Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    15.448,04
    -279,63 (-1,78%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.083,37
    -74,77 (-1,80%)
     
  • Dow Jones 30

    33.290,08
    -533,37 (-1,58%)
     
  • Gold

    1.763,90
    -10,90 (-0,61%)
     
  • EUR/USD

    1,1865
    -0,0045 (-0,38%)
     
  • BTC-EUR

    29.031,30
    -1.647,82 (-5,37%)
     
  • CMC Crypto 200

    888,52
    -51,42 (-5,47%)
     
  • Öl (Brent)

    71,50
    +0,46 (+0,65%)
     
  • MDAX

    34.022,52
    -200,17 (-0,58%)
     
  • TecDAX

    3.489,37
    -18,59 (-0,53%)
     
  • SDAX

    16.004,92
    -165,43 (-1,02%)
     
  • Nikkei 225

    28.964,08
    -54,25 (-0,19%)
     
  • FTSE 100

    7.017,47
    -135,96 (-1,90%)
     
  • CAC 40

    6.569,16
    -97,10 (-1,46%)
     
  • Nasdaq Compositive

    14.030,38
    -130,97 (-0,92%)
     

Warum in dieser Firma ein Anti-Rassismus-Training zum Pflichtprogramm für Beschäftigte gehört

·Lesedauer: 7 Min.

Spätestens seit dem Tod von George Floyd in den USA und den darauffolgenden Demonstrationen weltweit ist das Thema Rassismus wieder mehr in den Fokus gerückt. Auch Unternehmen machen sich Gedanken darüber, wie sie Rassismus entgegentreten und ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen können. Die Vertriebs- und Marketing-Plattform HubSpot hat weltweit über 4.200 Mitarbeitende in elf Niederlassungen – zum Beispiel in den USA, Dublin, Berlin, Tokio und Sydney.

Louisa Proctor leitet als Global Director das Learning & Development bei Hubspot, welches Schulungen für das Onboarding neuer Mitarbeitender sowie Weiterbildungsangebote für alle Mitarbeitenden entwickelt und bereitstellt. In ihrem Team entstand ein Antirassismus-Training – das bei Hubspot verpflichtend für alle Mitarbeitenden ist.

Der „Diversity Report 2021“ von Hubspot zeigt, dass der Anteil der Mitarbeitenden aus der BIPoC- Gruppe („Black, Indigenous, People of Color“) in Nordamerika bei 27,4 Prozent liegt. Louisa Proctor sagt: "Obwohl Black Lives Matter in den USA entstanden ist, ist es eine globale Bewegung. Rassismus existiert auf der ganzen Welt." In den Antirassismus-Trainings hat Hubspot bewusst Statistiken, Zahlen, Beispiele und Referenzen verwendet, die globale Erfahrungen der BIPoC-Mitarbeitenden widerspiegeln. "Das stellt sicher, dass allen Mitarbeitenden klar ist, ganz gleich, von wo aus sie arbeiten, dass Antirassismus eine globale Chance für uns alle ist." Business Insider hat mit Proctor über das Training gesprochen.

Business Insider: Wann haben Sie sich dazu entschlossen, ein verpflichtendes Antirassismus-Training einzuführen?

Proctor: Wir beschäftigen uns bereits seit fünf Jahren intensiv mit Diversität, Inklusion und Zugehörigkeit bei Hubspot und haben einige Fortschritte gemacht, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns. Der Anstoß, ein verpflichtendes Antirassismus-Training einzuführen, kam im Jahr 2020 mit dem Wiederaufleben der Black-Lives-Matter-Bewegung. Wir haben unsere Aktivitäten reflektiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es Bereiche gibt, in denen unsere Bemühungen noch zu kurz griffen, um wirklich sinnvolle Veränderungen zu schaffen. Also haben wir angefangen, unsere schwarzen Mitarbeitenden um Feedback zu bitten, wo wir uns verbessern können – und haben dann einen Plan aufgestellt, in dem es darum ging, aktiv etwas zu tun und nicht nur darüber zu reden.

