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Steag streicht wegen Kohleausstieg fast ein Drittel aller Stellen

·Lesedauer: 3 Min.

Der Stromproduzent muss im großen Stil Kraftwerke vom Netz nehmen, baut 1000 Stellen ab und beschleunigt die Neuausrichtung auf die Energiewende.

Der Stromkonzern will sich im Zuge des Kohleausstiegs neu aufstellen – auch mit Personalabbau. Foto: dpa
Der Stromkonzern will sich im Zuge des Kohleausstiegs neu aufstellen – auch mit Personalabbau. Foto: dpa

Der im Sommer beschlossene Kohleausstieg schlägt bei den Stromproduzenten durch. Einer der größten Betreiber von Steinkohleanlagen, Steag aus Essen, kündigte am Donnerstag an, rund 1000 seiner Stellen abzubauen – und damit fast ein Drittel der aktuellen Belegschaft in Deutschland.

Steag muss nach eigenen Angaben die meisten seiner Steinkohlekraftwerke in Deutschland „schrittweise vom Netz nehmen und stilllegen“ – und zwar schon in den kommenden Jahren. Lediglich die Anlage Walsum 10, die erst 2013 in Betrieb genommen wurde, wird noch etwas länger Strom produzieren.

An den betroffenen Kraftwerksstandorten im Ruhrgebiet und im Saarland werden deshalb viele Stellen wegfallen, es trifft aber auch die Verwaltung und die „übrigen operativen Geschäfte in Deutschland“. Steag betreibt in Deutschland acht Blöcke in Steinkohlekraftwerken mit insgesamt 4000 Megawatt an Nettoleistung. 800 Megawatt davon entfallen auf Walsum 10.

Steag ist damit einer der größten deutschen Stromproduzenten und deshalb besonders stark vom Kohleausstieg betroffen. Bundestag und Bundesrat hatten im Sommer das Ende von Förderung und Verstromung von Kohle beschlossen. Bis spätestens 2038 soll in Deutschland die Nutzung des klimaschädlichen Energieträgers beendet werden.

Während für die Braunkohle ein detaillierter Fahrplan mit gut kalkulierbaren Entschädigungen vereinbart wurde, sollen die Steinkohlekraftwerke durch Auktionen aus dem Markt gedrängt werden. Wer die geringste Entschädigung fordert, erhält den Zuschlag. Die erste Auktion hat begonnen und danach soll es zügig weiter gehen.

Steag fühlte sich – wie andere Betreiber von Steinkohlekraftwerken – im Gesetzgebungsprozess gegenüber Braunkohleunternehmen benachteiligt. Steag reichte sogar einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht ein, um die erste Auktion zu verhindern und bessere Konditionen herauszuschlagen – das wies den Antrag aber zurück.

Steag investiert in erneuerbare Energien

„Wir streben einen möglichst fairen und sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau an“, erklärte Arbeitsdirektor Andreas Reichel zwar. Er fügte aber hinzu, dass „aufgrund der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens begrenztere finanzielle Mittel zur Verfügung als in der Vergangenheit“.

Das vor 80 Jahren gegründete Unternehmen befindet sich seit einiger Zeit im Umbau. Weil das traditionelle Geschäft, die Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken, immer mehr unter Druck geraten war, richtete Steag sich schrittweise selbst auf die Energiewende aus. Der Umbau soll jetzt forciert werden.

Am Mittwoch präsentierte der Vorstand dem Aufsichtsrat die entsprechende Strategie. Im Zentrum der neuen Geschäftsfelder stünden „smarte, ganzheitliche Energielösungen und das Geschäft mit erneuerbaren Energien“. Die Dekarbonisierung der Industrie rücke ebenso ins Zentrum der Geschäftsaktivitäten wie die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, erklärte das Unternehmen. Die neue Struktur solle zum Beginn des Geschäftsjahres 2022 umgesetzt sein.

„Wir sind davon überzeugt, dass uns die neue Aufstellung erfolgreicher und zugleich attraktiver für neue Kapitalgeber machen wird, auch wenn in diesem und im nächsten Jahr noch große Herausforderungen und Anstrengungen vor uns liegen“, sagt Geschäftsführer Joachim Rumstadt.

Steag gehört aktuell zu 86 Prozent Kommunalversorgern aus Dortmund, Oberhausen, Essen, Duisburg, Dinslaken und Bochum. 2019 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und beschäftigte 5400 Mitarbeiter - 3500 davon in Deutschland.