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Fossil zeigt, wie Dinosaurier pinkelten und wahrscheinlich Sex hatten

André Wagner
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Forscher wissen mittlerweile sehr viel über Dinosaurier – wie sie wahrscheinlich aussahen, wovon sie sich ernährten, wie sie auf die Jagd gingen und ihre Beute töteten. Doch was die Wissenschaft bisher nicht herausfinden konnte, ist, wie die Dinos quasi aufs Klo gingen und wie sie sich fortpflanzten. Doch nun scheint in diesen Fragen ein kleiner Durchbruch gelungen zu sein.

Dinosaur Fossil (Tyrannosaurus Rex) Found by Archaeologists
Mit Hilfe der Fossilien von Dinosauriern (hier ein T Rex), finden Forscher immer mehr über das Leben der Riesenechsen heraus. (Symbolbild: Getty Images)

Zu Lebzeiten wird der labradorgroße Psittacosaurus oder auch Vogelbeckensaurier, er lebte in der frühen Kreidezeit vor etwa 130 bis 100 Millionen Jahren, wohl eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Millionen Jahre nach seinem Aussterben kann er, oder besser gesagt ein Fossil von ihm, der Wissenschaft jedoch einen großen Dienst erweisen.

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Zwar weiß man derzeit schon ziemlich viel über die Dinosaurier, die vor Jahrmillionen den Erdball bevölkerten. Wie sie vermutlich aussahen, was sie aßen und wie sie, im Falle der Fleischfresser, ihre Beute erlegten. Doch ein paar Fragen blieben der Wissenschaft bisher unbeantwortet: Wie haben die Dinos gepinkelt oder Häufchen gemacht und wie hatten die Riesenechsen überhaupt Sex?

Während die meisten Säugetiere unterschiedliche Körperöffnungen besitzen, um zu urinieren, den Darm zu entleeren oder der Fortpflanzung zu frönen, geht man bei den Dinos nicht davon aus.

Vielmehr vermutet man, dass die Saurier, wie auch die heutigen Vögel und Reptilien, nur einen Schlitz besaßen, der sowohl als Verdauungsausgang als auch zur Paarung diente, eine sogenannte Kloake.

Forschern gelingt eine außergewöhnliche Entdeckung

Bisher konnte man bei den gefundenen Fossilien die Existenz einer solchen Kloake nicht nachweisen – bis jetzt.

Bei einem Fossil des Psittacosaurus, welches man in China gefunden hatte und welches sich nun im Besitz des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt am Main befindet, konnten Forscher eine vollständige Versteinerung einer Kloake entdecken.

Einem Team von britischen und US-Wissenschaftlern unter der Leitung der University of Bristol gelang es mit Hilfe des Fossils, erstmals die Kloake eines Dinosauriers zu rekonstruieren.

"Als Paläozeichner war es absolut erstaunlich, die Möglichkeit zu haben, eines der letzten verbliebenen Merkmale zu rekonstruieren, über die wir bei Dinosauriern bislang nichts wussten", so der an der Studie beteiligte Paläo Artist Robert Nicholls in einer Pressemitteilung.

Forscherteam ist begeistert

"Dies ist das einzige Fossil, bei dem eine Kloake erhalten ist. Daher ist das der erste Blick darauf, wie diese bei einem Dinosaurier aussahen", so der Paläontologe Jakob Vinther von der University of Bristol, ein Hauptautor der Studie, auf Nachfrage des Wissenschaftsportals "Spektrum.de".

Vinther war es, der vor einigen Jahren im Frankfurter Museum auf das Psittacosaurus-Fossil aufmerksam wurde. Bei der Rekonstruktion der Farbmuster, fiel dem Forscher die erhaltene Kloake des Tieres auf.

Da es einen solchen Fund zuvor noch nie gegeben hatte, betraten Vinther und seine Forscher-Kollegen Neuland. Dennoch gelang dem internationalen Forscherteam eine detaillierte Rekonstruktion der Kloake, welche den Vergleich mit anderen Wirbeltieren möglich macht.

Dino-Merkmale erinnern an heute lebende Krokodile

So weist die Psittacosaurus-Kloake Merkmale auf, die an heute lebende Krokodile und Alligatoren erinnert, der nächsten noch lebenden Verwandtschaft der Saurier. Die Forscher konnten zudem feststellen, dass die äußeren Ränder der rekonstruierten Kloake eine starke Melanin-Pigmentierung aufweisen. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Psittacosaurus seine Kloake zur Schau stellte, ähnlich wie man es heute von den Hinterteilen der Paviane kennt oder einigen brütenden Salamandern.

Zudem gehen die Forscher davon aus, dass die Kloake über Moschusduftdrüsen verfügte. Man kennt dies von Krokodilen, die mit dem verströmten Moschusduft Sexualpartner anlocken.

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Wie die Dinosaurier genau Sex hatten, ist weiterhin umstritten. Gab es einen “Kloakenkuss”, wie man ihn von vielen Vögeln her kennt oder besaßen die Riesenechsen einen Phallus? Bei Tieren mit einer Kloake sind die Genitalien im Körperinneren versteckt und bei Fossilien nicht erhalten, daher können bisher nur Vermutungen angestellt werden. Die Untersuchung der rekonstruierten Kloake legt aber nahe, dass eine penetrierende Kopulation mit einem Penis durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Um genauere Aussagen zu treffen, z.B. über das Geschlecht, müssten die Forscher noch mehrere Fossilien mit vollständig erhaltenen Kloaken entdecken, doch dafür bedarf es wohl noch sehr viel Zeit und ebenso viel Glück.

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