Das Antirassismus-Training war eine Komponente dieses Plans. Viele der Rückmeldungen, die wir von unseren schwarzen Mitarbeitenden erhielten, bezogen sich darauf, dass Menschen oft nicht wissen, wie sie über Rassismus sprechen sollen. Also wollten wir allen Hubspottern eine gemeinsame Basis geben, wie man über Rassismus sprechen, denken und handeln kann. Wir wollten Gespräche in Gang bringen. Es ist notwendig, dass alle Mitarbeitenden bei Hubspot grundlegend verstehen, wie systemischer Rassismus auf uns alle einwirkt und wie wir selbst aktiv einen Wandel herbeiführen können. Die Antirassismus-Trainings decken nicht alles ab, was mit Rassismus und Antirassismus zu tun hat. Aber sie sind der erste Schritt auf einer langen Reise, die noch vor uns liegt.

BI: Welche Rolle spielt Rassismus im Arbeitsumfeld?

Proctor: Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat ihren Ursprung zwar in den USA, aber Rassismus ist überall. Das Arbeitsumfeld ist davon nicht ausgenommen. Vorurteile, Diskriminierung und Mikroaggressionen können der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden schaden und machen eine inklusive Unternehmenskultur unmöglich. Wir bei Hubspot glauben, dass man die beste Version seiner selbst sein muss, um beste Arbeit zu leisten. Das ist nur möglich, wenn die Mitarbeitenden das Gefühl haben, dass sie im Arbeitsumfeld, im Team dazugehören.

Mit dem Antirassismus-Training wollten wir veranschaulichen, dass Rassismus nicht etwas ist, was fernab von uns „da draußen in der Welt“ passiert, sondern auch in Unternehmensstrukturen und im Alltag vieler Angestellter existiert. Um dies zu veranschaulichen, haben wir für die Schulung echte Audioaufnahmen und Geschichten von BIPoC-Mitarbeitenden genutzt, die gern mitmachen wollten. Sie berichten über ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Vorurteilen und Mikroaggressionen sowohl am Arbeitsplatz als auch außerhalb. Wir wollten, dass sich die Menschen, die das Training absolvieren, möglichst persönlich angesprochen fühlen und dadurch idealerweise ermutigt werden, auch etwas in ihrem Leben zu ändern.

BI: Werden auch Führungskräfte geschult?

Proctor: Ja. Ursprünglich hatten wir nur eine Schulung für alle Hubspotter geplant, aber aufgrund des Feedbacks unserer BIPoC-Mitarbeitenden haben wir ein obligatorisches Antirassismus-Training für die Management-Ebene ergänzt. Heute nehmen alle Hubspot-Mitarbeitenden, egal ob fest oder temporär angestellt, an dem Kurs teil. Neue Mitarbeitende sind dazu angehalten, den Kurs innerhalb ihrer ersten 30 Arbeitstage zu absolvieren.

Führungskräfte bei Hubspot nehmen zusätzlich dazu an einem Kurs mit dem Titel „Antirassismus für Führungskräfte bei Hubspot“ teil. Managerinnen und Manager spielen eine entscheidende Rolle für die Erfahrungen der Mitarbeitenden mit Inklusion und Zugehörigkeit. Wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst.

BI: Wie sieht dieses Training aus?

Proctor: Beide Kurse können im Selbststudium absolviert werden. Sie dauern jeweils etwa 30 Minuten und wurden intern von unseren Teams für Learning & Development sowie Management & Leadership entwickelt und auf unserem bestehenden Lernmanagementsystem gehostet. Die Schulungen beinhalten Lehrinhalte, Möglichkeiten zur Reflexion sowie Video- und Audio-Content von Hubspot-Mitarbeitenden, die über ihre Erfahrungen mit Rassismus berichten und darüber, wie man sich verhalten und anderen helfen kann.

Durch die Inhalte bekommen die Mitarbeitenden ein umfassendes Verständnis von Rassismus, Antirassismus, antirassistischen Verhaltensweisen und darüber, wie wir uns alle aktiv gegen Rassismus einsetzen und uns gegenseitig in die Verantwortung nehmen können. Das gilt für unsere Arbeitswelt bei Hubspot, aber auch darüber hinaus. Wir bitten jeden Mitarbeitenden, einschließlich der Führungskräfte, darum, nach dem Kurs das eigene Verhalten zu reflektieren und selbst Maßnahmen zu ergreifen, um die im Kurs erlernten Inhalte aktiv zu nutzen. Dazu gibt es einen Austausch zwischen den Management-Ebenen und ihren Teams in beide Richtungen.

