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Jahrhundert-Boom in der Diagnostik beschert Qiagen einen Umsatzsprung

Hofmann, Siegfried
·Lesedauer: 4 Min.

Die Nachfrage nach Corona-Tests boomt, die Umsätze in der Diagnostikbranche erreichen beispiellose Wachstumsraten. Davon profitiert auch Qiagen.

Die Corona-Pandemie beschert der Diagnostika-Industrie einen Jahrhundert-Boom. Das bestätigen nun auch die jüngsten Quartalszahlen von Qiagen. Die starke Nachfrage nach Covid-Tests und den dazu nötigen Vormaterialien sorgte bei dem Hildener Biotech-Unternehmen im vierten Quartal 2020 für einen Umsatzanstieg von 38 Prozent auf 571 Millionen Dollar. Währungsbereinigt legte das Unternehmen um 36 Prozent zu und übertraf damit die bereits hohe Wachstumsprognose noch um vier Punkte.

Ähnliches gilt für den bereinigten Gewinn je Aktie, der nach Unternehmensangaben um 42 Prozent auf 68 Cent je Aktie zulegte und damit ebenfalls die bisherigen Erwartungen noch leicht übertraf. Für das Gesamtjahr meldet Qiagen einen Anstieg des Umsatzes um 23 Prozent auf 1,87 Milliarden Dollar und eine Steigerung des Gewinns je Aktie um rund 50 Prozent auf 2,15 Euro.

„Wir verzeichneten eine sehr starke Nachfrage nach Produktgruppen, die den kritischen Bedarf an Covid-19-Tests abdecken, sowie weitere Verbesserungen in den sonstigen Bereichen des Portfolios“, erklärte Firmenchef Thierry Bernard die Resultate.

Qiagen ist sowohl als Anbieter eigener Covid-Tests als auch als Produzent von wichtigen Vorprodukten für solche Tests in dem Bereich vertreten. Der Umsatz mit Covid-19-bezogenen Produkten hat sich bei Qiagen im vierten Quartal und im Gesamtjahr jeweils mehr als vervierfacht, während das übrige Geschäft leicht schrumpfte.

Die Zahlen des Biotechunternehmens illustrieren einen völlig ungewöhnlichen und vor Jahresfrist noch kaum absehbaren Aufschwung für die Hersteller von sogenannten In-vitro-Diagnostika. Der Begriff beschreibt Medizinprodukte zur medizinischen Laboruntersuchung von aus dem menschlichen Körper stammenden Proben.

Zwar wurde das Geschäft mit Routine-Diagnostika durch die Corona-Pandemie zum Teil spürbar gebremst. Gleichzeitig ist jedoch der Bedarf an Tests für den Nachweis einer Sars-CoV-2-Infektion im Jahresverlauf regelrecht explodiert. Standen dabei zunächst die PCR-Tests im Vordergrund, sorgten im vierten Quartal vor allem die Schnelltests für enorme Umsatzzuwächse bei den Diagnostika-Anbietern.

Während die PCR-Tests das Virus anhand seiner Genbestandteile nachweisen, sind die Schnelltests auf den Nachweis von Proteinen des Virus, sogenannten Antigenen, ausgelegt. Sie sind dadurch zwar weniger präzise als die PCR-Methode, liefern jedoch deutlich schnellere Ergebnisse, sind weniger aufwendig, dezentral einsetzbar und können zudem in weitaus größerer Stückzahl produziert werden.

Schnelltests werden daher seit dem Herbst in immer größeren Mengen angeboten und eingesetzt. Insgesamt hat sich das Wachstum des Diagnostika-Sektors zum Jahresende hin dadurch nochmals stark beschleunigt.

Diagnostika-Branche legt kräftig zu

Insgesamt verbuchten die zehn führenden Anbieter der Branche nach Berechnungen des Handelsblatts im vierten Quartal im Schnitt ein Umsatzwachstum von etwa 57 Prozent – gegenüber einem Plus von 17 Prozent in den ersten neun Monaten. Mit „nur“ 38 Prozent Umsatzwachstum gehört Qiagen im vierten Quartal nicht einmal zur Spitzengruppe, ebenso wenig wie Branchenführer Roche mit 31 Prozent und der Siemens-Ableger Healthineers mit 39 Prozent Umsatzwachstum (in US-Dollar gerechnet).

Wachstums-Champion blieb das US-Unternehmen Hologic, dessen Erlöse sich dank der Covid-Tests im Quartal verdreifachten. Die US-Konzerne Abbott, Thermo Fisher Scientific und Becton Dickinson konnten ihre Diagnostika-Erlöse jeweils verdoppeln. Die US-Firma Quidel, die sich einem Bericht von Bloomberg zufolge für einen Zusammenschluss mit der deutlich größeren Qiagen interessiert, meldete ein Umsatzplus von 70 Prozent.

Unsicher bleibt unterdessen, wie lange der Covid-Boom anhalten wird. Die meisten Branchenvertreter gehen davon aus, dass die Nachfrage zumindest im ersten Halbjahr noch sehr hoch bleiben wird, sich das Geschäft mit den Covid-Tests auf längere Sicht aber wieder normalisieren wird.

Roche-Diagnostik-Chef Thomas Schinecker etwa geht davon aus, dass sich die Test-Aktivität im zweiten Halbjahr insgesamt wieder verringern wird. Das Geschäft mit PCR-Tests werde sich dabei aber voraussichtlich stabiler entwickeln als das Geschäft mit den Antigen-Tests.

Qiagen hält an Prognose fest

Qiagen bestätigte am Mittwoch seinen bisherigen Ausblick, der für 2021 ein Umsatzwachstum von 18 bis 20 Prozent vorsieht. Man erwarte zumindest für das erste Halbjahr eine weiterhin starke Nachfrage nach Covid-19-Tests und gleichzeitig eine Verbesserung in den anderen Geschäftssegmenten.

Thermo Fisher geht unterdessen davon aus, dass die eigenen Covid-19-bedingten Umsätze im laufenden Jahr nur noch moderat von 6,6 auf 7,1 Milliarden Dollar zunehmen werden. Man gehe davon aus, dass sich die Nachfrage nach Tests ab dem zweiten Quartal normalisiere, sagte Finanzchef Stephen Williamson bei der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal.

Wachstumsführer Hologic stellte für das erste Quartal einen Umsatzanstieg von rund 100 Prozent in Aussicht, und Firmenchef Steve MacMillan zeigte sich zuversichtlich, dass man auch im weiteren Jahresverlauf Marktanteile in dem Bereich gewinnen wird. Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr und zur weiteren Entwicklung der Nachfrage nach Covid-Tests wagte er indessen nicht. Dazu sei noch zu vieles im Fluss.