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Nach dem Käfer-Klon: Mit diesem E-Flitzer will der chinesische Autobauer Ora den VW ID.3 angreifen — doch auch dieses Modell erinnert an andere Fabrikate

·Lesedauer: 4 Min.
Bei der GT-Ausstattung des Cat hat Ora den Fake-Chrom außen großteils durch Carbon-Imitat ersetzt.
Bei der GT-Ausstattung des Cat hat Ora den Fake-Chrom außen großteils durch Carbon-Imitat ersetzt.

Der Autobauer Ora, Teil des chinesischen Branchenriesen Great Wall Motors (GWM), ging im vergangenen April durch die deutschen Medien. Und das, obwohl die Marke damals noch gar nicht in Europa aktiv gewesen war. Die Chinesen hatten mit dem Ora Punk Cat auf der Messe Auto Shanghai nämlich ordentlich für Furore gesorgt. Bei dem E-Auto handelte es sich sozusagen eine großzügige Neuinterpretation des legendären VW-Käfers, allerdings mit vier Türen. Nur hatte Great Wall Motors Volkswagen vorher nicht um Erlaubnis gefragt. Die Wolfsburger waren über den "Käfer-Klon" alles andere als erfreut und behielten sich sogar rechtliche Schritte vor. Auch Business Insider berichtete.

Auf der IAA Mobility in München gibt Great Wall Motors nun mit den beiden Marken GWM Ora und Wey seinen Europa-Einstand. Den Ora Punk Cat, der so stark an den Ur-Käfer von VW erinnert, haben die Chinesen aber diesmal zu Hause gelassen – vielleicht aus Vorsicht? Schließlich ist die IAA immer noch die Stammmesse Volkswagens, die wie gewohnt in einer benachbarten Halle ihre Marktmacht demonstrieren. Stattdessen feiert in München das Schwestermodell Ora Cat seine Europa-Premiere. In China ist das Auto unter dem Namen "Good Cat" bekannt. Hierzulande soll es ab Ende des Jahres bestellbar sein. Im ersten Halbjahr 2022 soll das Modell erstmals an europäische Kunden ausgeliefert werden.

Retro-Elemente als Markenzeichen

Doch auch beim Ora Cat setzt GWM auf einen gewissen Retro-Touch, der an europäische Modelle erinnert. Vor allem die Front mit den kugelrunden Scheinwerfern erinnert an so manchen Klassiker der Fünfziger- und Sechzigerjahre: Sowohl mit dem VW Käfer, dem Ur-Mini als auch dem Fiat 500 assoziiere ich das Aussehen des Ora Cat. Da die erst 2018 gegründete Marke keine eigene Historie vorweisen kann, scheint sie sich die Inspiration für ihre optische Identität in der alten Welt zu holen. Das rundliche Heck weist zwar einige Parallelen zur ersten Generation des Nissan Leaf auf, insgesamt handelt es sich bei dem Auto aber um einen eigenständigen Entwurf.

Ora selbst spricht bei der Linienführung von "Retrofuturismus". Wirklich zukunftsweisend wirkt das Ganze jedoch nicht – also eher Retro als Futurismus. Denn das Modell hätte so ähnlich auch vor zehn Jahren sein Debüt geben können. Die Chinesen haben mit dem circa 4,24 Meter langen Cat vor allem eine urbane Zielgruppe und Kunden des VW ID.4 im Visier.

Bei der GT-Version soll ein angedeuteter Diffusor für einen sportlichen Touch sorgen.
Bei der GT-Version soll ein angedeuteter Diffusor für einen sportlichen Touch sorgen.

Modernes Infotainment und günstige Materialien

Das Cockpit wirkt tatsächlich ziemlich modern. Vor dem Fahrer baut sich ein 20,5 Zoll großer Screen auf, der die digitalen Anzeigen und den Touchscreen für das Infotainmentsystem in sich vereint. Letzteres spricht dank seiner leistungsfähigen Prozessoren schnell an und lässt sich flüssig, sowie recht intuitiv bedienen. Die Chinesen setzen im Innenraum aber nicht nur auf Touch-Bedienung. Auf dem Lenkrad und unter dem Display befinden sich klassische Tasten und Kippschalter, mit denen beispielsweise die Lautstärke eingestellt oder die Klimaanlage bedient werden können.

Beim ersten Check auf der Messe wirkte die Verarbeitung ordentlich. Die Qualität der verwendeten Materialien bestätigt dagegen die gängigen Vorurteile, die gegenüber chinesischen Autos immer noch vorherrschen. Vor allem an den Türverkleidungen fällt der exzessive Einsatz kratzempfindlichen und billig wirkenden Hartplastiks auf. Die einfachen Kunststoffe sind auch an der Mittelkonsole und im unteren Bereich des Armaturenbretts zu finden. Der obere Bereich des Armaturenträgers sowie das Lenkrad und die Sitze sind mit Kunstleder überzogen, das sich ebenfalls wenig hochwertig anfühlt.

Die im Interieur verwendeten Kunstoffe fühlen sich vergleichsweise billig an.
Die im Interieur verwendeten Kunstoffe fühlen sich vergleichsweise billig an.

Die Basisversion soll bei rund 30.000 Euro starten

Bei einem Sparauto dürfte die schlichte Materialqualität jedoch kaum stören. Der Ora Cat soll laut dem Hersteller aber bei circa 30.000 Euro starten. Damit ist er zwar günstiger als die meisten Konkurrenten, diese sind aber meist mit ansprechenderen Materialien ausgekleidet. Es bleibt abzuwarten, wie umfangreich die Basisausstattung sein wird. Möglicherweise kann der Ora hier punkten.

Das Platzangebot im Passagierraum hat mich bei meinem ersten Check durchaus überzeugt. Sowohl vorne, als auch hinten gab es genug Beinfreiheit und ein angenehmes Raumgefühl. Größere Menschen dürften hinten jedoch mit dem Kopf an das Dach stoßen. Der Kofferraum ist eher schlecht zugänglich, da erst einmal eine hohe Ladekante überwunden werden muss.

Bis zu 400 Kilometer Reichweite

Die Antriebstechnik des Cat ist voll auf der Höhe der Zeit. Je nach Version hat die Batterie ein Fassungsvermögen von 49 oder 63 kWh. Für die kleinere Variante gibt GWM Ora eine Reichweite von 300 Kilometern an, während das Topmodell bis zu 400 Kilometer weit kommen soll. Der Motor sitzt bei beiden Versionen vorne und leistet 171 PS. So soll der Kompaktwagen in 8,5 Sekunden auf Hundert beschleunigen. Bei 160 km/h wird der Vortrieb elektronisch begrenzt. Bis auf die Materialqualität hat der Ora Cat bei mir insgesamt einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Man darf gespannt sein, ob das typisch chinesische Design – inklusive des vielen Fake-Chroms oder Carbons – den Geschmack der europäischen Käuferschaft trifft.

Der Punk Cat von Ora sorgte auf der Automesse in Shanghai wegen seiner Ähnlichkeit mit dem VW Käfer für Furore.
Der Punk Cat von Ora sorgte auf der Automesse in Shanghai wegen seiner Ähnlichkeit mit dem VW Käfer für Furore.
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