BI: Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?

Proctor: Bis April 2021 haben über 4.200 Mitarbeitende bei Hubspot das Antirassismus-Training absolviert. Das Feedback der Mitarbeitenden war unglaublich positiv. Sie fanden es toll, dass Hubspot so viel Zeit und Mühe investiert hat, um eine Schulung zu diesen wichtigen Themen anzubieten. Die Kombination aus dem Lesen von Inhalten, dem Anhören von echten Geschichten von Hubspottern und weiterführenden Materialien wie Bücher, Podcasts oder Filme kam gut an und erleichterte es, etwas für sich persönlich mitzunehmen.

BI: Sollte jedes Unternehmen ein solches Training durchführen?

Proctor: Unabhängig davon, ob Unternehmen in der Lage sind, eine umfassende Schulung durchzuführen, entweder intern oder durch einen Drittanbieter, halte ich es für entscheidend, dass Unternehmen und Führungskräfte Diskriminierung und Vorurteile direkt ansprechen. Mitarbeitende wollen wissen, wie ihr Unternehmen zu grundlegenden Menschenrechtsfragen steht. Unternehmen haben eine Verantwortung, sich für ihre Mitarbeitenden einzusetzen – unabhängig von Rasse, Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck, Religionszugehörigkeit, Alter, sozioökonomischem Status oder sexueller Orientierung.

Ich glaube, die Einführung des Antirassismus-Trainings war deshalb bei Hubspot so erfolgreich, weil sie vom ganzen Unternehmen getragen wurde. Beispielsweise ließen wir unsere C-Level-Führungskräfte in Videos am Anfang der Schulung über die Wichtigkeit des Trainings sprechen. Angestellte auf Direktorenebene und darüber nahmen frühzeitig an den Schulungen teil und hinterließen Bewertungen. Diese beiden Tatsachen machten deutlich, dass das Thema uns allen sehr am Herzen lag.

BI: Welche anderen Mittel gibt es aus Ihrer Sicht, um für Inklusion und Gerechtigkeit im Unternehmen zu sorgen?

Wir versuchen ein vielfältiges, integratives und authentisches Unternehmen zu schaffen. 2020 stand durch die Corona-Krise unsere Arbeit unter dem Motto: „Kümmert euch umeinander. Kümmert euch um eure Familien. Kümmert euch um unsere Kunden. Kümmert euch um die Welt“. Um diesen Worten gerecht zu werden, stützen wir uns kontinuierlich auf unsere Kernwerte HEART (Humble, Empathetic, Adaptable, Remarkable, Transparent) und hören unseren Mitarbeitenden zu. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist durch die Daten, die wir freiwillig von ihnen bekommen, um zu verstehen, worüber sie sich identifizieren. Also zum Beispiel, ob sie ein Elternteil sind, einen Militär-Veteranenstatus haben, sie körperliche oder geistige Einschränkungen haben, Mitglieder der LGBTQ+-Community sind oder US-amerikanische Staatsbürger in der ersten Generation.

Ein Indikator für unsere Fortschritte im Bereich Diversität sind unsere aktiven und stetig wachsenden Employee Resource Groups: Women@HubSpot, Families@HubSpot, People of Color at HubSpot (POCaH), BLACKhub, LGBTQ+ Alliance. Wir haben diese Gruppen ins Leben gerufen, um Rückzugsorte für Mitarbeitende bei der Arbeit zu schaffen sowie intern und extern Unterstützung und Networking-Möglichkeiten zu bieten. Jede Gruppe wird von zwei C-Level-Führungskräften unterstützt, die an monatlichen Treffen teilnehmen, Feedback annehmen und die Ideen der Mitarbeitenden in die Leitungsebene bringen.

Natürlich sind wir stolz auf die Fortschritte, die wir mit unserer Arbeit rund um Diversität, Inklusion und Zugehörigkeit im letzten Jahr gemacht haben, aber wir wissen, dass wir noch besser werden müssen. Der Weg zu einem inklusiveren Unternehmen erfordert Empathie, Wirkung und gegenseitige Rücksichtnahme. Am wichtigsten ist es jedoch, zu handeln, statt nur zu reden.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.