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ROUNDUP/Weiter Wirbel bei Flatexdegiro: Förtsch will in den Aufsichtsrat

FRANKFURT (dpa-AFX) -Beim Online-Broker Flatexdegiro DE000FTG1111 zeichnet sich auch nach dem Abgang von Vorstandschef Frank Niehage eine turbulente Hauptversammlung ab. Denn Großaktionär Bernd Förtsch will nun selbst in den Aufsichtsrat einziehen - und dessen Vorsitzenden Martin Korbmacher abberufen lassen. Förtschs Unternehmen GfBk Gesellschaft für Börsenkommunikation reichte für das Aktionärstreffen am 4. Juni ein entsprechendes Ergänzungsverlangen ein. An der Börse lösten die Neuigkeiten jedoch keine großen Reaktionen aus.

Der Kurs der Flatexdegiro-Aktie stieg am Montagmorgen zwar zeitweise um rund ein Prozent. Später pendelte er jedoch wieder um den Schlusskurs vom Freitag und lag zuletzt mit 0,2 Prozent im Plus. Flatexdegiro hatte Förtschs Anträge erst am späten Freitagabend veröffentlicht. Anleger konnten die Neuigkeiten daher am Wochenende erst einmal sacken lassen.

Die Pläne des Großaktionärs kommen nicht ganz unerwartet. Schließlich hatte er schon im März in einem Interview der "Wirtschaftswoche" mit der Führungsriege des Online-Brokers abgerechnet und Konsequenzen für Vorstandschef Niehage und Aufsichtsratschef Korbmacher angekündigt. Nachdem Niehage seinen Job zum 30. April aufgegeben hat, stand zuletzt nur noch Korbmacher im Fokus.

In dem Interview hatte Förtsch die Unternehmensführung für den Verfall des Börsenkurses harsch kritisiert. Dieser sei Folge einer "operativen, strategischen und auch aufsichtsratstechnischen Fehlentwicklung". Zudem bemängelte er fehlende Innovationen und "Produkte, die für Kunden super attraktiv sind". So seien die früher einfachen Gebührenstrukturen von Flatex inzwischen ähnlich undurchsichtig wie bei Wettbewerbern. Den Boom von Kryptowährungen wie dem Bitcoin habe das Unternehmen verschlafen.

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Wenn die Anteilseigner für Korbmachers Abberufung stimmen, sollen sie an seiner Stelle Axel Hörger in das Gremium wählen. Dieser wäre laut deren Angaben ein von GfBk unabhängiges Mitglied, hieß es in der Mitteilung weiter.

Zudem stellt sich Förtsch selbst zur Wahl. Ein Platz für ihn wird dort jedenfalls frei. Denn Herbert Seuling scheidet den Angaben zufolge zum Ende der Hauptversammlung aus dem Gremium aus. Für Seulings Rückzug wurden persönliche Gründe genannt. Seuling gehört auch Förtschs weiterer Gesellschaft Heliad an, die ebenfalls an Flatexdegiro beteiligt ist.

Bernd Förtsch ist nicht nur Großaktionär von Flatexdegiro, sondern hat den Vorläufer des Unternehmens vor 25 Jahren selbst gegründet. Direkt und indirekt hält er immer noch knapp 20 Prozent aller Aktien der Gesellschaft.

Unterdessen dürfte die Hauptversammlung aus jetziger Sicht ohne Vorstandsvorsitzenden stattfinden. Der Aufsichtsrat sucht nach Angaben vom April zwar nach einem möglichen Nachfolger für Niehage. Vorläufig sollen jedoch zwei Vorstandskollegen die Gesellschaft führen.

Niehage hatte schon länger in der Kritik gestanden. War der Handel von Kleinanlegern auf den Plattformen von Flatexdegiro während der Corona-Pandemie in ungekannte Höhen geklettert, brach das Geschäftsvolumen mit dem Anstieg von Inflation und Zinsen sowie dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine ein. Zudem stellte die Finanzaufsicht Bafin im Jahr 2022 in einer Sonderprüfung bei dem Broker eine Reihe von Mängeln fest - und erhöhte die Kapitalanforderungen für die Gesellschaft.

Der Kurs der Flatexdegiro-Aktie war dank des Booms im Aktienhandel während der Corona-Pandemie steil gestiegen. Von Anfang 2020 bis Mitte 2021 legte er von etwa 6 Euro auf fast 30 Euro zu. Doch ab dann ging es abwärts: Zu Weihnachten 2022 war sein Kurs wieder zurück auf dem Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise. Seitdem und besonders nach der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen Ende April legte er schließlich wieder auf mehr als 12 Euro zu.

Insgesamt wird Flatexdegiro an der Börse nun mit rund 1,4 Milliarden Euro bewertet. Der Abstand zum Mitbewerber Swissquote CH0010675863 ist allerdings weiterhin groß: Das Schweizer Unternehmen kommt auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 4 Milliarden Euro.