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Firmenlenker verkaufen wieder mehr Aktien – ein SAP-Deal überrascht besonders

Topmanager handeln wieder mehr Aktien der eigenen Unternehmen. Bei CTS Eventim und SAP gab es Verkäufe in dreistelliger Millionenhöhe. Aber auch die Käufe ziehen an.

Der Hugo-Boss-Chef hat bei Aktien des Modekonzerns zugegriffen. Foto: dpa

Der Kurssturz kam mit Ansage. Als der Ticketvermarkter CTS Eventim am 13. November nach Börsenschluss ankündigte, dass Unternehmenschef Klaus Peter Schulenberg am Folgetag bis zu 7,9 Millionen Aktien verkaufen werde, brach die Aktie am nächsten Morgen ein. Kein Wunder – 7,9 Millionen Aktien hätten mehr als acht Prozent des Aktienkapitals ausgemacht. Am Ende verkaufte Schulenberg dann „nur“ 4,2 Millionen Aktien für insgesamt gut 218 Millionen Euro. Der Aktie bescherte das einen Kursverlust von zeitweise mehr als neun Prozent.

Ein Warnsignal für Privatanleger, es dem Firmenchef und Unternehmensgründer gleichzutun, ist das aber wohl nicht. Schulenberg ging es nach Angaben von CTS Eventim darum, den Streubesitz der Aktie zu erhöhen. Mit 38,8 Prozent bleibt Schulenberg über seine KPS-Stiftung größter Aktionär des Ticketvermarkters, der pro Jahr rund 250 Millionen Eintrittskarten verkauft, Veranstaltungen wie „Rock am Ring“ organisiert und Hallen wie die Kölner Lanxess Arena, das Berliner Waldstadion oder das Eventim Apollo in London betreibt.

Auch Analysten sehen die Aktie positiv. Holger Bosse, Analyst bei Baader Helvetia, ist der einzige seiner Zunft, der zum Verkauf der Aktie rät. Das liegt aber nicht an der Geschäftsentwicklung von CTS, sondern an der laut Bosse hohen Bewertung. Vor dem Verkauf von Schulenberg hatte die Aktie mit 55,75 Euro ein Allzeithoch erreicht, dem sie sich nach dem Kursrutsch bereits wieder annähert. Die Aktie kostet derzeit das 34-Fache des Gewinns, den Analysten für das kommende Jahr erwarten. Dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis ist in der Tat hoch.

Plattner trennt sich von Aktienpaket bei SAP

Viel Aufsehen erregte zuletzt auch ein Verkauf bei SAP – auch wenn er der Aktie keinen Abbruch tat. Aufsichtsratschef und Mitgründer Hasso Plattner verkaufte am 15. November Aktien für mehr als 100 Millionen Euro. Der Softwarekonzern meldete dies einige Tage später ordnungsgemäß an die Wertpapieraufsicht Bafin. Zu den Gründen für den Verkauf äußerte sich SAP nicht. Mit einem Anteil von 6,2 Prozent bleibt Plattner größter Aktionär bei SAP.

Die seit Jahren steigenden Betriebsgewinne spiegeln sich im Aktienkurs von SAP wider. Mit 123 Euro notiert die Aktie schon wieder nahe ihres im Juni erreichten Allzeithochs. Die neuen SAP-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein haben den Investoren für das kommende Jahr hohe Ausschüttungen versprochen.

Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, findet zwei so große Verkäufe von Topmanagern innerhalb weniger Tage auffällig, erkennt aber kein Warnsignal für den breiten Markt. Stotz analysiert seit vielen Jahren die meldepflichtigen Wertpapiergeschäfte von Deutschlands Vorständen und Aufsichtsräten mit Aktien der eigenen Unternehmen.

Aus den Daten berechnet der Hochschullehrer mit Unterstützung von Commerzbank Wealth Management regelmäßig das Insiderbarometer für das Handelsblatt. Es ist zuletzt leicht auf 125 Punkte gesunken. Laut Stotz signalisiert dies, dass sich der deutsche Aktienmarkt in den kommenden Wochen seitwärts bewegen wird: „Weder ein großer Einbruch noch ein Ausbruch nach oben sind zu erwarten.“

Abseits von CTS und SAP gab es noch einige weitere größere Insiderverkäufe. Beim Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub trennte sich Vorstandschef Stefan Fuchs von Aktien im Wert von knapp 480.000 Euro. Anfang November hatte bereits Vorstand Ralph Rheinhold Aktien zu mehr als 240.000 Euro verkauft.

