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Hedgefonds nehmen Deutsche Bank und Thyssen-Krupp ins Visier

Mehrere Investmentfonds spekulieren auf fallende Aktienkurse bei der Deutschen Bank und Thyssen-Krupp. Die beiden Unternehmen haben mehrere Dinge gemeinsam.

Zu Leerverkäufen kann es unter anderem kommen, wenn ein Hedgefonds erwartet, dass sich die Kurse von börsennotierten US-Banken besser als ihre deutschen Pendants entwickeln. Foto: dpa

Hedgefonds haben in den vergangenen Wochen ihre Spekulationen auf fallende Kurse bei einigen Dax-Werten erhöht. Dabei geht es vor allem um zwei Titel: Die Deutsche Bank und den Industriekonzern Thyssen-Krupp. Beides sind Unternehmen, die in Turbulenzen stecken und wohl erst am Anfang einer harten, langjährigen Sanierung stehen.

Die höchste Leerverkaufsquote mit aktuell 6,76 Prozent des gesamten ausgegebenen Aktienkapitals hat Thyssen-Krupp. Nach Anfang dieses Monats haben Blackrock, der weltweit größte unabhängige Vermögensverwalter aus den USA, und der französische Mitbewerber Capital Fund Management ihre Quote erhöht. Die Amerikaner auf 0,73 Prozent, die Franzosen auf 1,53 Prozent.

Mit 3,5 Prozent ungewöhnlich hoch ist die Quote von AQR Capital Management, einer Investment-Management-Firma mit Sitz in den USA. Dies sind umgerechnet rund 190 Millionen Euro.

Thyssen-Krupp ist mit einer Marktkapitalisierung von knapp 6,6 Milliarden Euro der kleinste Dax-Wert. Aktuell werden werden mehr als 446 Millionen Euro auf fallende Kurse gesetzt.

Mittlerweile knapp fünf Prozent beträgt bei der Deutschen Bank die Leerverkaufsquote. Auch hier hält AQR Capital Management mit 2,28 Prozent mit Abstand den größten Anteil. Der britische Hedgefonds Worldquant hat noch am 8. August auf mittlerweile 0,59 Prozent ausgebaut.

Die Deutsche Bank zählt mit einer Marktkapitalisierung von 13,6 Milliarden Euro ebenfalls zu den kleineren Werten. Dax-Spitzenreiter ist SAP mit 130 Milliarden Euro. Aktuell werden rund 682 Millionen auf einen fallenden Aktienkurs des Geldhauses gesetzt.

Was beide Aktien noch gemeinsam haben: Die Prognosen für die Zukunft der Unternehmen sind nicht sehr rosig. Laut Handelsblatt-Analystencheck empfehlen zehn Analysten, die Thyssen-Krupp-Aktie zu kaufen. 14 Mal lautet der Rat „halten“, vier Mal „verkaufen“.

Noch drastischer ist es bei der Deutschen Bank. Der einen Kaufempfehlung stehen 27 neutrale Einstufungen und 14 Verkaufsempfehlungen gegenüber. Eine ungewöhnliche Konstellation.

Eher normalisiert haben sich die Leerverkäufe beim Online-Zahlungsdienstleister Wirecard. Dieser Wert liegt bei etwas mehr als einem Prozent des insgesamt ausgegebenen Aktienkapitals. Mitte April waren das noch 14 Prozent, ehe die Finanzaufsicht Bafin ein mehrtägiges Verbot solcher Spekulationen beschloss.

Was sind Leerverkäufe?

Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Dem Verleiher zahlen sie dafür eine Gebühr. Die Papiere verkaufen sie und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Der Gewinn für den Leerverkäufer ist dann die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis abzüglich der Leihgebühr.

Solche Leerverkäufe können, müssen aber keine Spekulationen auf fallende Kurse eines einzelnen Wertes sein. Solch ein „shorten“, wie es in der Fachsprache heißt, kann Teil einer größeren Investmentstrategie sein. Wenn ein Hedgefonds beispielsweise erwartet, dass die Kurse von börsennotierten US-Banken sich besser als ihre deutschen Pendants entwickeln, kann er auch Aktien von US-Geldhäusern kaufen und gleichzeitig die Papiere von deutschen Banken „leerverkaufen“.

Mit dieser Strategie verringert der Fonds das Risiko. Denn er kann sogar bei fallenden Kursen eine Rendite erzielen. Einzige Bedingung: Die Performance der US-Geldhäuser muss besser sein. Bei fallenden Kursen des gesamten Marktes reicht es, wenn die Kursverluste der US-Institute geringer sind als die der heimischen Banken. Klar ist aber auch: Unternehmen mit einer hohen Leerverkaufsquote wird keine bessere Perfomance als Mitbewerber zugetraut.

Wie groß die aktuellen Positionen auf deutsche Aktien sind, zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der ausstehenden Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden. Dieser dient den deutschen Behörden neben dem Bundesgesetzblatt als Veröffentlichungsorgan für wichtige Bekanntmachungen.

Wann Leerverkäufe veröffentlicht werden müssen

Verabschiedet von Leerverkauf auf deutsche Aktien hat sich mittlerweile der weltgrößte Hedgefonds Bridgewater, zumindest was die Veröffentlichung angeht. Laut Bundesanzeiger hatte der Fonds Mitte April dieses Jahres seinen Short-Anteil auf den Chemiekonzern BASF auf 0,44 Prozent gesenkt. Damit entfällt jede weitere Pflicht der Veröffentlichung.

Denn meldepflichtig gegenüber der Finanzaufsicht Bafin sind Leerverkäufe bei Aktien zwar ab einem Umfang von 0,2 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals, für eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger muss dieser Anteil aber mindestens 0,5 Prozent betragen.

Noch in den ersten Monaten des vergangenen Jahres hatte Fonds-Gründer Ray Dalio für Aufsehen gesorgt, als er zu Hochzeiten 8,2 Milliarden Euro auf fallende Kurse bei verschiedenen Dax-Aktien gesetzt hatte.

Mittlerweise hat Dalio ein anderes Investment im Fokus. Er empfiehlt trotz der Börsen-Turbulenzen aufgrund des Handelsstreits zwischen den USA und China, jetzt in das Reich der Mitte zu investieren. „Es ist besser, zu früh als zu spät zu sein“, sagte Dalio in einem an diesem Dienstag veröffentlichten Video.

Anlegern biete sich eine historische Chance, da die Regierung in China ihre Märkte für ausländische Investoren öffne. Für solche Investments brauchen Anleger auch keine Leerverkäufe.