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Wieso Englands Fans ihr Team auspfiffen

·Lesedauer: 5 Min.
Wieso Englands Fans ihr Team auspfiffen
Wieso Englands Fans ihr Team auspfiffen

Kein Sieger im Battle of Britain, Pfiffe im Wembley für eine enttäuschende englische Nationalmannschaft mit einem harmlosen Superstar Harry Kane - und ohne Jadon Sancho, der einmal mehr nur zuschauen durfte.

Im insgesamt 115. Duell trennten sich England und Schottland bei der EM 2021 zum 25. Mal unentschieden, 0:0 stand es nach 90 Minuten. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Dabei überraschten vor allem die Schotten, die über die komplette Spielzeit immer wieder gefährlich vor das Tor von Jordan Pickford kamen. Speziell in der 30. Minute musste Englands Nummer eins sein ganzes Können aufbieten, um einen Volleyschuss von Stephen O'Donnell zu entschärfen.

Der Rechtsverteidiger wurde mustergültig per Flanke von Kieran Tierney in Szene gesetzt. Bei seinem Schuss ins lange Eck fand er aber in Pickford seinen Meister.

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Der englische Schlussmann war in der 63. Minute sogar schon geschlagen, einen Abschluss von Lyndon Dykes kratzte Reece James für seinen Keeper aber gerade noch mit dem Kopf von der Linie.

Aber auch die Engländer hatten ihre Chancen. Die beste Möglichkeit in Hälfte eins vergab John Stones. Der Innenverteidiger war bei einem Eckball von Mason Mount zur Stelle, traf aber nur den Innenpfosten, von wo der Ball wieder ins Feld zurücksprang.

England kommt furios aus der Kabine

Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs waren es wieder die Engländer, die mit einer Doppelchance die Führung vergaben. Erst klärte Andrew Robertson eine scharfe Hereingabe von Raheem Sterling, den Abpraller nahm Mount direkt - aber Schottland hatte in David Marshall einen starken Rückhalt, der den Schuss entschärfte.

Für den großen Aufreger in Hälfte zwei sorgte allerdings Sterling in der 79. Minute. Im Laufduell mit Robertson ging der englische Stürmer zu Boden. Robertson hatte ihn leicht am Fuß berührt, Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz (Spanien) sah in dieser Situation allerdings keine elfmeterwürdige Aktion und entschied auf Weiterspielen.

In der Schlussphase schien England lieber das Remis zu akzeptieren, als eine mögliche Blamage zu riskieren. Aber Schottland gelang auch kein Treffer mehr, womit es am Ende torlos auseinanderging.

Schottlands Billy Gilmour, der von der UEFA zum Star of the Match gewählt wurde, hob die Verteidigungsleistung seines Teams hervor: "Wir hatten nur einen Wunsch. Wir wollten dagegenhalten, das überstehen und die Engländer abwehren."

Sancho erneut nicht im Einsatz

Kurios: Für Schottland endete damit eine kleine Erfolgsserie. An einem 18. Juni haben die Schotten bei einer Europameisterschaft bisher zweimal gewinnen können. Im dritten Spiel kam es zum ersten Mal nicht zu einem Sieg an diesem Datum.

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Auffällig bei England: Jadon Sancho kam erneut nicht zum Einsatz. Zwar saß der BVB-Star im Gegensatz zum Auftaktspiel gegen Kroatien zumindest auf der Bank, musste aber die kompletten 90 Minuten zuschauen, wie sich die jüngste englische Mannschaft (25 Jahre, 31 Tage), die je bei einer EM oder WM aufgelaufen war, um den Sieg mühte.

Dass Sancho wieder 90 Minuten zuschauen musste, verwunderte insofern ganz besonders, als dass Englands Nationaltrainer Gareth Southgate nur zweimal auswechselte. Für Christoph Kramer muss die Nicht-Beachtung des 21-Jährigen einen Grund außerhalb des Sportlichen haben, wie er im ZDF meinte: "Ich kann es mir nur mit Disziplin erklären. Sancho ist ein herausragender Spieler und würde auch England krass gut tun."

Sancho gibt Rätsel auf

Auch Raphael Honigstein, Experte für den englischen Fußball und am Sonntag im EM Doppelpass auf SPORT1 zu Gast, kann das Bankdasein Sanchos nicht verstehen. "Ein Team, das Jadon Sancho zweimal auf der Bank lässt, muss eine phänomenale Offensive haben", kommentierte er das Geschehen per Twitter.

Dass die Engländer eine solche derzeit zwar nominell, nicht aber auf dem Rasen haben, zeigt ein Blick in die Statistik: Sowohl gegen Kroatien (8:8 Schüsse) als auch gegen Schottland (9:11) schafften es die Three Lions nicht, mehr Torschüsse als der Widersacher abzugeben.

Zum Vergleich: Bei der EM 2016 hatten die Engländer noch in jedem ihrer vier Spiele sogar mindestens neun Schüsse mehr als der Gegner Richtung Tor.

Auch Kane muss raus

Die Offensivmisere hängt mit Sicherheit auch mit der Personalie Harry Kane zusammen: Der Kapitän blieb erneut harmlos und durfte nicht einmal über die kompletten 90 Minuten mithelfen, doch noch einen Sieg gegen die Schotten zu erringen. In der 74. Minute wurde Englands Superstar für Marcus Rashford ausgewechselt.

Kane selbst konnte die Auswechslung nach dem Spiel nicht erklären: "Das ist ein Teil des Spiels, der Manager fand, dass es die richtige Entscheidung war, also muss man sie einfach akzeptieren. Es ist, was es ist." Allerdings fand er auch lobende Worte für den Gegner. Seiner Meinung nach war es ein "faires Ergebnis", da Schottland gut verteidigt habe. Dazu sei es "nicht die beste Leistung" seiner Engländer gewesen.

Das sahen auch die englischen Fans so, die ihr Team schon in der Halbzeit, insbesondere aber nach dem Abpfiff mit einem Pfeifkonzert verabschiedeten, während die schottischen Anhänger den Punkt feierten, als hätten sie gerade den EM-Titel geholt.

Kane selbst hatte in der gesamten ersten Hälfte gerade einmal zehn Ballkontakte - und damit die wenigsten aller Spieler. Nur eine Ballaktion im gegnerischen Strafraum und gerade einmal zwei erfolgreiche Pässe in den ersten 45 Minuten sprachen ebenfalls Bände.

"Wir brauchten mehr Läufe in die Tiefe", erklärte Southgate bei ITV die vorzeitige Auswechslung seines Kapitäns: "Ich hatte das Gefühl, dass uns Marcus Rashford diese Energie geben könnte. Zu dem Zeitpunkt mussten wir das versuchen. Wir müssen unsere Entscheidungen anhand dessen treffen, was wir auf dem Platz sehen."

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Mit nun vier Punkten liegen die Engländer damit punktgleich mit Tschechien auf Rang zwei in der Gruppe D. Für Schottland - nun mit einem Punkt auf der Habenseite - ist ein Weiterkommen in die K.o.-Phase immer noch möglich. Ein Sieg gegen Kroatien im abschließenden Gruppenspiel ist aber Pflicht.

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