Deutsche Märkte öffnen in 4 Stunden 14 Minuten

Fünf Themen des Tages: Lockdown-Lamento, Strom-Blackouts

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Deutsche Unternehmer verlieren die Geduld, Millionen ohne Strom durch US-Blackouts, europäische Aktien steigen, die Schweiz ist Vermögenssteuermodell und in Israel kommen Steaks aus dem 3D-Drucker. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Deutsche Unternehmer verlieren die Geduld

Die unionsgeführte Bundesregierung steht unter zunehmendem Druck, die Lockdowns zurückzunehmen. An die Spitze der Kritiker hat sich ein traditioneller Verbündeter der Unionsparteien gesetzt - die Wirtschaft. “Es ist 5 nach 12 für den Mittelstand. Stoppt die Willkür. Öffnungsstrategie sofort!” lautet das Motto, unter dem die Jungen Unternehmer zum Protest vor dem Amtssitz von Wirtschaftsminister Peter Altmaier am heutigen Dienstag aufgerufen haben. Sogar traditionelle Kontrahenten schließen sich zusammen. “Zahlreiche Unternehmen stehen am Rande der Existenz”, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Gewerkschaftsbundes DGB und der Arbeitgebervereinigung BDA. Die Zahl aktiver Covid-19-Fälle hat sich binnen eines Monats mehr als halbiert.

Millionen ohne Strom durch US-Blackouts

Die Energiekrise, die das texanische Stromnetz lahmgelegt hat, breitet sich weiter aus. Fast 5 Millionen Menschen in den USA sind von Stromausfällen betroffen, während die Behörden darum kämpfen, einen totalen Zusammenbruch des Netzes zu vermeiden. Firmen und Privatpersonen von North Dakota bis Texas sind während einer beispiellosen Frostperiode ohne Strom. Da das kalte Wetter bis Mittwoch anhalten soll, ist ein Ende nicht in Sicht. Mehr als eine Million Barrel Ölförderung und 10 Milliarden Kubikfuß Gasproduktion sind stillgelegt. Die Krise stellt die globale Strategie in Frage, zur Bekämpfung der Erderwärmung alles zu elektrifizieren, vom Transport bis zum Heizen und Kühlen. Eingefrorene Rotorblätter von Windenergieanlagen haben die Debatte über die Zuverlässigkeit erneuerbarer Energien neu entfacht.

Europäische Aktien steigen

Die europäischen Aktien lagen am Dienstagmittag leicht im Plus und gewannen damit den vierten Tag in Folge. Optimismus, dass die Lockdowns gelockert werden können, wenn die Covid-19-Fälle abnehmen und die Einführung von Impfstoffen voranschreitet, gab dem Stoxx 600 Index Unterstützung. Zyklische und wertorientierte Sektoren wie Bergbau, Energie und Reisen zeigten Outperformance während defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter und Gesundheitstitel zurückblieben. Öl- und Gasaktien zeigten aufrund des Kälteeinbruchs in Texas mit die beste Performance. Die breitere Aktienrally hat zu Blasenwarnungen geführt, “die überall auftauchen”, so Ipek Ozkardeskaya von Swissquote. “Die Diskrepanz zwischen dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und dem Kurs-Umsatz-Verhältnis ist seit der Dot.com-Krise nicht mehr so groß gewesen.”

Die Schweiz ist Vermögenssteuermodell

Die Schweiz zeigt, wie sich eine niedrige Belastung von Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben mit einer Vermögenssteuer kombinieren lässt, die von den Besteuerten weitgehend akzeptiert wird. In einer der reichsten Nationen der Welt müssen die Bürger den Wert ihrer Finanzanlagen, Immobilien, Autos, Kunstwerke, Bitcoin und sogar Bienenstöcke und Kühe melden, worauf die Kantone einen Teil abschöpfen. Für einen Landwirt aus Wetzikon im Kanton Zürich, der für die SVP in der Gemeindevertretung sitzt, funktioniert das Modell. Der Betrag, den er für seine Kühe und Esel zahlen müsse, tue nicht weh. Allerdings liegt der Steuerkeil auf Arbeitseinkommen für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener ohne Kinder in der Schweiz bei 22,3%, in Deutschland jedoch bei 49,4% und in Österreich bei 47,9%, wie OECD-Zahlen für 2019 zeigen.

In Israel kommen Steaks aus dem 3D-Drucker

Buletten-Ersatz aus Pflanzen war gestern, jetzt kommen saftige Steaks aus dem 3D-Drucker auf den Tisch. Das israelische Unternehmen Redefine Meat zielt in dem boomenden Markt für Fleischimitate auf Steakhäuser und andere Restaurants in Israel, Europa und Asien. Mit seinen 3D-gedruckten Faksimiles von Rinderteilen, vom Filet bis zum Rumpsteak und Brisket, will die Firma auch eingefleischte Fleischfresser locken. Das Startup hat gerade 29 Millionen Dollar an Finanzierung aufgebracht, um eine groß angelegte Pilotfabrik zu bauen und später in diesem Jahr mit dem Verkauf zu beginnen. Nachfrage Fleischersatz boomt aufgrund von Umwelt- und Gesundheitsbedenken seit Jahren. Das hat Venture-Capital-Investoren und Lebensmittelriesen von Nestle bis McDonald’s angezogen, allerdings lassen Geschmack und Preis oft zu wünschen übrig. Redefine versucht, den Gästen das gleiche sensorische Erlebnis zu bieten, wie beim Essen von erstklassigem Rindfleisch.

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