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Krankes System? US-Kellnerin bekommt nach 70 Arbeitsstunden nur 9 Dollar Gehalt

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Eine US-Kellnerin hat die Öffentlichkeit auf das fragwürdige Entlohnungssystem in der Gastronomie aufmerksam gemacht. Sie bekam nach 70 Arbeitsstunden ein Nettogehalt von nur neun Dollar ausgezahlt. Über die Runden kommt sie nur dank der Trinkgelder ihrer Kunden.

Symbolbild: Getty Images

Aaliyah Cortez arbeitet als Barkeeperin und Kellnerin in einer Bar im US-Bundesstaat Texas. Wie viel sie dort verdient, hat die junge Frau in einem Post auf dem sozialen Netzwerk TikTok bekanntgemacht. Laut der Gehaltsabrechnung, die sie in Form eines Videos veröffentlicht hat, arbeitet sie für ein Stundengehalt von 2,13 US-Dollar. 70,8 Arbeitsstunden entsprechen demnach einem Bruttogehalt von 150,8 Dollar. Nach Abzug von Versicherungs- und Steuerleistungen bekam sie nur 9,28 Euro ausgezahlt.

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Dass Aaliyah es dennoch schafft, über die Runden zu kommen, verdankt sie dem Trinkgeld der Kunden. Internetnutzer haben herausgefunden, dass sie auf diese Weise 708 Dollar mehr im Monat verdient haben soll. Für die Mutter eines Kindes, um das sie sich mit ihrem Ex in einem Sorgerechtsstreit befindet, ist das ein schwacher Trost. Das wird auch im Video deutlich. Natürlich habe sie auch Trinkgeld bekommen, räumt sie ein. Tatsache sei aber, dass sie offiziell nur 9,28 Dollar verdient habe, so die Frau sinngemäß.

Krankt das System?

Dass das ungerecht ist, darüber sind sich viele Internet-Nutzer einig. "Es ist erstaunlich, dass sich so wenige Menschen über ein System aufregen, das die Ausbeutung von Arbeitern erlaubt", schreibt eine Frau in einem Kommentar auf Facebook. "Niemand sollte 2 Dollar die Stunde verdienen, um zu überleben." Eine andere Userin spricht aus eigener Erfahrung, resigniert stellt sie auf derselben Plattform fest: "Ich habe 2000 als Kellnerin gearbeitet und verdiente 2,10 Dollar die Stunde. Es ist lächerlich, dass das Gehalt in 20 Jahren gleich geblieben ist."

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Laut Meinung vieler Internet-Nutzer ist das Trinkgeldsystem ein Hauptübel in der Gastronomie. Der allgemeine Tenor: Es sei für die Wirte Vorwand, ihre Mitarbeiter mit einem verschwindend geringen Gehalt zu entlohnen. "Das Trinkgeld sollte verboten/abgeschafft werden", empört sich ein Twitter-User. "Restaurants sollten ihren Mitarbeitern ein gutes Gehalt zahlen. Trinkgeld geben ist eine schreckliche Praxis, die aufhören soll."

Solange das System jedoch ist, wie es ist, so lange werden Kellnerinnen und Kellner wie Aaliyah vom Trinkgeld ihrer Kunden leben. "Deshalb ist es so wichtig, den Barkeepern und Kellnern Trinkgeld zu geben", betont Aaliyah. In einem Interview mit dem Magazin Bored Panda wird sie konkreter: Trinkgelder seien wichtig, sagt sie nachdrücklich, weil Servicemitarbeiter "buchstäblich darauf angewiesen" seien.

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