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Konjunktur: Chinas Schwäche betrifft die gesamte Weltwirtschaft – hier sind die Verlierer und Gewinner

Die Null-Covid-Strategie bremst die chinesische Wirtschaft massiv. - Copyright: HECTOR RETAMAL/AFP via Getty Images.
Die Null-Covid-Strategie bremst die chinesische Wirtschaft massiv. - Copyright: HECTOR RETAMAL/AFP via Getty Images.

China war über viele Jahre einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft. Nun stottert dieser Motor. Das Wirtschaftswachstum Chinas verlangsamt sich. Das Land leidet unter den Folgen der strikten Null-Covid-Politik mit harten Lockdowns sowie einer Krise am Immobilienmarkt. Die Folgen dieser Schwäche sind weltweit zu spüren. Die Bank of America hat Auswirkungen auf die USA, Europa und Lateinamerika in einer Mitteilung an ihre Kunden bewertet.

"Zu den kurzfristigen Faktoren, die Chinas Wirtschaft belasten, gehören Chinas Null-Covid-Strategie, tiefgreifende Probleme auf dem Immobilienmarkt und ein schwacher Arbeitsmarkt insbesondere für junge Arbeitnehmer", schreiben die Analysten. "Auf mittlere Sicht seien die ungünstige demografische Entwicklung und eine niedrige Investitionsrendite nach Jahren der raschen Infrastrukturentwicklung strukturelle Herausforderungen für das Wachstum dar."

USA

Die wirtschaftliche Schwäche Chinas sei für die USA sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht. Positiv sehen die Bank-Experten, dass die chinesische Währung Yuan im vergangenen Jahr gegenüber dem US-Dollar um etwa acht Prozent an Wert verloren hat. Dies liege nicht nur daran, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen aggressiv anhebt, sondern auch an der Erwartung, dass sich die US-Wirtschaft besser entwickelt werde als andere Länder der Welt – wie China.

Der starke Dollar trage dazu bei, die Inflation in den USA zu dämpfen. Untersuchungen zeigen, dass eine zehnprozentige Aufwertung des Dollar die Inflation bei den persönlichen Konsumausgaben um etwa 0,4 Prozentpunkte senkt, so Bank of America (BofA).

Die Einschränkungen in China aufgrund der COVID-19-Politik könnten die USA jedoch durch Unterbrechungen der Lieferketten belasten. Die Exporte aus China in die USA sind auf den niedrigsten Stand seit Juni 2021 zurückgegangen. Laut Bank of America deutet das auf neue Versorgungsprobleme hin, was wiederum den Druck auf die Preise in den USA erhöhen könnte.

Politisch und wirtschaftlich könnte eine schwächere chinesische Wirtschaft den USA helfen, sich von ihrem geopolitischen Rivalen China zu distanzieren.

"In den USA gibt es parteiübergreifend den Druck, sich von China abzukoppeln", so die Bank of America. "Während in einigen Sektoren bereits konkrete Schritte unternommen wurden, zeigen die aggregierten Handelsdaten bisher keine eindeutigen Anzeichen für eine Abkopplung."

Europa

Für Europa sieht die US-Großbank keine gravierenden Folgen. China beeinflusse Europa hauptsächlich durch die Nachfrage nach Waren sowie über Rohstoffpreise. Sollte China die Lieferbeschränkungen lockern, könnte dies Versorgungsengpässe in Europa lockern und den Preisdruck auf Nicht-Energie-Güter verringern, urteilt die Bank of America.

China werde jedoch "deutlich weniger zur Risikobilanz beitragen, als es normalerweise der Fall wäre", so die Analysten, da Europa aktuell vor allem unter der sich verschärfenden Energiekrise leide und sich aus diesen Gründen eine Rezession abzeichne, also nicht wegen Chinas Schwäche.

"Vor dem aktuellen Hintergrund sind die geringen Auswirkungen der chinesischen Konjunkturabschwächung auf die Wirtschaftsleistung Mittel- und Osteuropas wahrscheinlich begrenzt", schreibt die Bank. Europa sei eher mit den Risiken von Produktionskürzungen aufgrund der Rationierung von im Winter konfrontiert.

Lateinamerika

Die Region ist in einem Maße von China abhängig, das oft unterschätzt wird. Chile liefert 40 Prozent seiner Gesamtexporte nach China, während es Brasilien und Peru etwa 30 Prozent sind.

In der Mitteilung erklärten die Analysten, dass auch die Folgen der Schwäche Chinas für die brasilianische Wirtschaft gemischt seien.

"Auf der positiven Seite tragen die niedrigeren Rohstoffpreise dazu bei, dass sich die Inflation in diesem Jahr von einem Höchststand von etwa zwölf Prozent auf 6,5 Prozent zum Jahresende abschwächt", so die BofA. "Auf der negativen Seite wirkt sich das geringere Wachstum in China negativ auf die brasilianischen Exporte und das Wachstum aus – man bedenke, dass China fast ein Drittel der brasilianischen Gesamtexporte ausmacht, was etwa fünf Prozent des brasilianischen BIP entspricht."

Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 sind die brasilianischen Exporte nach China stark zurückgegangen. Das Land werde seine Exportmärkte diversifizieren müssen, da Chinas Nachfrage nach Gütern wie Sojabohnen, Eisenerz, Öl und Rindfleisch sinke.

In ähnlicher Weise muss Chile die deutlich schwächere Nachfrage Chinas nach Metallen wie Kupfer verkraften, deren Exporte allein 18 Prozent des gesamten chilenischen BIP ausmachen

"China ist Chiles wichtigster Handelspartner und erhält etwa 40 Prozent der chilenischen Warenexporte", so die BofA. "Die Nettoexporte nach China machen fast 2,5 Prozent des BIP aus, der größte Anteil in der Region."

Zu den Gewinnern zählt die Bank of America Mexiko, da es auf Kosten des Rückzugs Chinas Marktanteile bei den Importen des verarbeitenden Gewerbes in die USA gewinnt.

Der Artikel erschien zuerst in den USA. Das Original lest ihr hier.