Beim auf Lichttechnik und Elektronik spezialisierten Autozulieferer Hella hatten Gesellschafter zwischen Mitte Oktober und Anfang November schon Aktien für 47 Millionen Aktien verkauft, jetzt trennte sich auch Aufsichtsrätin Charlotte Sötje von Anteilsscheinen.

Auf der anderen Seite gab es aber auch viele Käufe, von daher lässt sich laut Stotz eben nicht sagen, dass die Insider per se pessimistisch sind.

Neue Millionenkäufe bei Krones und Dic Asset

Einen mit knapp 10,3 Millionen Euro ungewöhnlich großen Kauf gab es beim Getränke- und Lebensmittelabfüllanlagenbauer Krones. Auch hier war es mit Volker Kronseder ein Großaktionär, der auffiel. Er ist Aufsichtsratschef und Sohn des Firmengründers Hermann Kronseder und findet sich regelmäßig auf der Käuferseite. So viel wie jetzt über die VMAX Familienstiftung kauft allerdings auch Volker Kronseder selten.

Die Krones-Aktie ist in den vergangenen anderthalb Jahren um bis zu 60 Prozent eingebrochen. Für dieses Jahr hat der weltgrößte Abfüllanlagenbauer im Juli das Ziel auf drei Prozent vor Steuern halbiert. Im August fiel die Aktie mit weniger als 48 Euro auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Um diese Zeit herum kaufte Kronseder bereits Aktien für gut drei Millionen Euro.

Seit dem Tief hat die Aktie knapp 30 Prozent zugelegt. Ende Oktober hatte der Konzern ein Sparprogramm vorgestellt und mit seinem Umsatz positiv überrascht – das schob den Kurs an.
Die Käufe des Krones-Aufsichtsratschefs sind laut Stotz typisch antizyklisch. Nicht immer, aber oft greifen Insider bei Aktien zu, die an der Börse abgestraft wurden, und verkaufen umgekehrt deutlich gestiegene Aktien.

Ein auffälliges Gegenbeispiel dafür ist Gerhard Schmidt. Der langjährige Aufsichtsrat beim Gewerbeimmobilienkonzern Dic Asset hat jetzt erneut Aktien für gut 5,1 Millionen Euro gekauft und damit ebenfalls sehr viel. Schon im August fiel Schmidt mit Käufen für gut 4,7 Millionen Euro auf. Dabei hatte die Aktie bereits damals mit knapp zwölf Euro den höchsten Stand seit elf Jahren erreicht.

Seither steigt die Dic-Asset-Aktie immer weiter, zuletzt bis auf über 14 Euro. Schmidt hatte auch im September und Anfang November weitere Dic-Asset-Aktien erworben und sich so insgesamt Papiere für mehr als 23 Millionen Euro neu ins Depot gelegt.

Dic Asset hat zuletzt den Immobilien- und Investmentmanager GEC German übernommen. Das zahlt sich bereits aus. In den ersten neun Monaten des Jahres hat der Konzern seinen operativen Gewinn um 40 Prozent gesteigert. Schmidt scheint davon auszugehen, dass sich der Konzern weiter gut entwickelt – und damit auch der Aktienkurs.

Hoffnung bei Hugo Boss

Hoffnung auf steigende Kurse signalisieren auch die Käufe beim Modekonzern Hugo Boss – allerdings ausgehend von niedrigem Niveau. Mitte Oktober fiel die Hugo-Boss-Aktie auf das Neun-Jahres-Tief von 36,84 Euro. Jetzt griffen Vorstandschef Mark Langer, Finanzvorstand Yves Müller und Aufsichtsrat Antonio Simina zu. Sie kauften Aktien für insgesamt gut 680.000 Euro zu Kursen um die 39 Euro.

Der Großteil der Käufe kam von Firmenchef Langer. Er hatte Anfang November angekündigt, dass Boss im Weihnachtsgeschäft mithilfe des rasant wachsenden Onlinegeschäfts und durch Kostendisziplin zumindest das im Oktober deutlich gesenkte Jahresziel erreichen wird. Demnach wird der Gewinn vor Steuern und Zinsen auf bis zu 330 Millionen Euro sinken. In Nordamerika und in Hongkong werde sich jedoch die schwierige Entwicklung fortsetzen. Immerhin hat auch die Boss-Aktie seit den Käufen der Vorstände gut sechs Prozent zugelegt.