praktisch zum Nulltarif aus der Insolvenz. Als es nach zwei Jahren nicht nach seinen Vorstellungen lief, engagierte er Beibl.

Die Managerin brachte Erfahrung von Modekonzernen wie Esprit, Marc O’Polo und Ralph Lauren mit und verjüngte die Marke. Kein einfaches Unterfangen, denn auch das Stammpublikum durfte nicht verschreckt werden. Denn eine der unfreiwilligen Markenikonen war der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher, dessen gelber Maerz-Pollunder noch heute von Kunden nachgefragt wird.

„Bei uns heißt der Farbton noch heute Genscher-Gelb“, sagt Beibl. Sie hat sogar die Genehmigung von Genschers Witwe, die Farbe so zu nennen. Die Chefin geht locker mit dem Thema um, das nicht gerade für die Eroberung jüngerer Käuferschichten geeignet ist. Aber Genscher ist inzwischen Kult.

Ebenso Kult ist zum Jubiläumsjahr die Wiederauflage des Originalpullovers der Nanga-Parbat-Expedition von 1953. Damals erklomm der österreichische Bergsteiger Hermann Buhl als Erster den Achtausender Nanga Parbat im Himalaya ohne Sauerstoffgerät, aber mit einem dicken Pullover aus der Münchener Strickerei.

Bisher keine Kündigungen

Unter Beibls Führung ging es zwar nicht mit Riesenschritten, aber nahezu stetig aufwärts. Vorläufiger Höhepunkt waren knapp 31 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr bei einer Jahresproduktion von 740.000 Teilen.

Dann kam im März 2020 die Corona-Pandemie. Beibl schaltete sofort in den Krisenmodus mit Kurzarbeit für die 110 Beschäftigten in München. Gestrickt wird in Ungarn mit 311 Beschäftigten . „Es war schon ein großer Vorteil, nicht in Asien zu fertigen. Wir konnten immer liefern, aber die Schließungen der Geschäfte sind auch für uns nicht aufzuholen“, betont Beibl.

Auch das deutlich wachsende Onlinegeschäft konnte das nicht kompensieren. Sie rechnet in diesem Jahr mit 25 Prozent weniger Umsatz. Allerdings kann der „Lockdown light“ auch noch das Weihnachtsgeschäft empfindlich treffen. Vorsorglich wurde das Onlinegeschäft massiv ausgebaut.

Bislang kam Maerz praktisch ohne Kündigungen aus. Beibl will ihre Mannschaft mit ihren vielen Spezialisten unbedingt halten. Sie hat sich entschieden, auch im nächsten Jahr 20 Prozent Kurzarbeit für alle Mitarbeiter beizubehalten „Wir brauchen in dieser Zeit Solidarität und Teamgeist, deshalb machen wir auch bei der Kurzarbeit keine Unterschiede“, betont die Chefin. Die Liquidität wurde mit einem KfW-Kredit abgesichert.

Exportmärkte sind vor allem in Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Russland, Tschechien, Ukraine und Kanada. Die Exportquote liegt bei zwölf Prozent mit wachsender Tendenz. 800 Händler führen Maerz-Produkte, 107 „Knit Shops“ wurden im Modegroßhandel eingerichtet und eigene Stores in Krefeld und Regensburg eröffnet.

Die Marke wird weiblicher

„Natürlich hat auch uns die Coronakrise wirtschaftlich und strukturell zugesetzt, aber wir haben noch viele gute Ideen“, sagt Beibl. Naheliegend bei Wolle ist es, das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu rücken. Domäne der Münchener war jahrzehntelang der Herrenpullover. Unter Beibls Führung ist Maerz weiblicher geworden. Der Anteil der Damenmode hat inzwischen 40 Prozent erreicht.

Eigentümer Mark Bezner hat einmal gesagt, Maerz müsse für 30 Millionen Euro Umsatz gut sein. Das hat Beibl geliefert. Aber Bezner wäre ein schlechter Schwabe, wenn er nicht hinterherschieben würde „Das Marktpotenzial von Maerz ist auch nach 100 Jahren noch längst nicht ausgeschöpft.“

Die passionierte Mountainbike-Fahrerin Beibl hat in der Vergangenheit gezeigt, wie man Serpentine für Serpentine immer weiter nach oben kommt. Corona ist der nächste Konditionstest. Einen bunten Pullover hat sie zum Jubiläum mit der Aufschrift „März 20“ stricken lassen.

Weil Corona im vergangenen März voll ausbrach, bekam der Jubiläumspullover unfreiwillig eine weitere Bedeutung. „Aber er wurde trotzdem ausgeliefert“, sagt die Chefin und fügt mutig hinzu: „Corona schaffen wir auch noch.“