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Kanada legalisiert Cannabisverkauf – so viel würde eine Legalisierung der deutschen Wirtschaft bringen

Im kanadischen Ontario wächst Cannabis unter kontrollierten Bedingungen. (Bild: Getty Images)

Kanadas Premierminister Justin Trudeau setzt ab Mitte Oktober eines seiner Wahlkampfversprechen um und legalisiert den Verkauf und den geregelten Anbau von Cannabis. Wie sehr auch Deutschland finanziell von einer Cannabis-Legalisierung profitieren würde, wird aktuell im Auftrag des Deutschen Hanfverbandes (DHV) ermittelt.

In ein paar Wochen wird es in Kanada legal Cannabis zu kaufen geben. Dann dürfen alle Volljährigen geringe Mengen besitzen und der Anbau von bis zu vier Cannabispflanzen ist ebenfalls erlaubt. Auch in Deutschland gibt es ein reges Interesse an dem Thema. In der bislang erfolgreichsten Petition zur Legalisierung von Cannabis sprachen sich im vergangenen Jahr knapp 80.000 Bundesbürger dafür aus.

Inwiefern der deutsche Staat finanziell von der Legalisierung profitieren würde, prüft derzeit Justus Haucap, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Düsseldorf, im Auftrag des DHV. Im Zuge der ersten groß angelegten deutschen Cannabisstudie errechnet der Ökonom aktuell, wie viel Geld es dem Fiskus in die Kassen spülen würde, wenn man die Abgabe von Cannabis erlauben würde. Hierbei untersucht er vor allem drei Hauptaspekte: Steuereinnahmen, wegfallende Repressionskosten und ein neuer Wirtschaftszweig, der den Schwarzmarkt ersetzt.

Besteuerung

Laut den Berechnungen von Haucap werden in Deutschland jährlich etwa 250 Tonnen Cannabis konsumiert. Genaue Zahlen gibt es aufgrund der Illegalität aber nicht. Die hypothetische Berechnung einer Cannabissteuer würde der Staatskasse demnach etwa eine Milliarde Euro bescheren, ausgehend von einer Besteuerung von vier Euro pro Gramm – bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von zehn Euro je Gramm. Das sei in etwa der derzeitige Preis auf dem Schwarzmarkt. Hinzu kämen Einnahmen aus der Mehrwertsteuer. Hier ergäbe sich eine Besteuerung von etwa 60 Prozent.

Repressionskosten fallen weg

Im Jahr 2017 wurden laut dem Bundeskriminalamt (BKA) gut 198.000 Cannabis-Straftaten bei der Polizei registriert – das sind 60 Prozent aller Rauschgiftdelikte insgesamt. Die Strafverfolgung ebenjener Bagatelldelikte, die abseits von Handel und Schmuggel geschehen, bindet ungeheure Kapazitäten. Das Geld, das diesbezüglich derzeit in die Polizei und die Justiz fließt, könnte nach einer Legalisierung anderweitig eingesetzt werden.

Ein legaler Markt

Langfristig geht Haucap in seiner noch laufenden Studie davon aus, dass ein legaler Handel mit Cannabis eine lukrative Handelskette ergeben würde, die Lohn-, Einkommens- und Gewerbesteuer generiert. Außerdem würden sich daraus auch Lizenz- und Sozialversicherungsabgaben ergeben. Darüber hinaus könne man, laut Haucaps bisherigen Berechnungen, von einem Sinken der Arbeitslosenquote ausgehen, da viele neue Arbeitsplätze entstehen würden, nach Haucap im fünfstelligen Bereich.

In dem kleinen Cannabis-Shop im US-Bundesstaat Oregon werden Kunden individuell beim Kauf beraten. (Bild: Getty Images)

Nun setzen Cannabis-Befürworter darauf, dass mit der Legalisierung in Kanada auch in Deutschland ein Umdenken geschieht. Denn auch Repressionen und Verbote würden den Konsum an sich nicht eindämmen. Laut Haucaps Zahlen konsumieren schätzungsweise rund vier Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Cannabis. Ein regulierter Markt, so die Befürworter, könnte mit Qualitätskontrollen und Jugendschutzmaßnahmen dafür sorgen, dass vor allem nur Volljährige Zugang zu Cannabis erhalten.

Die Bedingungen für die Konsumenten würden sich also im besten Fall positiv entwickeln. Das zeigt auch eine Untersuchung des US-Gesundheits- und Umweltministeriums: Seit der Cannabis-Freigabe im Jahr 2012 in Colorado sei dort sogar eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Der Cannabis-Konsum von Jugendlichen sei durch die Legalisierung tatsächlich gesunken.

Wirtschaftswissenschaftler Haucap geht in seiner Untersuchung davon aus, dass sich Deutschland der wirtschaftlichen Argumente langfristig nicht erwehren kann und sich der legale Cannabisverkauf früher oder später auch hierzulande durchsetzen wird.