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Hat Leverkusen den Havertz-Erben längst gefunden?

Ljubo Herceg
·Lesedauer: 4 Min.

Florian Wirtz ist kein gewöhnlicher Teenager, denn der 17-Jährige hat bereits Bundesliga-Geschichte geschrieben.

Am 6. Juni 2020 erzielte das Offensiv-Juwel für Bayer Leverkusen das 2:4 gegen den FC Bayern und wurde durch seinen Premieren-Treffer zum jüngsten Torschützen der Bundesliga-Geschichte – im Alter von 17 Jahren, 1 Monat und 3 Tagen.

Es war erst sein vierter Bundesliga-Einsatz, doch Wirtz ließ da schon sein großes Potenzial aufblitzen: Der Leverkusener ließ auf engstem Raum den französischen Weltmeister Lucas Hernández mit einem Haken stehen und schlenzte dann den Ball über einen der besten Torhüter der Welt - Manuel Neuer - hinweg in den Winkel.

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Während viele Fußballer nach so einem wunderbaren Tor wohl ausschweifend gefeiert hätten, klatschte Wirtz nur kurz mit Mitspieler Charles Aranguiz ab und lief zurück in die eigene Hälfte. Sein persönlicher Höhepunkt konnte ihn nicht über die 2:4-Pleite gegen die Bayern hinwegtrösten.

Die verhaltene Reaktion des 17-Jährigen zeigt, wie ehrgeizig er ist, dass er ungern verliert und der Team-Gedanke ihm viel mehr bedeutet als sein geschichtsträchtiges Tor. Nichtsdestotrotz kann Wirtz, der noch in der B-Jugend spielen dürfte, auf eine gute Rückrunde mit neun Profi-Einsätzen zurückblicken. Zur Belohnung wurde er als bester deutscher U17-Spieler mit der Fritz-Walter-Medaillen in Gold ausgezeichnet.

Havertz-Vergleich kommt für Wirtz noch zu früh

Nicht von ungefähr wird der Shooting Star jetzt schon mit Kai Havertz, der am Freitag beim FC Chelsea einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieb, verglichen. "Wenn er gesund bleibt, ist er mindestens ein Spieler der Kategorie Havertz", sagte Jörg Jakobs, der Nachwuchsleiter des 1. FC Köln, wo Wirtz in der Jugendabteilung spielte, dem Kicker: "Florian kann alles, hat enormen Spielwitz, starke Technik, unglaubliche Spielintelligenz, ist schnell mit dem Ball, kann dribbeln."

Dieses Potenzial blieb auch der Werkself nicht verborgen und ließ den Bundesligisten sogar so weit gehen, das sogenannte Rheinland-Abkommen, eine Art Gentlemen's Agreement zwischen Leverkusen, Köln und Borussia Mönchengladbach, zu vernachlässigen. Dabei handelt es sich um eine stillschweigende Vereinbarung, die seit 2001 besagt, dass sich die drei Klubs im Jugendbereich nicht gegenseitig die Spieler abspenstig machen.

Im Januar dieses Jahres schnappten sich die Leverkusener Wirtz für läppische 200.000 Euro, da sein Vertrag in der Domstadt im Sommer ausgelaufen wäre. Dass die Kölner Verantwortlichen darüber nicht gerade amüsiert waren, gilt noch als untertrieben.

"Als Simon Rolfes mich darauf aufmerksam machte, dass überraschenderweise ein überaus talentierter Spieler aus der Region auf dem Markt und wechselwillig sei, stiegen wir in die Verhandlungen ein", erklärte Bayers Geschäftsführer Rudi Völler. "Es wäre fahrlässig gewesen, dies nicht zu tun: Der 16-jährige Offensivspieler stand bei vielen Top-Klubs aus dem In- und Ausland auf dem Wunschzettel."

Leverkusen soll im Werben um Wirtz unter anderem den FC Bayern, Borussia Dortmund, die TSG Hoffenheim und den FC Liverpool ausgestochen haben. "Wir haben Florian in den Gesprächen eine sportliche Perspektive aufgezeigt und sicherlich auch davon profitiert, dass wir in der Vergangenheit vielen jungen Spielern wie Kai Havertz, Julian Brandt oder Benjamin Henrichs sehr früh die Chance gegeben haben, sogar in der Champions League aufzulaufen", erklärte Völler den Transfer-Coup.

Trotz all der Lobeshymnen auf das Ausnahmetalent wollen die Leverkusener Verantwortlichen Wirtz behutsam an den Profi-Fußball heranführen, denn das Tempo ist deutlich höher als bei den Junioren und vor allem im physischen Bereich muss der 17-Jährige noch zulegen.

Doch Wirtz ist wissbegierig und lernwillig, wie Christian Wück, Trainer der deutschen U17-Nationalmannschaft, bei Goal betonte: "Er ist sehr klar im Kopf, weiß ganz genau, wo er hinmöchte und wie er diese Ziele erreichen kann. Flo ist geerdet. Deshalb hat er es auch schon so früh in die Bundesliga geschafft."

Diese Bayer-Spieler sollen Havertz-Abgang auffangen

"Ob man ihn jetzt schon mit Kai, also einem momentanen Top-Spieler in Deutschland, vergleichen sollte, weiß ich nicht", so Wück weiter und schob nach: "Mein Tipp: Lasst den Jungen einfach kicken!"

Mittlerweile ist Wirtz sogar schon ein Kandidat für das deutsche U21-Team - allerdings muss er sich noch ein wenig gedulden. DFB-Trainer Stefan Kuntz verzichtete gegen Moldawien und Belgien auf den Teenager, weil er nach der langen Saison mit Leverkusen noch kaum eine Vorbereitung für die neue Spielzeit in den Knochen hat.

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Rein statistisch gesehen war Havertz in seiner Debütsaison weiter als Wirtz: Der deutsche Nationalspieler kam 2016/17 im Alter von 17 Jahren in 28 Profi-Einsätzen auf vier Tore und sechs Vorlagen. Wirtz in neun Einsätzen auf ein Tor.

Darum halten die Leverkusener bei Wirtz auch bewusst den Ball flach und wollen von den Havertz-Vergleichen nichts hören. Vielmehr sollen den bevorstehenden Havertz-Abgang – ein Wechsel zu Chelsea steht wohl kurz vor dem Abschluss - andere Bayer-Profis gemeinsam auffangen.

Gemeint sind Nadiem Amiri (23 Jahre alt), Moussa Diaby (21), Leon Bailey (23), Paulinho (20) sowie Karim Bellarabi (30), die allesamt in der offensiven Dreierreihe von Bayer agieren. Und im Schatten der Arrivierten kann Wirtz, der auf beiden Außenbahnen sowie auf der Zehn spielen kann, sich dann in Ruhe weiterentwickeln und "einfach kicken!"